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GEN-TECHNOLOGIE: Die klügsten Forscher machen die dicksten Kartoffeln

Die Kartoffel landet in Deutschland häufig nicht nur auf dem Teller, sondern auch in Pudding und Pappe. Wissenschaftler wollen durch genetische Manipulation ihren Stärkegehalt erhöhen.

Jede Dritte in Deutschland angebaute Kartoffel landet als Stärke in Pudding und Pappe. Gentechnikern ist es im Laborversuch gelungen, den Stärkegehalt der Feldfrüchte signifikant zu erhöhen: Für gleiche Produktionsmengen wären weniger Knollen nötig. Theoretisch wäre eine Zulassung nach Angaben von Professor Lothar Willmitzer, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck- Institutes in Golm, in sechs bis acht Jahren möglich. Einen Markt gibt es derzeit nicht. »Wir lehnen gentechnisch veränderte Kartoffeln absolut ab, weil unsere Kundschaft, die Verbraucher, sie nicht will«, sagt Wolfgang Hees, Geschäftsführer beim Fachverband der Stärke- Industrie.

Beliebtes Forschungsobjekt

Die Kartoffel ist ein beliebtes Forschungsobjekt der Gentechniker: Das sie über die Knollen vermehrt wird, besteht nicht die Gefahr von ungewollten Kreuzungen, so genannten Auskreuzungen. Wichtige Forschungsrichtungen sind die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge wie den Kartoffelkäfer. Neue gentechnische Erkenntnisse stellen die Kartoffelforscher vom 14. bis 19. Juli in Hamburg bei der Internationalen Konferenz der Europäischen Gesellschaft für Kartoffelforschung vor. Erwartet werden zu dem alle drei Jahre stattfindenden Kongress 400 internationale Forscher.

Weniger Interesse findet die gentechnisch veränderte Kartoffel bei Verbrauchern. In der EU sind bisher keine gentechnich veränderten Kartoffeln zugelassen. »Unklarheiten auf EU-Ebene führen derzeit zu einem Stillstand«, bemängelt der Pflanzenpysiologe Willmitzer, der mit den Genforschungen zu Stärkeveränderungen international führend ist. Auch in den USA verliefen Versuche einer Markteinführung im Sande: Eine in den USA zugelassene Genkartoffel wird nach Willmitzers Angaben nach Verbraucherprotesten so gut wie nicht mehr angebaut. »Die Fast-Food-Ketten kaufen sie nicht, weil ihre Kunden sie nicht wollen. Daher ist die Kartoffel praktisch wieder vom Markt verschwunden«. Dieser Genkartoffel ist das Gift eingepflanzt, mit dem der Kartoffelnützling Bazillus Thuringiensis (BT) die Larven von Kartoffelkäfern tötet.

Insekten werden resistent gegen Gift

»In den Zellen dieser Kartoffel wird kontinuierlich Gift produziert. Insekten, die nur eine geringe Dosis verzehren, können resistent werden,« sagt Greenpeace-Gentechnikexperte Henning Strodthoff. Damit gehe der Landwirtschaft ein wichtiges natürliches Gift verloren. Auch Forschungen zur Veränderung des Stärkegehaltes stehen die Umweltschützer ablehnend gegenüber: »Es gibt einen ausgesprochen kleinen Markt, der es nicht rechtfertigt, diese Veränderungen einzuführen«. Selbst wenn Genkartoffeln nur im Non- Food-Bereich eingesetzt würden, seien sie in Erntegeräten und Lagerhallen nur schwer von konventionellen Kartoffeln getrennt zu halten.

Mit Gentechnik gegen den Hunger in der Welt

»Mit der Gentechnik wird man nicht den Hunger in der Welt bekämpfen, aber die Quantitäten und die Qualität verbessern«, sagt Kongressorganisator Professor Gerhard Wenzel. Als Beispiele nennt Willmitzer Kartoffeln mit erhöhtem Gehalt am Farbstoff Karotin oder einem höheren Vitamin C-Gehalt, die im Laborversuch existieren.

Annette Jürgensmeier