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Urzeit-Affe: King Kongs Urahn stammt aus China

"King Kong" ist nur eine Filmgestalt; in der Urzeit aber lebten tatsächlich gigantische Affen auf der Erde. Ein Zahn der ausgestorbenen Riesen half Forschern nun, die letzten Geheimnisse der Ur-Affen zu enträtseln.

Der Vorfahre von "King Kong" lebte einst in China. Der gigantische Affe war drei bis vier Mal so groß wie heutige Menschen und wog mehr als 500 Kilogramm. Nicht ganz so viel wie sein Hollywood-Kollege, der von Mittwoch an durch deutsche Kinos poltert. Er war kein Monster, sondern ein gemütlicher und langsamer Zeitgenosse. Seine Zähne und Kiefer lassen erkennen, dass er sich wie der Riesenpanda vor allem von Bambus ernährte.

Lange ist gerätselt worden, wann dieser größte Primat aller Zeiten genau gelebt hat. Mit modernen Untersuchungsmethoden am Zahnschmelz hat jetzt Professor Jack Rink von der McMaster Universität im kanadischen Ontario das "fehlende Puzzlestück" gefunden: Der Riesenaffe ist erst vor 100.000 Jahren ausgestorben. Und das bedeutet, dass der "Giganto" und die Frühmenschen damals Seite an Seite gelebt haben.

Alles begann mit einem geheimnisvollen Zahn

Nicht erst seit "King Kong" haben große Affen eine besondere Faszination auf den Menschen ausgeübt. Vielleicht weil sie ihnen ähnlicher sind als andere Tiere oder der Mensch seine animalische, wilde Seite in ihnen sieht. "Viele Filme über Wesen wie Big Foot oder Monster sind von Riesenaffen inspiriert", sagt der Forscher Wang Fangchen von der chinesischen Expeditionsgesellschaft in Peking. So träumte einst Filmproduzent Merian Cooper von einem gigantischen Affen, der New York zerstörte. Die Idee von "King Kong", der sich in die blonde Frau verliebte, war geboren. Nur zwei Jahre nach seinem Film 1933 begann in Hongkong durch Zufall eine Entdeckungsreise, auf der tatsächlich ein solcher Ur-"King Kong" gefunden wurde.

Der deutsche Paläontologe Ralph von Koenigswald fand 1935 in einer Apotheke in der britischen Kronkolonie einen riesigen "Drachenzahn", der keiner bekannten Spezies zuzuordnen war. Asiaten sagen Medizin, die aus seltenen und wundersamen Zähnen oder Knochen gemahlen wird, Heilkraft oder Potenz fördernde Wirkung nach. Koenigswald fand mehr Zähne in Hongkong und Kanton und konnte die Existenz einer frühzeitlichen riesigen Affenart nachweisen. Er nannte sie "Gigantopithecus Blackii": "Gigantischer Affe" und "Blackii" nach dem Wissenschaftler David Black, der den Peking-Menschen entdeckt hatte.

"Giganto" lief auf Händen und Füßen

Während des Zweiten Weltkrieges landete Koenigswald in japanischer Gefangenschaft auf Java. Seine wertvolle Zahn-Sammlung überstand den Krieg in einer Milchflasche, die im Garten eines Freundes vergraben war. Nach dem Krieg gingen chinesische Paläontologen in den 50er Jahren der Spur des "Giganto" in Südchinas Karst-Region Guangxi nach. Sie fanden hunderte Zähne und dann sogar Kieferknochen.

Damit konnten Wissenschaftler den Riesenaffen erstmals nachbilden. "Wir wissen nicht genau, ob er aufrecht laufen konnte", sagt Wang Fangchen. "Es ist eher anzunehmen, dass er mit Händen und Füßen gelaufen ist." An neun Orten in China, Vietnam und Indien gab es bisher Funde - die meisten in Guangxi, aber auch nördlich in Hubei in Zentralchina.

Auch heute liefert "Giganto" noch Stoff für Legenden

"Oft wurden "Gigantopithecus Blackii" an Stätten gefunden, wo es auch menschliche Fossilien gab", sagt Wang Fangchen und weist damit darauf hin, dass Homo Erectus und Riesenaffe sich nahe gewesen sein müssen. Wie gut ihr Verhältnis war oder ob der Frühmensch den Ur-"King Kong" auch schon gejagt hat, ist unklar. Bis heute muss der größte Primat für Legenden über "Waldmenschen", den "Big Foot" oder "Sasquatch" in den USA und Kanada herhalten - obwohl er kaum seine Bambuswälder verlassen haben dürfte. Im Vietnamkrieg berichteten US-Soldaten von Begegnungen mit "Waldmenschen" (Nguoi Rung).

Skeptisch sagt Wang Fangcheng dazu: "Wir sind nicht sicher, ob der Gigantopithecus Blackii heute noch existiert, aber er lebte auf jeden Fall vor 100.000 Jahren und zurück bis zu zwei Millionen Jahren." Von der "King Kong"-Geschichte hält Wang Fangchen aus wissenschaftlicher Sicht ohnehin nicht viel. Im Chinesischen wurde der Hollywood-Affe denn auch nach den Furcht erregenden buddhistischen Tempelwächtern "Jin Gang" benannt - "sowohl Mensch als auch übernatürliches Wesen".

Andreas Landwehr/DPA / DPA
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