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Angst vor Strahlung aus Japan Jagd auf die Atom-Teilchen


Deutschland geht auf Nummer sicher: Ob Luft, Reisende, Flugzeuge oder Chips - alles, was aus Japan kommt, wird auf Strahlung untersucht. Und das besonders gewissenhaft.
Von Alexandra Haderlein

Länder in aller Welt wappnen sich gegen mögliche Strahlenschäden durch die im AKW Fukushima freigesetzte Radioaktivität. Besonders gründlich gehen dabei die Deutschen vor, die ja immerhin 9000 Kilometer Luftlinie vom Katastrophenort trennt. Es gibt Kontrollen für importierte Lebensmittel und Industriegüter, Vorsorgemaßnahmen in Häfen und durch Reedereien, Frühwarnsysteme für die Atmosphäre und Strahlentests für Japan-Reisende sowie die Flugzeuge, in denen sie in Deutschland ankommen.

Bislang besteht für die Deutschen keine reale Gefahr, darin sind sich die meisten Experten einig. So gab das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Entwarnung: Zwar hätten die Messstationen des Deutschen Wetterdiensts Spuren von Radioaktivität in der Luft festgestellt, die aus Japan stammen könnten, erklärte das Amt vergangene Woche. Von ihnen gehe aber keine gesundheitliche Gefährdung aus. Daran werde sich wohl auch in den kommenden Wochen nichts ändern. Und Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) betonte, die Verbraucher müssten sich um ihre Lebensmittel nicht sorgen.

Dennoch: Vergangene Woche ordnete die EU Kontrollen für Lebensmittel aus Japan an. Nur solche Produkte, die in Japan auf Radioaktivität getestet worden seien, dürfen eingeführt werden. Und auch an den EU-Grenzen werde man stichprobenartig prüfen. Deutschland kontrolliert allerdings bereits seit Mitte März Importe aus Japan - wenn diese auch nur 0,1 Prozent aller nach Deutschland eingeführten Lebensmittel ausmachen. "Wir überprüfen alles, was aus Japan importiert wird", erklärte Aigner.

Kontrollen auf alle Waren ausgeweitet

Inzwischen hat Deutschland seine Kontrollen offenbar auf die komplette Wareneinfuhr ausgeweitet: Autos und Computerchips würden vom Zoll geprüft, teilt die Bundesregierung auf ihrer Website mit. Und auch Container werden strahlengetestet. Und Autoimporteure versprechen Sicherheit. In der "Automobilwoche" versicherte ein Mazda-Sprecher, dass "kein kontamiertes Fahrzeug oder Ersatzteil in den Handel gebracht wird" - und wies zugleich darauf hin, dass die Werke in Japan 1000 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk entfernt seien.

Weder zu Land, zu Wasser noch zu Luft soll Schädliches Deutschland erreichen. Ein flächendeckendes Netz von Stationen und die äußerst empfindliche Messstelle Schauinsland im Schwarzwald, die üblicherweise für die Überwachung des Atomteststoppabkommens zuständig ist, fahndet nach Radioaktivität.

Das Umweltministerium erstellt derzeit eine Eilverordnung mit Richtwerten für Flugzeuge und Schiffe. Die beiden größten Flughäfen in Deutschland, Frankfurt und München, untersuchen Innenraum und Außenhaut der täglich sechs aus Japan kommenden Flugzeuge. In Frankfurt nehme man bereits seit Tschernobyl stichprobenartig Strahlenmessungen vor, heißt es dort. Bisher seien aber keine erhöhten Werte verzeichnet worden.

Japan-Flugticket gegen Untersuchung

Aber nicht nur Flugzeuge, auch die Reisenden selbst könnten Strahlung importieren. An Flughäfen oder anderen Messstellen können sich Betroffene gegen Vorlage ihres Japan-Flugtickets deshalb untersuchen lassen - freiwillig. Knapp 100 Deutsche hätten das Angebot bislang wahrgenommen, sagt eine Sprecherin des BfS: "Bei etwa einem Drittel der Messungen konnten geringfügige Kontaminationen festgestellt werden, die jedoch alle unbedenklich waren." Häufig war nur die Kleidung kontaminiert.

Dass verseuchte Schiffe in deutschen Häfen anlegen, ist vorerst nicht zu befürchten. Kein deutsches Schiff habe sich im Unglückszeitraum in kritischer Nähe von Fukushima befunden, so der Verband Deutscher Reeder.

Vor Mitte April werde ohnehin kein Schiff mit möglicher Strahlenbelastung aus Fernost in Deutschland ankommen. Einige Hundert Container aus der betroffenen Region seien aus dem Verkehr gezogen und vorerst in Depots zwischengelagert worden, erklärte die Reederei Hapag-Lloyd.

Je offensichtlicher wird, dass Japan die Lage am Atomkraftwerk nicht unter Kontrolle bekommt, desto größer wird aber auch die Nervosität anderswo. Mit Forschungsschiffen untersuchen russische Experten nun, ob Fische im Pazifik verstrahlt sind.

FTD

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