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Japan: Walfang im Namen der "Forschung"

Wale dürfen weder zu kommerziellen Zwecken gejagt noch darf mit ihrem Fleisch gehandelt werden, heißt es in der Resolution der Internationalen Walfangkommission. Trotz dieses Verbots ist in Japan eine Schiffsflotte aufgebrochen, um 900 Wale zu töten - "zu Forschungszwecken", wie es hieß.

Japan hatte in Sachen Legalisierung des Walfangs einiges unternommen. Den letzten Versuch, die grauen Riesen auch für kommerzielle Zwecke fangen zu dürfen, startete das Land erst im Juni. Bei der Jahrestagung der Internationale Walfangkommission (IWC) in Anchorage (Alaska) hatten die Japaner mit ihrem Antrag, begrenzte Walfangrechte für vier Küstengemeinden zu bekommen, allerdings keine Chance. Die Kommission bestätigte erneut in einer Resolution das Verbot des kommerziellen Walfangs.

Japan will 900 Wale töten

Trotz der Resolution und ungeachtet internationaler Proteste ist jetzt eine japanische Walfangflotte in die Antarktis ausgelaufen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, sollen bis Mitte April 850 Zwergwale sowie jeweils 50 Finn- und Buckelwale getötet werden - "zu Forschungszwecken", wie es hieß. Die Flotte besteht aus dem 8044-Tonnen-Mutterschiff "Nisshin Maru" und fünf Begleitschiffen. Sie sollen unter anderem Daten zum Mageninhalt der Meeressäuger und zu ihrem Alter sammeln. Nach der Rückkehr der Fangflotte Mitte September wird das Fleisch auf Fischmärkten verkauft.

Japan umgeht also den 1986 verhängten Stopp für den kommerziellen Walfang unter dem Deckmantel des "wissenschaftlichen" Fangs. Kritik an dieser Vorgehensweise wird einfach mit dem Hinweis auf überzogen reagierende Umweltschützer abgetan. "Obwohl wir es mit bösartigen Blockade-Taktiken von Umweltschutzgruppen zu tun haben, müssen wir dies auch in Zukunft fortsetzen", wurde etwa der Leiter der Walfangflotte bei einer Zeremonie für das Auslaufen der Schiffe in der alten Walfangstadt Shimonoseki zitiert.

Zunahme der Bestände ist keine Rechtfertigung

Der Direktor des japanischen Instituts für Walforschung in Tokio, Hiroshi Hatanaka, begründete das Forschungsprogramm, das mit der erhöhten Quote 2005 begann, mit der Zunahme der Buckel- und Finnwal-Bestände. Dazu sagte die Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Petra Deimer: "Eine eventuelle, leichte Zunahme kann keinesfalls eine Fangquote dieser stark gefährdeten und unter allen erdenklichen Konventionen geschützten Großwale rechtfertigen." Insgesamt haben die Walfänger nach GSM-Angaben in antarktischen, nordpazifischen und nordatlantischen Gewässern seit Beginn des Moratoriums von 1986 fast 30.000 Wale getötet.

DPA / DPA