HOME

US-Forschung: Mistkäfer frisst Riesen-Tausendfüßler

Viele Mistkäfer rollen in Ruhe ihre Dungkugel, um diese später zu verspeisen. Doch US-Forscher haben nun erstmals eine Art erspäht, die große Tausendfüßler angreift, zerfetzt und auffrisst. Dabei umklammern die Käfer die zusammengerollten Tausendfüßler mit ihren Hinterbeinen und reißen ihnen Beine und schließlich den Kopf ab.

US-Forscher haben erstmals eine Mistkäferart entdeckt, die große Tausendfüßler erbeutet und anschließend zerreißt und auffrisst. Die Käfer nutzen dazu die scharfe, bezahnte Kante ihrer "Oberlippe" wie einen Hebel. Die Wissenschaftler beschreiben den ungewöhnlichen Käfer in den "Biology letters" der britischen Royal Society.

Die weltweit verbreitete Gruppe der Mistkäfer gräbt sich normalerweise in den Dung von Wirbeltieren und lebt von den Bakterien und der sich zersetzenden Biomasse. Einzelne Arten haben ihre Nische in zersetzendem Obst oder Aas gefunden. In den Tiefland-Regenwäldern Perus entdeckten Trond Larsen von der Universität Princeton (US-Staat New Jersey) und seine Mitarbeiter dagegen unter 131 gewöhnlichen Mistkäferarten erstmals diejenige, die zum Räuber geworden ist.

Deltochilum valgum sieht aus wie ein typischer Mistkäfer, hat das bekannte Dungkugel-Rollen seiner Verwandten jedoch völlig aufgegeben. In Fallenexperimenten zeigte sich, dass die Tiere stark von Tausendfüßlern als Köder angelockt wurden. Sie stürzten sich vor allem auf lebende, verletzte Exemplare, selbst wenn diese größer waren als sie selbst.

Die Forscher konnten keine Exemplare mit anderer Beute finden. Deltochilum valgum scheint sich daher auf Tausendfüßler als Nahrung spezialisiert zu haben. Die sei ein sehr seltenes Beispiel dafür, wie kleine körperliche und Verhaltens-Änderungen eine Art in eine völlig andere Stufe der Nahrungskette versetzen können, meinen die Forscher. Solche Übergänge könnten die schnelle Evolution und Diversifizierung in vielen Insektengruppen erklären.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel