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Psittacosaurus Verblüffende Entdeckung: Gut erhaltener Dinosaurier-Anus stellt Forscher vor ein Rätsel

Der vor etwa 100 Millionen lebende Psittacosaurus wurde in China gefunden
Der vor etwa 100 Millionen lebende Psittacosaurus wurde in China gefunden
© dpa | Jakob Vinther;Bob Nicholls / Picture Alliance
Ein ungewöhnlich gut konservierter Kadaver eines Psittacosaurus überrascht die Wissenschaft bereits ein zweites Mal. Sein Verdauungsausgang gibt Hinweise auf die Fortpflanzung und die Verwandtschaft mit modernen Tieren. Doch eine Frage bleibt.

Eigentlich waren die Wissenschaftler um Jacob Vinther auf der Suche nach etwas ganz anderen, als sie einen bereits 2016 zum ersten Mal beschriebenen Kadaver eines Psittacosaurus unter die Lupe nahmen. Doch dann entdeckten sie eine Sensation: Neben zahlreichen Schuppen war auch der Verdauungsausgang der Kloake erhalten geblieben. Und gibt jetzt Raum zur Spekulation.

Der Paläontologe von der Universität Bristol und sein Team waren nur zufällig auf die Sensation gestoßen. Sie hatten den in China entdeckten und im Senckenberg-Museum in Frankfurt aufbewahrten Psittacosaurus eigentlich wegen seiner besonders gut erhaltenen Hautschuppen untersuchen wollen, Vinthers Fokus ist eigentlich die Tarnung durch Hautmuster. "Als ich das Objekt dann noch einmal untersuchen konnte, traf es mich wie ein Schlag", berichtet er "Live Science". Die Anatomie der Kloake sei noch erstaunlich gut erhalten gewesen, entdeckte der Forscher, selbst Details ließen sich noch erkennen. 

Einmalige Anatomie

Als Kloake, Latein für Abfluss, bezeichnet man eine gemeinsame Öffnung, die sowohl für das Ausscheiden von Urin und Kot als auch für die Fortpflanzung genutzt wird. Sie war ursprünglich bei allen Wirbeltieren zu finden, bis sich bei einigen Fischen und den höheren Säugetieren dezidierte Ausgängen entwickelten. Die des Sauriers stellt eine klare Besonderheit dar.

"Die Anatomie ist einmalig", schwärmte Vinther gegenüber der "New York Times". "Sie ist anders als die aller Tiere, die wir kennen." Sie ähnle nicht der von Vögeln, den am nächsten mit den Dinosauriern verwandten noch lebenden Tieren. "Es ist eine ganz eigene Kloake, auf ihre eigene, perfekte Art geformt", sagte er "Live Science". Sie erinnere an die von Krokodilen, führt er die Erkenntnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Current Biology" aus. Während sich deren Öffnung aber als Querstrich unter dem Schwanz befindet, sei die des Sauriers von einer V-förmigen Verdickung umgeben. Es sei das erste Mal, dass eine erhaltene Kloakenöffnung eines Dinosauriers entdeckt worden sei, die nicht zu einem Flugsaurier gehört.

Offene Fragen

Obwohl die Kloake und die sie umgebenden Schuppen sehr gut erhalten sind, lässt sie keinen Schluss auf das Geschlecht des gefundenen Tieres zu. Anders als die Schuppen um die Kloake seien Geschlechtsorgane nicht erhalten geblieben, schreibt die Studie. Trotzdem gibt es Hinweise auf das Fortpflanzungsverhalten der etwa labradorgroßen Saurierart. Beulen über der Kloake deuten auf Drüsen hin, über die vermutlich der Ausgang mit einer geruchsintensiven Flüssigkeit befeuchtet wurde, so wie es auch bei Krokodilen der Fall ist. Bei den Reptilien handelt es sich dabei um ein Fortpflanzungssignal für beide Geschlechter.

Bei einer anderen Entdeckung sind die Forscher nicht sicher über den Zweck. Die Schuppen um die Kloake sind sichtbar anders gefärbt als die übrigen in dieser Körperregion. Auch dabei könnte es sich um ein optisches Signal für die Fortpflanzung handeln, wie es etwa bei manchen Vögeln der und bei Säugetieren wie dem Pavian der Fall ist. Allerdings sehen Vinther und sein Team auch eine andere Möglichkeit: Weil eine hohe Melaninkonzentration auch vor bakteriellen Infektionen schütze, sei auch denkbar, dass sich die Färbung als Schutzmaßnahme entwickelte. "Da wir nur ein einzelnes Exemplar kennen, können wir nicht sicher sein, dass es sich um ein sexuelles Signal handelt. Es ist aber denkbar", heißt es im Bericht. Da solche Signale über verschiedene Spezies für beide Geschlechter bekannt sind, sei es aber kein Indiz zum Geschlecht des Fossils.

Rätsel Fortpflanzung

Die Erkenntnisse sind insofern interessant, weil zur Fortpflanzung von Dinosauriern immer noch viele Fragen bleiben. "Es gibt einfach keine Fossilien, bei denen wir sicher sein können, wie sie bei der Sache waren", witzelt Vinther gegenüber "CNN." Das meiste wisse man "indem wir sie mit der Naturgeschichte und noch lebenden Tierarten vergleichen."

Die Entdeckung des Psittacosaurus-Fossils hatte 2016 zum ersten Mal für Schlagzeilen gesorgt. Seine gut erhaltenen Schuppen und vor allem die auch im Bild oben sichtbaren, vermutlich zur Tarnung gedachten Borsten am Schwanz sorgten für ein großes Interesse.

Quellen:Current Biology, Live Science, New York Times, CNN


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