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Ethikrat: Klonen in Deutschland - noch nicht

Das Klonen menschlicher Embryonen für die Forschung soll nach einmütiger Empfehlung des Nationalen Ethikrates in Deutschland gegenwärtig verboten bleiben. Die Befürworter des Forschungsklonens hielten sich zurück.

Das Klonen menschlicher Embryonen für die Forschung soll nach einmütiger Empfehlung des Nationalen Ethikrates in Deutschland gegenwärtig verboten bleiben. Diese Kernbotschaft der am Montag in Berlin vorgestellten Stellungnahme wurde überraschend auch von Mitgliedern mitgetragen, die ansonsten grundsätzlich für eine begrenzte Zulassung des Forschungsklonens plädieren. Die Kirchen bedauerten, dass sich das Experten-Gremium nicht einheitlich auf ein klares und dauerhaftes Nein habe verständigen können.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sprach von einem "angemessenen Vorschlag". Gesetzliche Regelungen über naturwissenschaftliche Sachverhalte müssten immer wieder überprüft werden.

Nach den Worten des Ethikrats-Vorsitzenden Spiros Simitis spiegelt die 70-seitige Empfehlung jene moralischen und wissenschaftlichen Streitpunkte wieder, wie sie derzeit in der Gesellschaft vorherrschen. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass sich der repräsentativ zusammengesetzte Ethikrat in 15-monatiger Beratung neben der zentralen Botschaft in den Details nicht auf eine gemeinsame Aussage verständigen konnte, sondern drei Gruppenvoten vorgelegt habe.

Zwölf Mitglieder für das Forschungsklonen

Die Befürworter des Forschungsklonens begründeten ihre Zustimmung zum Moratorium damit, dass sie in der "moralisch hoch aufgeladenen deutschen Debatte" ein Friedenszeichen setzen wollten. Anders als im Ausland sei in Deutschland diese Forschungstechnik "gegenwärtig politisch nicht durchsetzbar", sagte der Soziologe Wolfgang van den Daele. Sollten sich bei der internationalen Forschung allerdings beachtliche Heilungserfolge für kranke Menschen zeigen, müssten auch die deutschen Gentechniker reagieren. "Wir können dann nicht mehr sagen, lass das mal die anderen machen, weil die Forschungstechnik moralisch strittig ist."

Diese Position wird von zwölf Mitgliedern des Ethikrats geteilt, darunter auch den Genforschern. Fünf Mitglieder plädierten hingegen für die generelle Beibehaltung des Verbotes, "weil dabei Embryos vernichtet werden, die eigens zur Forschung hergestellt wurden", sagte der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff.

Weitere fünf Experten, darunter auch Simitis, sind für den Bestand des Verbotes "zum gegenwärtigen Zeitpunkt". Grund dafür seien nach Ansicht der Biologin und Sozialforscherin Regine Kollek die noch unsicheren Erfolgsaussichten bei zugleich moralisch fragwürdigem hohen Verbrauch von Eizellen. Man wolle sich aber "auf keinen Fall auf ein Verbot für alle Zeiten festlegen". Drei Mitglieder konnten sich keiner Position anschließen.

"Türöffner für das Klonen"?

Simitis sagte, die Empfehlungen des Ethikrates kämen rechtzeitig zur Debatte in den Vereinten Nationen über ein weltweites Verbot menschlichen Klonens. Auch sollte der Gesetzgeber noch unklare Regelungen konkreter fassen. Der Bundestag hatte sich 2003 parteiübergreifend für ein weltweites und umfassendes Klonverbot ausgesprochen. Die Entscheidung in Großbritannien, erstmals in Europa Forschungsklonen zu erlauben um damit die Bekämpfung von Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu erleichtern, hatte die Diskussion auch in Deutschland neu entfacht.

Der CDU/CSU-Ethik-Experte Thomas Rachel sieht in der Empfehlung einen "Türöffner für das Klonen zu Forschungszwecken". Die Vorsitzende des Bundestags-Forschungsausschusses, Ulrike Flach (FDP), wertete das Votum nicht als "Nein", sondern als ein "Noch nicht". Nach Aussage des Grünen Forschungspolitikers Reinhard Loske stehe Deutschland mit dem Verbot des Forschungsklonens in der EU nicht allein. Nur in Großbritannien und Belgien sei es erlaubt.

DPA