Massenschlachtung US-Behörde will Tausende Mustangs töten


Sie sind ein Symbol des Wilden Westens: Rund 29.500 Mustangs leben wild in den westlichen Bundesstaaten der USA. Sie kosten Geld, schaden angeblich der Natur. Nun will die zuständige Behörde 6000 Pferde töten lassen. Tierschützer sind erbost: Sie meinen, die Behörde sei an der dramatischen Lage Schuld.

Prärie und endlose Grassteppen, Cowboys und Indianer - weltweit rufen diese Begriffe romantische Bilder vom Wilden Westen hervor. Ein lebendes Symbol dieser lang vergangenen Epoche sind die Mustangs: Rund 29.500 verwilderte Pferde streifen bis heute frei und ungezügelt in zehn westlichen Bundesstaaten der USA, dazu kommen schätzungsweise 2500 wilde Esel. Außerdem leben rund 30.000 Pferde und Esel in staatlichen Sammelstellen, wo die Behörden eingefangene Tiere halten, bis sich ein Käufer für findet. Doch die Nachfrage ist gering, obwohl die Mustangs ebenso wie die Esel zum Schnäppchenpreis von 125 Dollar zu haben sind.

21,9 Millionen Dollar kostete die Tierhaltung 2007, dieses Jahr werden es wohl 26 Millionen sein. Zu viel Geld für Büro für Landmanagement (BLM), dem insgesamt 37 Millionen Dollar Jahresbudget zu Verfügung stehen. Wenn es nach der Behörde geht, werden deshalb dieses Jahr 6000 Mustangs zur Schlachtung freigegeben.

Katastrophe wurde vom Menschen herbeigeführt

Es ist das erste Mal seit 1971, dass die Behörde die Tötung der Wildpferde fordert. Mit dem Gewehr, einer Überdosis Barbiturate oder einem Bolzenschuss in den Kopf: Wie die Mustangs erledigt werden, ist noch nicht beschlossen.

Der Tabubruch rief sofort Tierschützer auf den Plan. Sie werfen dem Staat vor, in den vergangenen Jahren untätig geblieben zu sein und so die Lage selbst mit heraufbeschworen zu haben. Für "absolut schockierend und völlig überflüssig" hält Holly Hazard vom US-Tierschutzbund die Pläne des BLM. "Dies ist eine Katastrophe, die von Menschen herbeigeführt wurde." Der Tierschutzbund schlage schon seit Jahren vor, einen Teil der Wildpferde zu sterilisieren, ohne dass sich die Behörden darum gekümmert hätten.

Doch nicht alle Tierschützer sprechen sich für die Wildpferde aus. Paula Morin, die sich lange mit den Mustangs beschäftigte und das Buch "Honest Horses" schrieb, sagte zur "New York Times": "Da draußen gibt es nicht nur Pferde, sondern auch andere Tiere - von der Wüstenschildkröte im Süden bis zum Dickhornschaf im Norden. Wir haben viele Erkenntnisse über die Zusammenhänge Natur und die Bewahrung des Ökosystems gesammelt und tun den Pferden keinen Gefallen damit, wenn wir sie als etwas anderes betrachten."

Stuten werden die Fohlen weggenommen

Die heutigen Mustangs sind entfernte Nachkommen verwilderter Zuchtpferde, die ursprünglich von den spanischen Eroberern in Nordamerika eingeführt worden waren. Aus entlaufenen Tieren bildeten sich große Herden wilder Pferde. Im 20. Jahrhundert gingen ihre Bestände rapide zurück. Der US-Kongress beschloss deshalb 1971 ein Gesetz, mit dem das Wildpferd als "Symbol des historischen Pioniergeistes des Westens", wie es damals hieß, geschützt werden sollte. Seither ist das BLM für die Wildherden zuständig; seine Aufgabe ist es, für "gesunde Herden auf gesundem Weideland" zu sorgen.

Doch das Weideland ist aus Sicht der Behörde inzwischen gefährdet. Mustangs haben keine natürlichen Feinde haben, daher sind die Herden gewachsen. In Regionen, in denen Vegetation und Wasser knapp zu werden drohen, kontrolliert das BLM die Herdengrößen, indem es jedes Jahr Tiere einfängt - und sie eben in die Sammelstellen steckt. Tierliebhaber wie die Fotografin Elissa Kline, die fast fünf Jahre lang Wildpferde in Idaho fotografierte, kritisieren schon das Programm an sich als "herzzerreißend". In den Sammelstellen würden die Pferde nach Geschlecht und Alter getrennt. Häufig würden den Stuten dadurch ihre Fohlen weggenommen.

Die Sammelstellen sind überfüllt

Die Behörden reagieren mittlerweile recht genervt auf die Klagen der Tierschützer. Heather Emmons, BLM-Sprecherin in Nevada weißt darauf hin, dass es in dem Bundesstaat rund 40 Prozent mehr Wildpferde, als der Umwelt gut tue. Dennoch werden derzeit keine Tiere mehr eingefangen - die Sammelstellen sind überfüllt. Kritik hagelt es auch von der anderen Seite: Die Lobby der Landwirte wirft dem BLM vor, nicht gegen die Vermehrung der Wildpferde vorgegangen zu sein. Während es für Farmer strikte Vorgaben gebe, wie viele Rinder sie auf öffentliche Weiden lassen dürfen, habe das BLM dem Wachsen der Mustangherden zugesehen, sagt Doug Busselman, Vize-Präsident des Farmer-Verbands in Nevada.

Der Leiter des Wildpferd-Programms, Tom Miles, sieht keinen Ausweg. "Wir verwalten das Land für viele verschiedene und oft entgegengesetzte Zwecke", sagt er. "Das macht es für alle schwierig." Die Behörde stehe am Ende immer als Verlierer da. "Selbst wenn wir einen guten Vorschlag vorlegen, der jedem gerecht zu werden versucht - irgendjemand ist immer unzufrieden."

AFP/bub AFP

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