HOME

"Mars-Express": Europäische Raumsonde auf dem Weg zum Mars

Die europäische Raumsonde "Mars-Express" hat sich auf ihren weiten Weg zum Nachbarplaneten der Erde gemacht. Die erste europäische Mission zum Mars startete pünktlich in Kasachstan.

Erstmals in ihrer Geschichte hat die europäische Raumfahrtagentur ESA eine Sonde auf den Weg zum Mars geschickt. Vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan startete am Montagabend eine Sojus-Rakete mit der Raumsonde Mars-Express an Bord. Die rund 1,2 Tonnen schwere Sonde soll den roten Planeten Ende Dezember erreichen und zwei Jahre lang nach Wasser und Leben auf dem Mars suchen.

"Das war ein großer Start", sagte ESA-Wissenschaftsdirektor David Southwood in Baikonur nach dem Abheben der Rakete: "Europa ist auf dem Weg zum Mars." Der Start der russischen Rakete, der planmäßig um 19.45 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit stattfand, wurde im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt mit begeistertem Applaus gefeiert. "Das ist ein großer europäischer Erfolg", sagte Mission Controller Mike McKay. Die Rakete sollte die Raumsonde in rund 90 Minuten ins All tragen und dabei auf eine Geschwindigkeit von knapp 11.000 Stundenkilometer beschleunigen. Die Gesamtkosten von Mars-Express betragen nach Angaben der ESA rund 300 Millionen Euro.

Erkennungsmelodie von Blur

Mars-Express besteht aus einem so genannten Orbiter sowie einer Landeeinheit. Sobald die Sonde den roten Planeten erreicht, soll die Landeeinheit Beagle 2 über dem Marsäquator abgesetzt werden. Die 65 Kilogramm schwere Einheit soll an einem Fallschirm zu Boden schweben, wobei mehrere Airbags den Aufprall dämpfen. Ist die Landung geglückt, wird Beagle 2 eine Melodie an den Orbiter funken, die von der britischen Popgruppe Blur komponiert wurde.

Ein halbes Jahr Untersuchungsdauer

Rund sechs Monate lang soll die Landeeinheit ihre Umgebung untersuchen. Wichtigstes Werkzeug ist dabei der Bohrer Pluto, mit dessen Hilfe erstmals auf einem fremden Planeten unterirdische Bodenproben genommen und anschließend an Bord der Landeeinheit analysiert werden können. Wissenschaftler vermuten, dass sich auf dem Mars einfache Lebensformen wie beispielsweise Mikroben entwickeln konnten.

Dass an der Mars-Oberfläche bislang keinerlei Spuren von Leben entdeckt wurden, wird auf die starke UV-Strahlung der Sonne zurückgeführt. Unter der Oberfläche des Wüstenplaneten vermuten Wissenschaftler dagegen einfache Organismen, da sie vor Sonnenstrahlung dort geschützt wären.

Auf der Suche nach Leben

Während Beagle 2 den Mars von der Oberfläche aus untersucht, soll die um den Planeten kreisende Station das gleiche vom Weltraum her tun. Der Orbiter wird aus seiner Umlaufbahn Geologie und Atmosphäre des Mars unter die Lupe nehmen. Ein Spezialradar soll dabei helfen, die Grundlage allen Lebens auf dem Mars zu finden. Das Gerät kann nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) Wasser noch in fünf Kilometern Tiefe aufspüren.

Die erste europäische Mars-Mission ist nach McKays Worten in den vergangenen viereinhalb Jahren intensiv vorbereitet worden. Die Computer in Darmstadt mussten mit einer neuen Software für interplanetarische Missionen gefüttert werden. Eine spezialisierte Navigatorengruppe wurde gebildet.

Insgesamt rund 200 Männer und Frauen werden während des Mars-Fluges im Kontrollzentrum tätig sein, ständig bereit einzugreifen, wenn irgend etwas schief zu gehen droht. "Sie kennen fast jede Schraube an Mars-Express", erklärte der Mission Controller.