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Regenwald-Projekt von Prinz Charles: "Karl, der Grüne" engagiert sich für die Umwelt

Seit Jahrzehnten warnt Prinz Charles vor der Zerstörung unseres Planeten, nun fordert er die Industriestaaten auf, ein Notprogramm für die schwindenden Regenwälder zu finanzieren. Der britische Thronfolger belässt es nicht bei ein paar aufrüttelnden Reden.

Von Cornelia Fuchs, London

Prinz Charles sammelt Unterschriften. Ganz persönlich wendet er sich per Video auf der Internetplattform Youtube an die Öffentlichkeit und bittet um die Unterstützung jedes einzelnen Menschen für sein Regenwald-Projekt. Nach Meinung des Prinzen geht es in den nächsten Monaten um nichts Geringeres als das Überleben der nächsten Generationen: "Wir müssen einen Weg finden, wie wir als Teil dieses Planeten leben und nicht als Gegner einer Natur, deren Teil wir doch sind. Meine Kinder und meine Enkelkinder – ja, jedes Kind auf dieser Welt - sollten niemals fragen müssen, warum wir nichts getan haben, als es noch möglich war, einzugreifen."

Seit 18 Monaten arbeiten Experten im Auftrag des Prinzen an einem Notfall-Programm für die Regenwälder dieser Erde. Aufgeschreckt wurde Charles damals von einem Besuch einer Gruppe von Wissenschaftlern, die ihn warnten, dass schon sehr bald so viel Regenwald abgeholzt und vernichtet werden sein würde, dass eine Klimakatastrophe nicht mehr aufzuhalten sei. Tatsächlich verursacht im Moment die Abholzung der Tropen an einem einzigen Tag mehr Kohlendioxid-Emissionen, als wenn 12,5 Millionen Menschen von New York nach London fliegen würden.

Die dunklen Aussichten waren keine Überraschung für den britischen Thronfolger. Schon als Teenager in den 60er Jahren hat er mit großer Sorge die mutwillige Zerstörung der Umwelt erlebt. Während seiner Armee-Ausbildung wenige Jahre später gründete er erste wohltätige Organisationen, um dem Verfall entgegenzuwirken. Er wurde dafür als "Karl, der Grüne" verspottet, sein enges Verhältnis zur Tier- und Pflanzenwelt war ebenso Anlass für böse Sottisen wie seine Kritik an gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Letzteres führte sogar zum Vorwurf der politischen Parteilichkeit. Das zukünftige Oberhaupt des britischen Königreiches habe sich neutral zu verhalten.

Gehandelt, statt geredet

Prinz Charles hat sich in den all den Jahren um seine Kritiker wenig gekümmert. Er gründete stattdessen 19 Stiftungen und sammelt für diese jährlich 160 Millionen Euro Spenden. Er half dutzenden Bauern auf seinen Ländereien auf biologische Landwirtschaft umzusteigen. Und seine Produktreihe "Duchy" mit Marmeladen aus alten Fruchtsorten und sehr beliebten Bio-Keksen hat die umweltbewusste Lebensmittel-Produktion aus der Ecke der verschrumpelten Möhren in das Luxus-Segment gehoben. Er gilt als gewichtiger Ansprechpartner für die amerikanische Bio-Bewegung "Soil Association" und als Freund der großen Stars der neuen Umweltbewegung von Al Gore bis Eric Schlosser.

Fühlt er sich angesichts dieser Unterstützung bestätigt? "Das ist nicht wichtig", zeigt sich der Prinz bescheiden. "Ich kann mich nicht freuen, dass ich Recht behalten habe, weil dies zugleich bedeutet, dass sich die Welt einer katastrophalen Gefahr gegenübersieht. Der größte Lohn wäre für mich, wenn die Welt endlich handeln würde, um den Klimawandel aufzuhalten."

Um genau dies voranzutreiben, hat Prinz Charles Anfang April aus Anlass des G20-Gipfels in London die Welt zu sich in den St. James-Palast eingeladen. Staatsoberhäupter wie Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy kamen, wie auch die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton. Sie zeigten sich alle beeindruckt vom Regenwald-Rettungsprogramm.

Elf Milliarden als Anschubfinanzierung

Das sieht vor, die Nationen der Regenwald-Regionen so schnell wie möglich mit Geldern zu versorgen, die nachhaltiges Wirtschaften in den Wäldern finanzieren und eine Abholzung bestrafen. Dadurch sollen die Wälder nicht nur nach Rodungen wirtschaftlich interessant werden, sondern einen Wert an sich bekommen. Sieben bis elf Milliarden Euro jährlich sind für diese Anschubfinanzierung nötig, errechneten Experten für den Prinzen. Das Geld soll ausgezahlt werden, bis der internationale Emissions-Handel die Regenwald-Nationen für ihren Beitrag zur Kohlendioxid-Reduzierung bezahlt.

Und warum sollten die Industrienationen in Zeiten einer Rezession so viel Geld aufbringen? "Wir bezahlen doch auch für Strom, Gas und Wasser. Die Regenwälder sind nichts anderes als riesige Versorger unseres Planeten.", sagt der Prinz. Nach seinen Zahlen würden uns Investitionen von 2,7 Billionen Euro erspart bleiben, wenn wir die Rodung der Tropen und damit den zusätzlichen Kohlendioxid-Ausstoß halbieren könnten. Eine der wichtigsten Ideen des Notfall-Programms besteht darin, die benötigte Summe nicht allein durch Regierungs-Hilfen, sondern durch Regenwald-Anleihen zu sammeln. Diese Anleihen könnte jeder kaufen, mit gutem Gewissen und einem garantierten Ertrag nach einer bestimmten Anzahl von Jahren.

Doch erst einmal muss das Notfallprogramm beschlossen werden. Prinz Charles hofft, dass dies noch in diesem Jahr möglich sein wird. "Wenn wir es schaffen, nicht nur Unternehmen, die Medien und Hilfsorganisationen für das Regenwald-Projekt zu gewinnen, sondern wenn auch Bürger und Gemeinden auf der ganzen Welt sich zusammenschließen mit dem Ziel, die Rodungen zu stoppen, dann werden wir es den Staatsoberhäuptern sehr viel einfacher machen, auf der Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen die notwendigen Entscheidungen zu treffen.", sagt Prinz Charles. Er wird dafür weiter Unterschriften sammeln.

Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe des stern.