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Temperaturanstieg: Sonne ist unschuldig

Ist's der Mensch? Ist's die Sonne? Forscher streiten seit Jahren, ob der Temperaturanstieg wirklich menschengemacht ist. Das Max-Planck-Institut für Astrophysik kommt zu dem Schluss: Die Sonne war's nicht.

Trotz der zunehmenden Aktivität der Sonne ist sie wohl nicht für die steigenden Temperaturen auf der Erde verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt das Max-Planck-Institut für Astrophysik in einer am Donnerstag in München veröffentlichten Studie. Die seit dem 17. Jahrhundert beobachtete Erderwärmung hätte demnach eine bis zu fünf Mal stärkere Sonnenaktivität erfordert.

"Die Einflüsse des Menschen müssen im letzten Jahrhundert also weitaus größer gewesen sein als die der Sonnenaktivität", erklärte der Wissenschaftler Henk Spruit die Ergebnisse. Die Forscher schlossen allerdings nicht aus, dass die ultraviolette Strahlung der Sonne zum Klimawandel beiträgt. Dazu existierten bislang aber noch keine zuverlässigen physikalischen Modelle.

Strahlungsintensität wird seit 1978 genau erfasst

Manche Wissenschaftler verdächtigen die schwankende Sonnenaktivität, mindestens ebenso zur Erderwärmung beizutragen wie der Mensch oder natürliche Veränderungen des Klimas. Doch nach den nun veröffentlichten Ergebnissen scheine die Fleckenaktivität als Auslöser des Klimawandels auszuscheiden. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Astrophysik, des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums in Davos und des National Centers for Atmospheric Research in Colorado fassten die vorhandenen Messdaten und theoretischen Erkenntnisse zusammen und berechneten damit neue Klimamodelle.

Weltraumsatelliten beobachten seit 1978 die Strahlungsintensität der Sonne. Die Auswertungen der Daten zeigten: Je aktiver die Sonne, desto stärker ihre Intensität. Im Jahr 2000, als Astronomen besonders viele Flecken registrierten, strahlte die Sonne.0,07 Prozent intensiver als in diesem Jahr, in dem Sonnenaktivitäten seltener auftreten. Diese kleinen Schwankungen reichten aber nicht, um das Klima wesentlich zu beeinflussen, sagte Spruit. Da erst seit 1978 genaue Messdaten vorliegen, mussten die Forscher allerdings auf ein Hilfsmittel zurückgreifen, um auch einen langfristigen Einfluss der Sonnenaktivität auf das Erdklima auszuschließen: Sie untersuchten Radioisotope von Kohlenstoff und Beryllium, die im 100.000 Jahre alten Eis Grönlands und der Antarktis nachgewiesen werden. Kosmische Strahlung erzeuge diese Radioisotope in der Erdatmosphäre.

AP / AP