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Strom: Mit Kuhmist Wohnzimmer erleuchten

Kuhmist ist mehr als der stinkende Rest einer verdauten Grasmahlzeit: Der Dung von Nutztieren könnte nach einer neuen Studie Strom für Millionen Menschen liefern und zugleich das Klima schützen. Wie das funktionieren soll.

Kühe als Stromlieferanten: Ihre Verdauungsgase sollen Turbinen antreiben und Energie erzeugen

Kühe als Stromlieferanten: Ihre Verdauungsgase sollen Turbinen antreiben und Energie erzeugen

Im Zeitalter der Zweitverwertung ist man auch bei Kuhmist angekommen. Mit ihm will man nun Strom erzeugen: Nach Berechnungen von Wissenschaftlern ist es möglich, mit dem Dung der Tiere allein in den Vereinigten Staaten 100 Milliarden Kilowattstunden Elektrizität zu produzieren - das entspricht knapp drei Prozent des US-Jahresverbrauchs. Damit könnten Millionen von Haushalten und Büros versorgt werden, schreiben Amanda Cuéllar und Michael Webber von der US-Universität von Texas in Austin in den "Environmental Research Letters".

Beim Verrotten von Fäkalien entstehen klimaschädliche Gase wie Methan oder Lachgas. Nach Aussagen des Uno-Klimarats IPCC ist Methan 21-mal und Lachgas 310-mal klimawirksamer als Kohlendioxid. Da das CO2-Vorkommen allerdings das von Methan und Lachgas übertrifft, wird Kohlendioxid als das bedeutendste freigesetzte Treibhausgas bezeichnet.

Eine Methode mit großem Potential

Im Szenario der Forscher wird der Mist der Nutztiere ohne Sauerstoff in Biogas umgewandelt, das Turbinen für die Stromproduktion verwenden. Auf diese Weise kann ihren Berechnungen zufolge die Menge der Treibhausgase, die bei der Stromgewinnung in den USA entstehen, um etwa vier Prozent gesenkt werden, schreiben die Experten in dem Physik-Journal.

"Nachdem es viel Kritik an Biotreibstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen gab", sagen Cueller und Webber, "ist die Biogasproduktion aus Mist deutlich unbedenklicher. Es muss Nichts neu angebaut werden, es werden nur Abfälle aus der ohnehin schon existierenden Landschaft sinnvoll genutzt - um der Umwelt zu nutzen." Bis diese Methode tatsächlich umgesetzt werden könne, müssten einige Probleme geklärt werden, so die Autoren. Dazu gehöre es, geeignete Transportmöglichkeiten zu finden sowie die beste Methode, um aus dem Mist möglicht viel Energie zu gewinnen.

nis/DPA / DPA
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