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Fischsaurierskelett vom Fuße der Schwäbischen Alb Was es mit den Seedrachen auf sich hat


Die ersten Funde von Fischsauriern vor mehr als 200 Jahren galten vielen als "Teufelswerk". Dank Darwin wurden sie wie andere Fossilien zum Beweis der Evolution.

Ein Fischsaurierskelett vom Fuße der Schwäbischen Alb sorgt für Aufsehen: Der 1,6 Meter lange Schädel samt Teilen von Paddeln und Wirbelsäule widerlegt Vorstellungen, dass die letzten Seedrachen vor 180 Millionen Jahren lebten. Das am Dienstag vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart präsentierte Tier datiert auf eine Zeit vor 175 bis 170 Millionen Jahren.

Welche Ursprünge haben Fischsaurier?

Vor 250 Millionen Jahren gingen Echsen ins Wasser und entwickelten sich zu Fischsauriern. Viel später eroberten auch hundeartige Wesen den Lebensraum Wasser und wurden zu Walen. Diese wären gar nicht entstanden, wenn nicht zuvor - etwa vor 100 Millionen Jahren - die als "moderne Fischsaurier" geltenden Meeresechsen ausgestorben wären, weiß der Saurierexperte Rainer Schoch vom Stuttgarter Museum. Denn die Fischsaurier hatten die biologischen Nischen besetzt, die später die Wale nutzten.

Wie sahen die Fischsaurier aus?

Die Tiere ähnelten den heutigen Delfinen, hatten glatte Haut, eine Rücken- und eine Schwanzflosse. Letztere war allerdings wie beim Hai senkrecht gestellt. In Kanada gefundene Exemplare wurden mehr als 20 Meter lang; der jetzt vorgestellte einzigartige Fischsaurier war vermutlich zwischen 7,5 und 8 Metern lang. Die Ichthyosaurier lebten im Salzwasser möglicherweise wie Delfine in Schulen zusammen. "Allerdings konnten sie nicht so schön aus dem Wasser springen", erzählt Schoch. Vor wenigen Jahren fanden Forscher durch Untersuchungen von Zähnen und Zahnschmelz heraus, dass Fischsaurier warmblütig waren, also im Unterschied zu den heutigen kaltblütigen Reptilien eine Körpertemperatur zwischen 35 und 38 Grad aufwiesen.

Wie pflanzten sich Fischsaurier fort?

Zwar legen die meisten Reptilien Eier, doch gibt es auch lebendgebärende, zu denen die Fischsaurier gehörten. Das Männchen befruchtete die Eier im Körper des Weibchens, aus denen in der Regel ein bis zwei Babys schlüpften. Sie hatten bereits ein vollständig entwickeltes Gebiss und mussten sich vom ersten Tag an selbst ernähren. "Das Meer war damals voll von anderen Meerechsen, kleineren Krokodilen, Tintenfischen und Fischen, den Lieblingsspeisen der Fischsaurier", berichtet Schoch. "Die Fischsaurier waren die größten Raubtiere im Urzeitmeer."

Was ist das besondere am dem neuen Fischsaurier?

Er stammt aus einer Zeit, die bisher weltweit als "saurierfundfrei" galt. Das Exemplar aus einer Tongrube bei Heiningen (Kreis Göppingen) ließ sich durch die auf ihm gefundenen Indexfossilien, einer nur zu einer bestimmten Zeit existierenden Ammonitenart, datieren. Es unterscheidet sich von den Fischsauriern davor und danach etwa hinsichtlich Zähnen, Augenhöhlen, Schädel- und Flossenform und bildet damit eine eigene Gattung.

Wann verschwanden die Fischsaurier?

Die Fischsaurier-Zeit endete vor rund 93 Millionen Jahren. Die Gründe sind unklar. Denn sie verschwanden auch vor den Dinosauriern von der Erdoberfläche, für deren Aussterben zumindest verschiedene Theorien wie ein Meteoriteneinschlag oder eine Klimaabkühlung kursieren. Während die Dinosaurier in den Vögeln weiterleben, gibt es keine Nachfahren der Meeresechsen. Ihre biologische Nische wurde später von den Mosarsauriern besetzt, einer Art großer Wasserschlangen. Diese starben mit den Dinosauriern vor 65 Millionen Jahren aus.

Julia Giertz, DPA DPA

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