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Google Doodle würdigt Albert Szent-Györgyi: Mit Vitamin C zum Nobelpreis

Sein Name ist in Deutschland nur Wenigen bekannt, seine Erkenntnisse retten tagtäglich Leben: Am Freitag wäre der ungarische Mediziner Albert Szent-Györgyi 118 Jahre alt geworden. Google erinnert an den Medizin-Nobelpreisträger von 1937 mit einem Doodle.

Von Jens Wiesner

Der Tod auf hoher See kam schleichend: Erst klagten die Seefahrer über Erschöpfung und Mattigkeit, Fieberschübe und Durchfall plagten die Matrosen, das Zahnfleisch entzündete sich, begann zu bluten, schließlich fielen die Zähne aus. Nach langem Siechtum folgte nicht selten der Tod. Wieder einmal hatte der heimtückische Skorbut neue Opfer gefunden. Dabei wäre eine Behandlung so einfach gewesen: Schon eine regelmäßige Ration Orangen hätte ausgereicht, doch damals, zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert, im Zeitalter der großen Entdeckungen, war der Charakter von Skorbut als Vitaminmangelkrankheit noch völlig unbekannt.

Diese Erkenntnis dämmerte erst langsam herauf: 1754 fand der britische Schiffsarzt James Lind heraus, dass Zitrusfrüchte wirksam gegen Skorbut halfen - doch das "Warum" blieb unbekannt. 1907 wiesen zwei norwegische Ärzte die Mangelerkrankung erstmals an Meerschweinchen nach und konnten die Tiere mit bestimmten Futterzusätzen heilen. 14 Jahre darauf tauchte zum ersten Mal die Bezeichnung "Vitamin C" auf: Der Biochemiker Sylvester Zilva gab den Namen einer Mischung aus Substanzen, die er aus Zitronensaft isoliert hatte und die dazu in der Lage waren, Skorbut zu heilen.

Ascorbinsäure als Vitamin C identifiziert

Doch erst zwischen 1927 und 1934 sollte dem ungarischen Mediziner und Biochemiker Albert Szent-Györgyi der Durchbruch gelingen: Er isolierte durch Kristallisationsversuche die Ascorbinsäure, einen farb- und geruchlosen Feststoff mit saurem Geschmack, und konnte 1932 nachweisen, dass exakt dieser Stoff das gesuchte Vitamin C ist.

Fünf Jahre später erhielt Szent-Györgyi "für seine Entdeckungen auf dem Gebiet der biologischen Verbrennungsprozesse, besonders in Beziehung auf das Vitamin C und die Katalyse der Fumarsäure" den Nobelpreis für Medizin. In seiner Dankesrede in Stockholm beschwor er den Geist einer im Wissensdurst vereinten Menschheit. "Es gibt Dinge an uns, die nationale Grenzen überschreiten, die wichtiger sind als unsere Sprache, unser Pass oder unsere Geburtsurkunde."

Die guten Verbindungen nach Schweden sollte dem erklärten Nazi-Gegner und ungarischen Widerstandskämpfer noch hilfreich werden: Während des Zweiten Weltkriegs wurde Szent-Györgyi schwedischer Staatsbürger und emigrierte 1947 in die Vereinigten Staaten. In Woods Hole (Massachusetts) gründete der Forscher das Institut für Muskelforschung. Szent-Györgyi starb 22. Oktober 1986 im Alter von 93 Jahren.

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