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Mitten in London So groß wie zwei Tennisfelder: Eine Ekel-Insel aus abgespülten Feuchttüchern verändert den Lauf der Themse

Mitten in London: Die Müll-Insel wächst in der Nähe der Hammersmith-Brücke im Herzen Londons
Die Müll-Insel wächst in der Nähe der Hammersmith-Brücke im Herzen Londons
© Alex Lentati/ / Picture Alliance
Ein ekelhafter Fund beschäftigt gerade die Politiker in London: In der Themse hat sich ein Berg an Feuchttüchern angesammelt. Und er wächst jeden Tag. In Großbritannien sind solche "Fettberge" allerdings nichts Außergewöhnliches.

Es ist ein ekliges Mahnmal des gedankenlosen Lebensstils: Am Rand der Themse, mitten in der englischen Hauptstadt London wächst eine kleine Insel. Doch die besteht nicht aus Sand, sondern aus feuchten Toilettentüchern, die von den Bürgern im Klo herunter gespült werden. So groß wie zwei Tennisfelder ist sie mittlerweile, Tendenz schnell steigend. Nun beschäftigt sich bereits die Politik mit der Ekel-Insel.

Bei einer Anhörung im englischen Parlament wandte sich die Labour-Abgeordnete Fleur Anderson an die Kollegen. "Ich war dort und habe darauf gestanden", berichtete sie angeekelt vor den Parlamentariern. "Sie ist in der Nähe der Hammersmith-Brücke in der Themse. Sie ist mehr als einen Meter hoch. Und sie besteht nur aus Feuchttüchern." Der feuchte Papierklumpen beeinflusse sogar die Strömung und den Flusslauf an dieser Stelle, hatte eine Umweltgruppe vor kurzem herausgefunden. "Und er wird jeden Tag größer", warnte Anderson.

London: Ekel-Insel in der Themse

Die Kunstoff-Tücher zur Reinigung werden in Großbritannien zunehmend zu einem Problem. Mehr als elf Milliarden werden dort jedes Jahr verbraucht – und danach in der Toilette heruntergespült. Die Folgen sind auch abseits der ekligen Insel sichtbar. So ist die Zahl der an Stränden gefunden Feuchttücher deutlich gestiegen, berichtete Anderson. Waren es 2005 noch 1,7 Tücher auf 100 Metern Strand, ist diese Zahl bis 2020 auf 18 Tücher um mehr als das Zehnfache gestiegen.

Auch die sogenannten Fettberge haben erheblich zugenommen. Immer wieder berichtet die britische Presse über Rohre, die so verstopft sind, dass meterlange Wülste aus Fett, Haaren und Exkrementen herausgezogen werden müssen. Eine der Hauptursachen der Ansammlungen: die plastikhaltigen Feuchttücher, die sich, anders als Klopapier, nicht im Wasser auflösen.

Ein Gesetz soll es regeln

Anderson hat nun einen Gesetzesvorschlag eingereicht, der die Tücher in der jetzigen Form verbieten soll. Dabei hat sie für die Nutzung selbst durchaus Verständnis. "Als vierfache Mutter habe ich selbst viele Feuchttücher benutzt und verstehe völlig den Druck, unter dem Eltern stehen und wie nützlich die Tücher dabei sind", erläuterte sie. Da die meisten Tücher aber Plastik enthielten, gehörten sie eben trotz des aufgedrückten Hinweises, dass man sie herunterspülen könne, nicht in die Toilette. Da die Menschen sich aber nicht an Hinweise hielten, die Feuchttücher nur im Mülleimer zu entsorgen, sehe sie nun die Notwendigkeit für ein Verbot.

Einige britische Marken haben bereits jetzt reagiert, fertigen ihre Tücher aus Bambus oder anderen Pflanzenfasern. Sollte das Gesetz beschlossen werden, müssten nun auch die anderen nachziehen. Die Abstimmung ist für den 19. November angesetzt.

Quellen:Evening Standard, Independent

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