Erdbeben Warnhinweise in den Wolken


Erdbeben sind gefürchtet, mit ihrer gewaltigen Kraft können sie schwere Schäden anrichten und Menschenleben fordern. Chinesische Wissenschaftler wollen nun eine Methode gefunden haben, mit der sie Erdstöße vorhersagen können: anhand von Wolkenformationen.

Bestimmte Wolkenformationen könnten Vorboten eines bevorstehenden Erdbebens sein: Bei der Auswertung von Satellitenbildern haben chinesische Wissenschaftler ungewöhnliche Wolkenlücken entdeckt, die im Vorfeld von zwei schweren Erdbeben im Süden des Irans auftraten. Diese Lücken folgen genau dem Verlauf tektonischer Bruchlinien, wiesen die Geophysiker Guangmeng Guo und Bin Wang von der Nanyang Normal University in Henan nach.

Entlang dieser Verwerfungen blieb der Himmel über mehrere Stunden unbedeckt, obwohl sich die umliegenden Wolken bewegten. Gleichzeitig beobachteten die Wissenschaftler in beiden Fällen eine Erhöhung der Bodentemperatur entlang der Bruchlinien. Jeweils rund zwei Monate nach diesem Phänomen kam es in den Gebieten zu schweren Erdbeben. Die Forscher wollen ihre Ergebnisse für die Vorhersage von Erdbeben nutzen, Fachkollegen sind dagegen skeptisch. Über die Ergebnisse der chinesischen Wissenschaftler berichtet das Fachmagazin "New Scientist" (Bd. 198, S. 12).

Russische Forscher hatten schon in den 1980er-Jahren Temperaturveränderungen und ungewöhnliche Wolkenformationen im Vorfeld von Erdbeben beobachtet. Berichte über die Wolkenbeschaffenheit vor Erdbeben seien dennoch selten geblieben, schreiben die Wissenschaftler Guo und Wang. In ihrer Studie untersuchten sie daher explizit die Wolkenformationen vor zwei schweren Erdbeben im Iran.

Auf Satellitenbildern vom Dezember 2004 fiel Guo und Wang zum ersten Mal die ungewöhnliche Lücke ins Auge. Ein ähnliches Phänomen beobachteten sie auf Bildern, die vom Dezember des Folgejahres stammten. Jeweils rund 60 Tage nach dem Auftreten dieser Lücken kam es in der unmittelbaren Umgebung zu Erdstößen der Stärke sechs oder höher auf der Richter-Skala. Die Forscher vermuten, dass die Wolken von Gasen aufgelöst wurden, die aus der Bruchlinie austraten. Damit ließe sich auch die Temperaturerhöhung in diesem Gebiet erklären.

Erdbebenforscher wie Mike Blanpied vom Geologischen Dienst der USA sind aber von den Ergebnissen noch nicht überzeugt. "Es gibt kein physikalisches Modell, mit dem man erklären könnte, warum etwas zwei Monate vor einem Erdbeben plötzlich auftritt und gleich wieder verschwindet, ohne noch einmal wiederzukehren."

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