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Römisches Imperium Liebe in Pompeji – die selbstbewusste Frau des Bäckers und ihr hübscher Mann

Das Paar zeigt sich mit den Insignien gute Römer - sie betont ihre Bildung und ihre Rolle im Geschäft.
Das Paar zeigt sich mit den Insignien gute Römer - sie betont ihre Bildung und ihre Rolle im Geschäft.
Terentius Neo und seine Frau stellten sich in einem Doppelportrait dar. Großen Wert legten sie darauf, ihr top-modisches Outfit und ihre Bildung zu zeigen. Doch ihre zentrale Botschaft ist ihre innige Zuneigung und die gleichberechtigte Partnerschaft, in der sie lebten.

Als der Vesuv im Jahr 79 n. Chr. ausbrach, schuf er mit seiner Asche eine Zeitkapsel, die das Leben der beiden Städte über fast 2000 Jahre konservierte. Terentius Neo und seine Frau sind nicht als Tote über uns gekommen, von dem Paar erzählt ein Fresco in ihrem Haus. Ein Bild welches uns viel vom Leben der normalen Römer verrät. Der Bäckereibesitzer Terentius Neo und Gattin gehörten nicht zur superreichen Oberschicht, die sich in Pompeji Sommervillen bauen ließ, sie waren aber keineswegs arm. Im Imperium konnte man auch mit der Produktion und dem Verkauf von Lebensmitteln sehr wohlhabend werden. Die beiden waren allerdings keine international tätigen Agrar-Unternehmer, besaßen aber eine offenbar gut gehende städtische Bäckerei.

Auf dem Fresco greift Terentius Neo nach einer Papyrusrolle mit einem Wachssiegel. Sie hält einen Stift ans Kinn und trägt eine Schreibtafel. Das Doppelporträt ist das Einzige seiner Art, das in der Gegend gefunden wurde. Beide zeigen sich als gute Bürger. Schriftrolle und Griffel zeigen, dass sie beide gebildet und kultiviert sind. Mann und Frau stellen sich als gleichberechtigte Partner dar. Sie ist diejenige, die die Abrechnung macht. Und keinesfalls die Untergebene ihres Mannes.

Der Kunstgriff der großen Augen 

Dazu kommt die Unmittelbarkeit des Ausdrucks. Über 2000 Jahre hinweg schauen die beidem dem Betrachter direkt in die Augen. Ihr Abbild ist realistisch gehalten, auch kleine Unvollkommenheiten sind zu sehen. Die vergrößerten mandelförmigen Augen verleihen dem Fresco dazu eine magische Intensität, dieser Blick durchdringt 2000 Jahre. Wenn man mag, kann man sich die beiden als stolzes Paar von heute vorstellen.

Das Fresco selbst trägt keinen Namen, ein Graffito im Inneren des Hauses machte es möglich, dem Bild den Namen Terentius Neo zuzuschreiben. Seine Toga weist ihn als Magistrat aus. Ihre Frisur lässt es zu, das Fresco auf die Epoche des Kaisers Nero (54-68) zu datieren.

Irrtümlich wurde der Mann zunächst für Paquius Proculus gehalten, doch der Schriftzug mit dem Namen am Haus deutete nicht auf den Besitzer hin. Es war eine Wahlempfehlung des Bäckerpaares für Proculus, eine Art persönliches Wahlplakat.

Weltmännisch in der Provinz 

Das Doppelporträt verrät einiges über die beiden. Bildung und Status waren dem Paar aus der Provinz sehr wichtig. Beide sind auch ausgesprochen modisch gekleidet. Im Falle von Pompeji ist "Provinz" auch nur die halbe Wahrheit. Die Stadt war kein vergessenes Fischerdorf am Rande Italiens, sondern einer der Sommerfrischen der römischen Elite. Modisch also eher ein Saint Tropez der Kaiserzeit. Dazu kann man einiges über das wahre Leben eines Ehepaares erahnen. In der Theorie war der römische Mann der uneingeschränkte Herr über die Familie und über seine Frau. Doch schon in der späten Republik und erst recht in der Kaiserzeit wurde diese Eheform, in der die Frau quasi als Besitz von der Hand des Vaters in die des Gatten überwechselte (Manus-Ehe) von der weitaus freieren Form der Nuptia abgelöst. Am Ende der römischen Epoche ging die Oberschicht zu noch unverbindlicheren Formen des Zusammenlebens über, um den Besitz der Frau – und ihrer Blutsverwandten – zu schützen.

Gemeinsam führten sie die Bäckerei

In der Oberschicht kam der Frau die Rolle als sittsame Matrone zu. Mutter der Kinder, Managerin des Hauses und Hüterin von Sitte und Religion. Von Geschäften ist da nicht die Rede. Doch auch der Mann war auf die staatliche und militärische Ämterlaufbahn verwiesen. Die meisten Tätigkeiten und Geschäfte waren auch für ihn verpönt, wenn nicht gar verboten. Tatsächlich wurden diese strikten Regeln regelmäßig von Männern und Frauen umgangen.

Doch Terentius Neo und seine Frau gehörten nicht zum römischen Prinzipat, die einfachen Bürger mussten durchaus selbst arbeiten. Ihr Haus wurde zu einer Bäckerei umgebaut. Man kann sich das als größere städtische Bäckerei vorstellen. Doch ihr Geschäft hatte nicht die Dimension eines Großbetriebes. Im Imperium gab es Agrarfabriken, die für den internationalen Handel produzierten. Wein, Oliven, eine Art von Zwieback oder Würzpaste konnten riesige Vermögen schaffen. Terentius Neo und Frau hingegen arbeiten im eigenen Haus mit, auch wenn die schweren Tätigkeiten wohl andere erledigten.

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