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Multimillionärin kämpft für Mustangs: Das unglaubliche Leid der letzten Wildpferde

Zu tausenden werden wilde Mustangs in den USA Jahr für Jahr gefangen und eingepfercht. Der stern sprach mit Multimillionärin Madeleine Pickens über ihren Kampf für die Freiheit dieser Tiere.

Ein Interview von Norbert Höfler, Nevada

Madeleine Pickens ist eine reiche Frau. Ihrem ersten Ehemann, dem Milliardär Allen Paulson, gehörte die Flugzeugfirma Gulfstream Aerospace. Ihr zweiter Ehemann, der Texaner T. Boone Pickens, von dem sie kürzlich geschieden wurde, macht Milliarden im Ölgeschäft. Sie selbst verdiente Millionen als Züchterin von Rennpferden. Vor sieben Jahren kaufte Pickens zwei Ranches mit den dazugehörenden Weide- und Wasserrechten im abgelegenen Nordwesten Nevadas. Insgesamt 2 500 Quadrat-kilometer. Madeline Pickens nannte es Mustang Monument, ein Paradies für Wildpferde. Der Besitz ist so groß wie das Saarland.

Frau Pickens, bevor ich zu Ihnen auf die Ranch kam, verbrachte ich eine Woche mit Pferdefängern in Wyoming. Dort wurden über eintausend Wildpferde mit Hubschraubern zusammengetrieben und gefangen. Sie werden bis zu ihrem Lebensende in enge, schmutzige Pferche gesperrt. Die Rancher wollen mehr Land für ihre Rinder.
Ich könnte da nicht zuschauen. Sind viele Mustangs verletzt worden?

Etwa ein Dutzend. Sie wurden eingeschläfert. Ein Fohlen rannte nachts so lange gegen das Gatter, bis sein Genick brach.


Ich will das gar nicht hören. Ich liebe diese Tiere. Wahrscheinlich wissen ihre Leser in Deutschland gar nicht, dass in Amerika inzwischen mehr Wildpferde in Gefangenschaft als in Freiheit leben. Es gibt noch 40.000 wilde Mustangs. Über 50.000 vegetieren in Gefangenschaft. In Amerika gab es einmal zwei Millionen Wildpferde.

Es gibt #link; www.youtube.com/watch?v=emB9LjHLltY;Videos von Tierschützern#, die zeigen, unter welch miserablen Bedingungen die Pferde gehalten werden. Der amerikanische Staat zahlt den Betreibern dieser sogenannten Gnadenhöfe 43 Millionen Dollar pro Jahr, um die Tiere mehr recht als schlecht am Leben zu halten.


Es ist eine Schande, was wir ihnen antun. Den Wildpferden wird Jahr für Jahr mehr und mehr von ihrem Lebensraum weggenommen. Rancher wollen immer mehr Weideland, damit die Steaks noch billiger werden können. Öl- und Gaskonzerne rücken mit ihren Bohr- und Frackanlangen immer weiter in bisher unberührte Gegenden vor. In den vergangenen 40 Jahren schrumpfte das Land, auf dem Wildpferde geduldet werden, um 90.000 Quadratkilometer.

Das ist eine Fläche fast so groß wie Baden-Württemberg und Bayern zusammen Wie stark sind die Bestände gefährdet?
Pferdeschützer sagten mir, wenn es so weitergeht, werden die Wildpferde in den USA die kommenden Jahrzehnte nicht überstehen.

Sehen Sie das auch so?


Ja, die Befürchtungen sind berechtigt. Schuld daran, ist die unfassbare Gier der Menschen. Es ist schrecklich, wie erwachsene Männer und Frauen so raffsüchtig sein können. Ich sage diesen Leuten: Ihr könnt das viele Geld nicht mit in den Himmel nehmen und auch ganz sicher nicht mit in die Hölle.

Sie selbst sind doch auch superreich.


Stimmt, aber in den vergangenen Jahren habe ich etwa 30 Millionen Dollar für den Schutz von Wildpferden ausgegeben. Ich habe 800 Hunde und Katzen nach dem Wirbelsturm Katrina aus New Orleans evakuieren lassen. Mit gecharterten Passagiermaschinen. Sie glauben gar nicht, wie schön das war, die kleinen Hunde auf den Sitzplätzen zu sehen.

Was ist ihr Plan für die Wildpferde?


Mein Traum ist es, einen Nationalpark für alle Mustangs zu schaffen. Gefangene Wildpferde, zum Beispiel die Sie in Wyoming gesehen haben, würden in diesem Nationalpark wieder freigelassen. Mit Mustang Monument habe ich einen Anfang gemacht.

Wie viele Wildpferde haben Sie?


Etwa 650.

Woher kommen die Pferde?


Es war kurz vor Weihnachten. 2011. Ich war mit Geschenken und Deko beschäftigt. Da kam der Anruf. Etwa 250 Wildpferde sollten an einen Killer-Käufer verhökert werden, der die Tiere ins Schlachthaus gebracht hätte. Ich sagte sofort, dass ich die Tiere kaufe. Dann ließ ich die Herde auf meinem Land frei. Ich habe vor Freude geweint.

Das Schlachten von Pferden ist in den USA doch verboten?


Die Käufer verfrachten die Wildpferde in Tiertransporter und karren sie tausende Kilometer weit über die Grenze. Entweder Richtung Norden nach Kanada oder in den Süden, nach Mexiko. Dort werden sie meist zu Hundefutter verarbeitet.

Mustangs haben keine natürlichen Feinde, sie vermehren sich in freier Wildbahn sehr schnell. Eine Herde kann sich in fünf bis sechs Jahren leicht verdoppeln. Wie gehen Sie mit dem Problem um?


Ich habe alle Hengste kastrieren lassen.

Pferdeschützer werden sagen, bei Herden ohne Hengste kann man nicht mehr von echten Wildpferden sprechen. Ihr Sozialverhalten ändert sich.
Ja? Dann wäre es also besser, die Tiere ins Schlachthaus zu karren? Zur Zeit setze ich mich für ein Gesetz ein, das es verbietet, Wildpferde ins Ausland zu transportieren. Nur dann hört das Mustangschlachten in Kanada und Mexiko auf.

Woran scheitert ihre Nationalparkidee bisher?


Ich war schon ganz nah dran. Die zuständige US-Bundesbehörde, das Bureau of Landmanagement, und wichtige Abgeordnete in Washington waren auf meiner Seite. Doch dann wurde Mustang Monument auf einmal zum Politikum. Es hieß nun, das finanzielle Risiko für den Staat sei zu groß. Es wurde gefragt: Wer zahlt, wenn die Millionärin die Lust an den Pferden verlieren sollte? Mein Plan wurde zu Fall gebracht.

Wie finanzieren Sie Mustang Monument?


Ich gründete mit eigenem Geld eine Stiftung, sie heißt Saving America's Mutangs. Die Stiftung betreibt Mustang Monument.

Ihre Ranch ist im Sommer auch für zahlungskräftige Touristen geöffnet.


Ich zeige Ihnen nachher die Chalets für unsere Gäste. Wir haben auch Tipis zum Übernachten. Alle Einnahmen fließen direkt in die Stiftung. Ich nehme davon keinen Cent.

Eine Übernachtung kostet über eintausend Dollar.


In Mustang Monument erleben die Gäste eine Safari zu den wilden Pferden. Wer nach Afrika reist, um dort Zebras und Antilopen zu sehen, zahlt auch viel Geld.

Hier draußen ist es aber die meiste Zeit ziemlich einsam. Sind Sie glücklich?


Ich habe hier mein Nirwana gefunden.

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