Genetik Das Geheimnis der Schimmel gelüftet


Schimmel machen im Laufe ihres frühen Pferdelebens eine faszinierende Entwicklung durch: Sie werden weiß. Grund dafür ist die Veränderung eines Gens, wie schwedische Wissenschaftler nun herausgefunden haben. Interessant ist dieses Ergebnis auch für die Krebsforschung.

Seit Urzeiten sind Menschen von Schimmeln fasziniert - jenen edlen Pferden, die mit einer beliebigen Fellfarbe geboren werden, aber im Laufe ihrer ersten Lebensjahre ergrauen. Am Ende sind sie weiß. Schwedische Forscher um Leif Andersson von der Universität Uppsala haben nun den Grund für diese Verwandlung gefunden: Die Veränderung eines Gens (Mutation) soll zu dem Farbverlust des Schimmel-Fells führen. Die "Greying with age" (Ergrauen mit dem Alter) genannte Mutation beeinflusst insgesamt vier Gene, die mit den Pigmentzellen (Melanozyten) zu tun haben. Da die Mutation auch das Risiko für Tumore der Haut erhöht, ist die Studie für auch für die Krebsforschung interessant.

Der Verlust der Farbe des Fells bei Schimmeln ist vergleichbar mit dem Ergrauen der Haare beim Menschen, allerdings im Zeitraffer. Denn die Pferde ergrauen wesentlich schneller, so dass sie oft bereits mit sechs bis acht Jahren komplett weiß sind. Die Pferde verlieren ihre Fellfarbe, behalten jedoch ihre oft dunkle Hautfarbe bei, was ihnen häufig ein graues Aussehen verleiht. "Wir gehen davon aus, dass diese Mutation Pigmentzellen, die für die Haarfarbe wichtig sind, stillegt und solche, die für die Hautfarbe zuständig sind, anregt", sagt Leif Andersson. Die Mutation ist bei allen der 1000 untersuchten Schimmeln gleich. Das deute darauf hin, dass diese Pferde alle auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Genetics".

Schimmel-Gen erhöht Risiko für Hautkrebs

"Ein spannender Gedanke, sich vorzustellen, dass vor langer Zeit einmal ein Pferd geboren wurde, das mit der Zeit weiß wurde. Und die Menschen, die diese Verwandlung miterlebt haben, waren wohl so fasziniert, dass sie das Pferd in der Züchtung eingesetzt haben und damit die Mutation verbreitet haben", sagt der Studienleiter Leif Andersson. Heute trägt etwa eines von zehn Pferden diese Mutation in sich.

Diese Veränderung ist allerdings nicht nur für Züchter, sondern auch aus medizinischer Sicht interessant. Bei 75 Prozent dieser Pferde über 15 Jahren kommt es neben dem Verlust der Fellfarbe auch zur Entwicklung gutartiger Hauttumoren. Diese sogenannten Melanome können sich teilweise zu bösartigen Tumoren weiterentwickeln. Damit gibt diese Studie auch Hinweise auf einen Signalweg, der zur Krebsentstehung führen kann.

Bei der Genveränderung handelt es sich um eine regulatorische Mutation. Anders als Mutationen, die zu der Veränderung des Aufbaus eines Genprodukts - meistens ein Proteins - führen, verändert diese Mutation die Rate, mit der bestimmte Proteine hergestellt werden. Das führt dazu, dass im Körper möglicherweise viel mehr von einem bestimmten Proteins gebildet wird oder eben vielleicht deutlich weniger - und das kann große Auswirkungen haben. "Viele Wissenschaftler nehmen an, dass solche Mutationen der Grund für bestimmte Unterschiede zwischen nahe verwandten Arten wie beispielsweise Schimpansen und Menschen sind", sagt Leif Andersson.

nis/DDP DDP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker