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Sturmtief "Xaver": Das kommt auf Deutschland zu

Sturmtief "Xaver" wird am Donnerstag in Teilen Deutschlands für Orkane, Regen und Schnee sorgen. stern.de sagt, wo das Unwetter tobt und welche Gefahren drohen.

Von Dominik Brück

Für Donnerstag hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Teile Deutschlands eine Unwetterwarnung herausgegeben. Tief "Xaver" sorgt nicht nur für Regen- und Schneefälle, sondern auch für Windgeschwindigkeiten bis zu 140 Kilometer pro Stunde. Für Küstenregionen hat der DWD außerdem eine Sturmflutwarnung ausgegeben.

In Niedersachsen und an der Westküste Schleswig-Holsteins fällt heute an etlichen Schulen der Unterricht aus. Inselfähren stellen ihren Betrieb zum großen Teil ein. Weihnachtsmärkte in Hamburg, Kiel und Lübeck bleiben geschlossen.

Wie gefährlich "Xaver" wirklich ist und worauf Sie sich einstellen müssen.

Wie schlimm ist der Sturm tatsächlich?

Ganz genau lässt sich das noch nicht sagen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wird Sturmtief "Xaver" uns aber nicht so heftig treffen wie "Christian" Ende Oktober. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man die Unwetterwarnungen für Donnerstag aber nicht: "Der Sturm hat ordentlich Pfeffer", sagt Jens Hoffmann vom DWD. "Xaver" erreicht mit Windstärke zwölf (Windgeschwindigkeiten von mehr als 118 Kilometer pro Stunde) in jedem Fall Orkanstärke. "Für manche Regionen werden wir noch eine extreme Unwetterwarnung herausgeben", sagt Hoffmann. Mit dem Höhepunkt des Sturms rechnet er für die Nacht von Donnerstag auf Freitag. "Danach schwächt der Sturm ab, das bedeutet aber noch keine Entspannung", erklärt Hoffmann.

Aktuelle Informationen und Bilder finden Sie auf der Facebook-Seite und der Webseite des DWD.

Wo wütet der Sturm am schlimmsten?

Norddeutschland und besonders die Küstengebiete bekommen "Xaver" am stärksten zu spüren. "Mit Windgeschwindigkeiten von über 140 Kilometer pro Stunde sprechen wir hier von extremen Orkanböen", sagt Jens Hoffmann vom DWD. Bis weit ins norddeutsche Binnenland und sogar bis Bayern wird man die Auswirkungen von "Xaver" spüren können. "Es kann auch vorkommen, dass Windgeschwindigkeiten mit Stärke zehn (bis 102 Kilometer pro Stunde) bis nach Nordrhein-Westfalen reichen", sagt Hoffmann. Das gilt jedoch noch nicht als sicher. Besonders im Bergland ist dabei auch mit Wind in Orkanstärke zu rechnen.

Welche Gefahren drohen durch den Sturm?

Aufgrund der hohen Windgeschwindigkeiten drohen Sach- und Personenschäden durch herabstürzende Äste und Dachziegel - aber auch umherfliegende Gegenstände können schnell zu einer Bedrohung werden. "Prüfen Sie Ihr Haus und alles drum herum: Sind lose Gegenstände zu sehen, dann machen sie diese sturmfest. Ein Balkonstuhl kann schnell zum tödlichen Geschoss für Passanten auf der Straße werden", sagt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net.

An den Küstengebieten ist mit Sturmfluten zu rechnen. Diese werden jedoch wahrscheinlich keine Bedrohung darstellen, da die Deiche den erwarteten Wassermassen ohne Probleme standhalten können. "Den höchsten Pegelstand erwarten wir in Hamburg. Dieser wird aber einen Meter unter der schweren Sturmflut von 1962 liegen", sagt Sylvin Müller-Navarra vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg. Damals war das Wasser auf 5,70 Meter über Normalnull gestiegen und hatte die Deiche überspült. Ganze Stadtteile standen unter Wasser, Zehntausende wurden obdachlos, mindestens 315 Menschen starben. Die Stadt hat daraus gelernt: Die Deiche sind jetzt bis zu einem Pegelstand von 7,30 Meter über Normalnull sicher - an manchen Stellen sind es sogar bis zu neun Meter. So gewappnet überstand Hamburg auch die bisher größte Flut 1976 unbeschadet. Der Pegelstand erreichte damals 6,45 Meter über Normalnull. Auch im übrigen Norddeutschland sollten alle Deiche die Sturmfluten von "Xaver" locker verkraften. Einzelne Überschwemmungen in tief liegenden Gebieten sind jedoch möglich.

Ist mit Einschränkungen des Verkehrs zu rechnen?

Die Verkehrsunternehmen in Gebieten mit Unwetterwarnung bereiten sich auf Störungen durch den Sturm vor. Besonders die angekündigten Schneefälle und umgestürzte Bäume können Gleise und Fahrbahnen blockieren und zu Einschränkungen im Nah- und Fernverkehr führen. Die Deutsche Bahn bereitet sich mit zusätzlichem Personal auf mögliche Störungen vor. Besonders im nördlichen Niedersachsen sowie in Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sei aber mit Einschränkungen oder auch Einstellungen des Zugverkehrs zu rechnen, teilt die Bahn mit. Da auch der Straßenverkehr betroffen sein werde, können Busersatzverkehre voraussichtlich nur begrenzt realisiert werden.

Auch im öffentlichen Nahverkehr kann es zu Störungen durch "Xaver" kommen. Die Hamburger Hochbahn hat am Donnerstag "Baumtrupps" in Bereitschaft, die umgestürzte Bäume schnell entfernen sollen. Außerdem sollen Ersatzbusse und zusätzliche U-Bahn-Züge eingesetzt werden. Aktuelle Informationen soll es über soziale Medien oder über die Homepage des Unternehmens geben. Inwieweit der Straßenverkehr betroffen sein wird, ist bisher nicht absehbar.

Wie sollte man sich während des Sturms verhalten?

Generell rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), bei Unwettern Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich über Fernsehen, Radio oder Internet aktuelle Informationen zu holen. Ein batteriebetriebenes Radio und eine Taschenlampe sollten für den Notfall verfügbar sein. Weiterhin sollte man wichtige Dokumente griffbereit haben, falls das Haus schnell verlassen werden muss. In Notfällen sind Hilfskräfte unter den bekannten Nummern 110 und 112 erreichbar. Auch nach dem Unwetter sollte man im Freien weiter vorsichtig sein, da auch dann noch Gefahr von herabstürzenden Gegenständen drohen kann. Weitere Informationen bietet die Webseite des BBK.