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Unwetter im Anmarsch: Norddeutschland rüstet sich für Nikolaus-Sturmflut

"Xaver" soll morgen mit geballter Wucht auf den Norden treffen. Zwischen Emden, Flensburg und Rostock werden Vorbereitungen getroffen, damit die Menschen möglichst sicher durch das Orkantief kommen.

Sturmböen, Sturmfluten und Schnee: Das Orkantief "Xaver" soll am Donnerstag und Freitag im Norden und an der Küste Deutschlands kräftige Unwetter bringen. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes wird "Xaver" in Schleswig-Holstein am stärksten wüten. Am Donnerstagnachmittag sei an der Nordseeküste mit Böen der Stärke 12 zu rechnen und im Binnenland mit Stärke 11. In der Nacht zum Freitag werde es so weitergehen. An der Nordsee sind nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes extrem starke Böen von mehr als 140 Kilometern in der Stunde möglich.

Zu Beginn der Woche war von dem nahenden Unwetter noch nichts zu spüren. Teils strahlte am Dienstag die Dezembersonne vom blauen Himmel. Das dürfte sich aber in den nächsten Stunden ändern: "Xaver" entstehe gerade vor Grönland und werde hierzulande am Donnerstag erwartet, sagte Meteorologe Thomas Ruppert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Hamburg rüstet auf

In Hamburg werde es morgen Vormittag losgehen, am Freitag sollen die Böen dann etwas schwächer sein. Allerdings kommen dann nach der Vorhersage auch Schneeschauer dazu. "Xaver" ist nach Einschätzung des DWD-Experten mindestens so stark wie Sturm "Christian", der Ende Oktober über Teile Deutschlands hinweggeweht war. "Aber 'Xaver' dauert viel länger", so Ruppert.

Die Vorbereitungen auf den Sturm laufen in Hamburg auf vollen Touren. Alle U-Bahn-Strecken sowie Buslinien sollen am Donnerstag verstärkt werden, teilte ber Betreiber, die Hochbahn, am Mittwoch mit. Vier "Baumtrupps" zur Unterstützung der Einsatzkräfte seien abrufbereit, sollten wie beim Orkan "Christian" umgestürzte Bäume den Verkehr behindern.

Der Norden muss sich außerdem gleich auf eine Folge von schweren Sturmfluten einstellen. "Es können drei hintereinander sein", hieß es beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Die höchste der Sturmfluten wird nach bisheriger Einschätzung in der Nacht zum Freitag - nach Mitternacht - in Ostfriesland und an der Nordseeinsel Borkum erwartet. Später soll der Scheitel dann die Elbmündung bei Cuxhaven und parallel dazu Nordfriesland erreichen.

Das Umweltministerium in Kiel erwartete für die Nacht zu Freitag am Eidersperrwerk 2,50 Meter über dem mittleren Tidehochwasser. "Das ist genau die Grenze zu einer schweren Sturmflut", sagte der Abteilungsleiter für Küstenschutz, Dietmar Wienholdt. Aber erst bei Wasserständen von mehr als 3,5 Metern seien die Deiche in Gefahr.

"Sorgen macht uns die Sturmflut eher für die sandigen Küsten", erläuterte Wienholdt. Hier sei mit erheblichen Sandverlusten zu rechnen. "Die Halligen werden wieder Land unter melden - je nach Höhe der Sturmflut." Insgesamt sei Schleswig-Holstein gut gerüstet, sagte Wienholdt. "Die Deiche sind wintersicher. Sie werden auch ohne Probleme eine Sturmflut wie 1962 oder 1976 überstehen."

Pegel in Niedersachsen zwei Meter höher als normal erwartet

Auch die niedersächsische Küste und die Inseln sind von Sturmflut bedroht. "Nach den Prognosewerten liegen besonders in der Nacht zum Freitag die Wasserstände zwei Meter höher als normal", sagte Herma Heyken vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im ostfriesischen Norden. Bei einer solchen Höhe sprechen die Experten von einer schweren Sturmflut.

Bereits jetzt wurde beschlossen, dass der Fährbetrieb zur ostfriesischen Insel Juist wegen der Sturmflut- und Orkanwarnung am Donnerstag und Freitag eingestellt wird. Das teilte die AG Norden-Frisia am Mittwoch mit. Auch die Insel Norderney wird nur noch am Donnerstagmorgen angelaufen.

Mindestens bis Freitag bleibt es im Norden und in der Mitte Deutschlands ungemütlich mit schwerem Sturm und Orkanböen. Dazu schneit es auf den Bergen in ganz Deutschland, auch Gewitter sind möglich. In Staulagen und an den Alpen gibt es bis zu 20 Zentimeter Neuschnee und starke Schneeverwehungen. Erst in der Nacht zum Samstag hört es laut der bisherigen Vorhersagen allmählich auf zu schneien.

anb/DPA / DPA