Raumfahrt Der neue Wettlauf ins All


50 Jahre nach Sputnik startet die Raumfahrt in eine neue Ära: USA und Chinesen bereiten bemannte Stationen auf dem Mond vor und nehmen Anlauf zum Mars. Und auch die Deutschen wollen zu großen Abenteuern aufbrechen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) plant die erste eigene Mondmission und will gar einen Astronauten zum Mond schicken - mit den Amerikanern. Zur gleichen Zeit versucht die Europäische Weltraumagentur Esa, den Traum von einer Raumfähre zu realisieren - gemeinsam mit Russland. "Es gibt wieder einen Wettlauf im All", sagt Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. "Der Ausgang ist noch offen." Alles hänge von den künftigen Allianzen ab. Und die sind weit unübersichtlicher als beim ersten Rennen zwischen Ost und West vor der Mondlandung 1969.

Konkurrenz-Shuttle in Planung

Nicht zuletzt, weil die USA ihre neuen Orion-Raumschiffe alleine bauen, ist die Esa an einem Bündnis mit Russland interessiert. Gemeinsam plant man ein Konkurrenz-Shuttle. Der Projektname: ACTS (Advanced Crew Transportation System). Eine Machbarkeitsstudie läuft seit 2006. Im August verabredeten Dordain und sein Kollege Anatoli Perminow von der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos eine Arbeitsgruppe. Sie soll ein "pilotengesteuertes Transportsystem zur ISS, zum Mond und zum Mars entwickeln", verkündete Perminow laut der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Bei der Esa gibt man sich noch zurückhaltend. Die Entscheidung, ob Europa mit der Raumfähre im kommenden Jahrzehnt ein neues leistungsfähiges Transportmittel erhält, entscheidet sich im November 2008. Dann muss der Esa-Ministerrat grünes Licht geben.

In Köln blickt man gespannt auf den Fortgang - schließlich braucht das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt rund 300 Millionen Euro für die eigenen Ambitionen. Schon in fünf Jahren soll eine Sonde in einer Umlaufbahn von 50 Kilometern um den Mond kreisen, erklärt DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner. Neben der Erstellung einer detaillierten Landkarte des Mondes könne die erste allein von Deutschland verantwortete Mission auch der Vorbereitung von Landeplätzen dienen. "So wollen wir für die USA zum wichtigen Partner für ihre Mondlandung werden", sagt Wörner. Ein Ziel dahinter: Aus einer starken Position über einen Mitflug verhandeln. Das wäre ein immenser Schritt für die Raumfahrt "made in Germany".

Chinesen wollen 2017 auf dem Mond landen

Doch bis zum ersten Deutschen auf dem Erdtrabanten ist es noch weit. Die Machbarkeitsstudie für die unbemannte Mission soll Ende des Jahres vorliegen, danach wird verhandelt. "Das Wirtschaftsministerium steht hinter unserer Linie", sagt Wörner. Den Zusammenhang zwischen eisernem politischen Willen und Erfolg demonstrieren die Chinesen. 1995 machte Peking seine Pläne bekannt, als dritte Nation nach den USA und Russland einen Menschen ins All zu bringen. 2003 startete der erste Taikonaut in einer auf russischer Technik basierenden "Shenzhou"-Rakete. Im kommenden Jahr sollen die ersten Raumfahrer aus dem Reich der Mitte im Weltraum spazieren gehen. Parallel wird eine Lastenrakete gebaut, um Module einer Raumstation ins All zu hieven.

"Die erste Mondlandung der Chinesen ist für 2017 vorgesehen, später soll eine Station folgen", sagt Stephan Walter, China-Experte vom Raumfahrtkonzern Astrium. "Ein sportlicher Plan, aber es ist ihnen zuzutrauen." Neben einem unerschöpflichen Budget versuchen die Chinesen mit allen Tricks bis hin zur Industriespionage sich das technische Wissen auch der europäischen Konkurrenz anzueignen, berichten Insider. Zwtl: Chinesische Imbissbude auf dem Mond US-Präsident George W. Bush gab am 14. Januar 2004 seine "Vision der Erkundung des Weltalls" bekannt: 2015 soll das erste Orion-Shuttle starten, fünf Jahre nach Stilllegung der Space-Shuttle-Flotte. Spätestens 2020 soll eine "Ares-1"-Rakete eine bemannte Kapsel auf den Mond bringen - für den Aufbau einer permanenten Station.

DLR: Mars ist erst mal unerreichbar

Dort wollen die Raumfahrtnationen die notwendigen Erfahrungen für eine bemannte Mars-Mission sammeln. Bush hat das Jahr 2030 als Ziel dafür genannt. "Die USA sind in dem Rennen in der besseren Ausgangssituation", sagt Esa-Chef Dordain. Entscheidend werde sein, auf welche Seite sich die Russen schlagen würden. Sollten sie ihre Zusammenarbeit auf China konzentrieren, wären die Karten neu gemischt. Europas oberster Raumfahrtmanager kramt eine Karikatur aus dem Papierstapel auf seinem Schreibtisch in der Pariser Esa-Zentrale. Sie zeigt einen US-Astronauten, der eine neue Flagge auf den Mond setzen will. Dort steht aber schon eine chinesische Imbissbude. Wenn der Wettkampf die gleiche politische Dimension wie zur Zeit des Kalten Krieges hätte, könnte man schon in zehn Jahren ein Team auf den Mars schicken, meint Dordain: "Die Technik existiert praktisch."

DLR-Chef Wörner ist skeptischer, er hält den Roten Planeten in den kommenden 15 bis 20 Jahren für unerreichbar. Denn eine Rakete zum Mond kann ohne Landung zurückkehren. Die Reise zum Mars von mindestens acht Monaten kann man nicht abbrechen. Und die Astronauten müssten sieben Monate auf dem Planeten ausharren, bis sie wieder nahe genug an der Erde wären für die Rückkehr.


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