Klimasatellit Eisschaufeln für Cryosats neue Chance


In Grönland bohren Forscher Löcher ins Eis - und bereiten damit den Start des Klimasatelliten CryoSat 2 vor. Denn nur wenn sie wissen, wie es im Inneren des Eises aussieht, können sie später CryoSats Daten von der Eis-Oberfläche deuten.

Auf dem gleißenden Eisfeld im Westen Grönlands knattert ein Bohrer. Langsam windet sich die hohle Stange in das Eis. Dann ziehen Peter und Julian, zwei britische Wissenschaftler, sie vorsichtig wieder heraus und entnehmen ihr den Bohrkern. Eine Waage steht bereit, Stift und Papier liegen daneben.

Heute haben die beiden Forscher Glück: Die Sonne strahlt, es weht kaum Wind und ist nur etwa minus zwölf Grad Celsius kalt. Da kann sich Peter sogar mit bloßer Hand an die Vermessung des Eiskerns machen. Der etwa ein Meter lange Zylinder sieht aus wie gepresster Schnee, in dem millimeterdünne Scheibchen aus Eis eingelagert sind. "Mit etwas Erfahrung kann man diese Schichten lesen wie die Jahresringe eines Baumstamms", sagt Julian.

Auf den Zentimeter genaue Messungen

Auf der wissenschaftlichen Station mit dem schlichten Namen T05 wird entscheidende Arbeit geleistet für die zweite Chance des europäischen Satelliten "CryoSat". Dessen erstes Exemplar war im vergangenen Jahr kurz nach dem Start mit einer russischen Rakete abgestürzt. Doch das mit hohen Erwartungen betriebene Projekt zur Klimaforschung soll nicht scheitern: Mit "CryoSat-2" wird in drei Jahren ein neuer Anlauf genommen. Der Satellit soll Arktis und Antarktis überfliegen und dabei immer wieder die Eisoberfläche vermessen.

"Etwa einmal im Monat bekommen wir dann ein vollständiges Bild von Nordpol und Südpol", erklärt Malcolm Davidson von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa bei einem Besuch auf T05. Ein Abschmelzen der Eismassen, etwa durch die von Menschen verursachte Klimaerwärmung, würde sofort auffallen. "Wir wollen, dass die Messungen auf den Zentimeter genau sind", beschreibt Davidson das ehrgeizige Ziel. "Das hört sich einfach an", fährt er fort, und weist schmunzelnd auf einen im Schnee steckenden Zollstock. "Nur: Unser Messinstrument rast in 650 Kilometern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 6 Kilometern pro Sekunde hierüber hinweg."

Nichts zu sehen außer blendendem Weiß

Doch nicht nur die riesige Entfernung und das rasante Tempo des Satelliten stellen die Forscher vor Probleme. Der Radarstrahl, der die eisige Oberfläche abtastet, wird unterschiedlich reflektiert: Er kann Schnee auch durchdringen und wird dann erst aus einigen Zentimetern Tiefe zurückgeworfenen. Um diese Fehler bei der Auswertung der Daten zu berücksichtigen, müssen die Wissenschaftler die Eigenschaften des Eises genau kennen.

Das ist die Aufgabe der drei Männer und der einen Frau, die derzeit die Station T05 bevölkern. Station ist ein großes Wort für drei kleine Zelte in 2000 Metern Höhe auf der grönländischen Eiskappe. Nichts ist zu sehen außer dem blendenden Weiß, die nächste Stadt ist rund 150 Kilometer entfernt. Im Schnee mannshohe Löcher zu graben, bis der Eisboden erreicht ist, ist anstrengend, und die Temperatur ging im April noch bis unter minus 40 Grad hinab. "Einmal hatten wir einen solchen Schneesturm, dass wir keine 20 Meter weit sehen konnten", berichtet Doug. "Da mussten wir zwei Tage lang in den Zelten hocken."

Die Sonne geht kaum noch unter

Doch ihre Arbeit - auch an anderen Stellen der Arktis wird das Eis untersucht - ist unerlässlich für die Genauigkeit der Messungen, die "CryoSat-2" bald erledigen soll. "Das hilft uns enorm, ein exaktes Bild von den Schnee- und Eisverhältnissen zu gewinnen", bestätigt Davidson. Um den Verlauf der Messungen zu simulieren, wird T05 von einem Flugzeug überflogen. Es trägt an Bord Instrumente, wie sie auch auf den Satelliten montiert werden. So kann eine direkte Beziehung zwischen dem Messergebnis und den vor Ort erkundeten Eigenschaften des Eises hergestellt werden.

Etwa vier Wochen verbringen die Forscher auf dem Grönland-Eis. Dort, auf dem 70. Breitengrad, geht die Sonne jetzt im Mai kaum noch unter. Aber nach einem anstrengenden Tag und einem Schlückchen aus der Whiskyflasche lässt es sich im leicht beheizten Zelt sogar in der Eiswüste schlafen. Vielleicht nur bis zum nächsten Schneesturm.

Thomas P. Spieker/DPA DPA

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