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GRACE: Die Erde wird neu vermessen

Das Projekt GRACE: In einer einmaligen Teamarbeit wollen deutsche und amerikanische Wissenschaftler zusammen mit russischen Weltraumstreitkräften neue Erkenntnisse über die Schwerkraft und Vorgänge im Inneren der Erde sammeln.

In einer noch nie da gewesenen gemeinsamen Anstrengung wollen deutsche und amerikanische Wissenschaftler zusammen mit den russischen Weltraumstreitkräften die Schwerkraft der Erde neu vermessen. Das Projekt GRACE startet am 16. März vom russischen Weltraumbahnhof Plessezk, knapp 800 Kilometer nordöstlich von Moskau. Diese bisher geheimste militärische Anlage Russlands hat sich in den vergangenen Monaten unter den argwöhnischen Augen des Verteidigungsministeriums dem Kommerz geöffnet, der den Militärs und auch der russischen Raumfahrt in Zukunft viele dringend benötigte Millionen bringen soll.

Weltweite Kooperation

Das auf rund 100 Millionen Dollar (114 Millionen Euro) geschätzte Projekt GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment) ist in Zusammenarbeit der amerikanischen Weltraumbehörde NASA und der DLR entstanden. Die Astrium GmbH in Immenstaad am Bodensee schließlich hat die beiden Satelliten-Zwillinge gebaut.

»Wir sind stolz auf diese US-deutsch-russische Kooperation«, sagt Achim Bachem, Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Noch vor 15 Jahren wäre eine derartige Mission in dieser internationalen Kooperation undenkbar gewesen.

Das Innere und die ErdoberflächeFünf Jahre Daten sammeln

Die Rakete selbst, eine russische Interkontinentalrakete SS-19, wurde vom russischen Weltraumunternehmen Chrunitschew in Moskau zur neuen »Rockot« (Getöse) umgebaut. Und verantwortlich für die Mission ist schließlich das deutsch-russische Raumfahrtunternehmen Eurockot (Bremen), das zu 51 Prozent Astrium und zu 49 Prozent Chrunitschew gehört. Die wissenschaftlichen Daten, die von den GRACE-Satelliten in den nächsten fünf Jahren eingesammelt werden, sind jedoch frei zugänglich.

Tom und Jerry

Tom und Jerry wurden die beiden baugleichen Satelliten von den Technikern getauft, die ihre »Schützlinge« nach Plessezk begleitet hatten. »Wie im Zeichentrickfilm läuft im Weltraum auch der eine hinter dem anderen her«, lautet die einfache Erklärung für die Namensgebung. Die knapp 2 mal 3 Meter großen und 475 Kilogramm schweren Satelliten, die von ihrer Form her an Lautsprecherboxen erinnern, werden die Erde in knapp 500 Kilometern Höhe und in einem Abstand von 200 bis 400 Kilometern voneinander umkreisen. Die polare Umlaufbahn sorgt für eine lückenlose Vermessung der Erdoberfläche.

Von Günther Chalupa, dpa

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