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Hurrikan "Sandy": USA in Angst vor dem Supersturm

Auf dem Weg durch die Karibik hat der Hurrikan "Sandy" bereits 28 Tote gefordert. Die Furcht wächst, "Sandy" könne sich zum "Perfect Storm" entwickeln und die USA mit zerstörerischer Kraft treffen.

Von Gernot Kramper

Schon jetzt hat "Sandy" bei ihrem Zug durch die Karibik mindestens 28 Menschen getötet - in Kuba, Haiti und Jamaika. Der Hurrikan verursachte Überflutungen in Küstengegenden, ließ Flüsse über die Ufer treten und Häuser einstürzen.

Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums in Miami bewegt sich "Sandy" mit etwa 55 Meilen in der Stunde fort und schiebt Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 85 Meilen in der Stunde vor sich her - das entspricht 140 Stundenkilometern. Nach derzeitigem Stand würde "Sandy" die US-Küste am kommenden Mittwoch erreichen - also an Halloween. Im schlimmsten Fall würde "Sandy" danach die Küste hinauffegen und New Jersey und New York erreichen. Das bedrohliche dabei: Experten fürchten, der Tropensturm könne sich bis dahin zum "Perfect Storm" auswachsen.

Meteorologen nennen so die Hochzeit zweier Sturmzentren. Ein anderer populärer Begriff für so ein Unwetter ist "Frankenstorm". Der Supersturm entsteht, wenn sich einer der alljährlichen karibischen Hurrikane der US-Küste nähert und sich ihm gleichzeitig ein zweites Sturmzentrum aus dem mittleren Westen nähert. Dann kann der Sturm aus dem Landesinneren den Hurrikan an die Küste saugen, dabei lädt seine eigene Energie die zerstörerischen Kräfte des Tropenunwetters weiter auf.

Land unter droht New York

Zum Glück kommt es nur relativ selten zu diesen Monsterstürmen, das letzte Mal 1991. Damals traf der "Halloween Nor'easter" die USA mit zehn Meter hohen Wellen. Hunderte von Häusern wurden zerstört, über 38.000 Menschen mussten ohne Strom und Versorgung zurechtkommen. Genau davor warnt jetzt Brian McNoldy, Wissenschaftler an der University of Miami, in der "New York Times": "'Sandy' könnte ein extremer Sturm von historische Bedeutung werden", sagte er, denn die Bedingungen ähnelten dem berühmten "Perfect Storm" von 1991. Wie damals könnte ein Sturm über Land den Hurrikan anziehen. "Dann hätten wir wieder einen Supersturm mit jeder Menge Energie" fürchtet der Experte. Als Resultat würden starke Regenfälle und Sturmspitzen entstehen, die extreme Schäden verursachten. Der Wissenschaftler warnt vor Panik und Hamsterkäufen, fordert aber Wachsamkeit.

Auf seinem Weg würde der gigantische Sturm eine Schneise der Zerstörung von Miami bis New York schlagen. Mit Überflutungen, unterbrochener Sturmversorgung, bis weit in das Landesinnere. Auch in New York zieht man inzwischen das Schlimmste in Betracht. "Wenn "Sandy" mit hoher Intensität bis nach New Jersey zieht, wäre das ein Worst-Case-Szenario für New York", gab der Meteorologe Paul Kocin von der nationalen Wetterbehörde bekannt. "Wenn Sturm und Tide in New York zusammentreffen, könnte die Flut neue Rekordhöhen erreichen."

Selbst ohne eine Sturm-Hochzeit wird "Sandy" große Schäden hervorrufen. Nicht wegen der Geschwindigkeit des Sturmes sondern wegen der großen Regenmassen, die "Sandy" mit sich führt. Die Schäden könnten noch größer sein als bei "Irene", die im letzten Jahr die Ostküste heimsuchte. Mit allein 4,3 Milliarden Dollar Versicherungsschäden gehört "Irene" zu den zehn teuersten Hurrikanen der Geschichte.