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Raumfahrt Ein neues Sicherheitsrisiko


Eine Schraube bringt das Getriebe der Raumfahrt durcheinander - für die NASA öffnet sich damit ein neues beunruhigendes Feld. Während des Shuttle-Starts könne das 36 Kilogramm schwere Teil, das die Zusatzraketen mit dem Außentank verbindet, einfach abfallen.

Eine Schraube bringt das Getriebe der internationalen Raumfahrt durcheinander. Vier Monate nach der Columbia-Katastrophe müssen die NASA und ihre internationalen Partner fürchten, dass die Shuttleflotte wegen einer möglicherweise fehlerhaften Schraube deutlich länger als bisher angenommen am Boden bleiben muss. Für die Raumstation ISS, in der inzwischen nur noch eine zweiköpfige Notbesatzung lebt, hätte dies schwerwiegende Folgen.

Entdeckt wurde das neue Sicherheitsrisiko von der Kommission, die den Absturz der Columbia am 1. Februar untersucht und sich bisher vor allem auf ein Stück Isolierschaum konzentriert hatte, das beim Start abgerissen war und vermutlich den Flügel der Fähre beschädigt hatte. Die Kommission stellte nun fest, dass eine 36 Kilogramm schwere Schraube, die die Zusatzraketen mit dem Außentank verbindet, während des Startmanövers abfallen und gegen die Fähre prallen könnte.

Neues beunruhigendes Feld

Damit öffnet sich für die NASA ein ganz neues beunruhigendes Feld, das sie vor einem Start der Fähren überprüfen muss. Bisher hatte sich NASA-Chef Sean O’ Keefe stets davon überzeugt gezeigt, dass die drei Shuttles Ende des Jahres oder Anfang des nächsten Jahres nach Abschluss der Ermittlungen und den nötigen Änderungen wieder fliegen können. Doch sollten es neben dem Isolierschaum noch ein zweites Risiko geben, dann dürfte es länger dauern. Und vor allem befürchten einige Beobachter bereits, dass außer der Schraube noch weitere Gefahrenquellen entdeckt werden.

Die von dem pensionierten Admiral Harold Gehman geleitete Kommission wirft der NASA ohnehin vor, dass sie die von vielen Privatfirmen gelieferten Teile nicht genügend unter Einsatzbedingungen getestet habe. "Immer wieder" hätten die Ermittler entdeckt, dass die NASA zwar Komponenten "analysiert" hatte, sie aber keinen echten Tests unterzogen hatte.

"Nicht so sicher wie sie sein sollte"

Zu den Auswirkungen des Schraubenfunds erklärte Gehman nach Angaben der "Washington Post", darüber zerbreche er sich noch den Kopf. "Wir sind noch nicht in der Lage zu sagen, wie sich dies auf die Angelegenheit auswirkt." Sicher sei nur, dass die Schraube nicht so sicher sei wie sie sein sollte.

Der demokratische US-Senator Bill Nelson, der 1986 nur kurz vor der Challenger-Katastrophe mit der Columbia geflogen war, erklärte im Fernsehsender CNN: "Lieber Gott, ich hoffe, dass dies unsere Fähren nicht für eine lange Zeit am Boden hält."

Versorgung der Raumstation ISS wird enger

Für die Lage an Bord der noch immer im Bau befindlichen Raumstation ISS wäre ein weiterer Aufschub der Fährenflüge äußerst ungünstig. Zwar können die Russen mit ihren Sojus-Kapseln weiterhin eine Notbesatzung in die Station bringen, aber schon bei der Versorgung der Station wird es enger. So lieferten die Shuttles bisher das Wasser für die Station, das als Nebenprodukt bei der Stromerzeugung entstand. Die Sojus-Kapseln können zwar auch Wasser ins Orbit bringen, aber nur in weit geringeren Mengen.

Wenig begeistert wären auch die internationalen Partner wie die Europäer über eine weitere Verzögerung. Sie hatten bereits mehrere Flüge mit den Shuttles für ihre Astronauten fest gebucht. So bleiben den Europäern vorläufig nur die russischen Kapseln. Unklar ist auch, wann das inzwischen am Weltraumbahnhof in Cape Caneveral eingetroffene europäische Anbau-Modul Node 2 zur Station gebracht und angebaut werden kann.

Thomas Müller DPA

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