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Täglicher Alkoholkonsum: Ein halber Liter Bier ist erlaubt

Einen halben Liter Bier am Tag dürfen Männer trinken, Frauen nur die Hälfte: Mehr Alkohol schadet der Gesundheit, warnen deutsche Forscher - und fordern ein Werbeverbot für alkoholische Getränke. Wenn Frauen zu oft zu tief ins Glas schauen, steigt das Brustkrebsrisiko.

Ein halber Liter Bier am Tag - mehr schädigt nicht nur die Leber, sondern erhöht auch das Krebsrisiko

Ein halber Liter Bier am Tag - mehr schädigt nicht nur die Leber, sondern erhöht auch das Krebsrisiko

Höchstens ein halber Liter Bier oder ein viertel Liter Wein pro Tag - wer mehr trinkt, riskiert seine Gesundheit. So lautet die Empfehlung deutscher Wissenschaftler zum Alkoholkonsum. Die präzisen Grenzwerte seien durch eine Reihe von Studien belegt, erklärte Rolf Hüllinghorst von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.

Demnach sollen Männer nicht mehr als 0,5 bis 0,6 Liter Bier oder 0,25 bis 0,3 Liter Wein pro Tag trinken - Das entspricht 20 bis 24 Gramm reinen Alkohols pro Tag. Frauen wird sogar nur die Hälfte dieser Menge empfohlen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht bisher bei mehr als 20 Gramm bei Frauen und mehr als 30 Gramm bei Männern von einem Missbrauch aus.

Gefahr für Brustkrebs steigt

Auch bei der geringeren Alkoholdosis sollten zwei alkoholfreie Tage pro Woche sowie mehrere Wochen im Jahr eingehalten werden, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Kuratoriums der DHS, Karl Mann. Alkohol spiele eine wesentliche Rolle nicht nur bei Leberschäden, sondern auch bei Krebs und psychische Erkrankungen wie Depressionen.

Besonders gefährdet sind Frauen bei Brustkrebs. Schon ganz geringe Mengen könnten zu einem erhöhten Risiko beitragen, sagte DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst. Nach einer 2006 im Fachmagazin "International Journal of Cancer" veröffentlichten Studie gehen 3,6 Prozent aller Krebsfälle weltweit auf Alkohol zurück. Unter Frauen mache Brustkrebs 60 Prozent aller alkoholbedingten Krebsfälle aus. Besonders Frauen, in deren Familien Brustkrebs auftrat, sollten Alkohol deshalb meiden. Auch in der Schwangerschaft gelte die Devise: Kein Alkohol.

Gesundheitsfördernde Wirkung überschätzt

Eine gesundheitsfördernde Wirkung von Alkohol gebe es nur in einem ganz eng umgrenzten Rahmen, sagte der DHS-Vorsitzende Jobst Böning. Bei älteren Männern mit Herzinfakt- oder Hirnschlagrisiko könnten geringe Mengen Alkohol die Risiken reduzieren. Diese Wirkung schlage aber schon bei einem geringfügig erhöhten Konsum in sein Gegenteil um. "Der Effekt wird maßlos überschätzt."

Werbeverbot gefordert

Die DHS-Experten sprachen sich für ein Verbot von Alkoholwerbung in Deutschland aus. Der Alkoholkonsum liege mit zehn Litern pro Kopf und Jahr über dem europäischen Schnitt von acht Litern. "Es gibt gute Belege dafür, dass die Werbung tatsächlich den Konsum hochfährt", sagte Mann. Alkoholwerbung ziele derzeit vor allem auf Frauen, da bei diesen eher noch Potenzial zur Steigerung des Verbrauchs gebe als bei Männern.

Als positives Beispiel nannte Mann Frankreich. Dort sei der Alkoholkonsum innerhalb der vergangenen 30 Jahre durch Warnhinweisen auf Flaschen, massive Werbeeinschränkung und vermehrte Kontrollen im Straßenverkehr von 16,1 Liter auf 9,3 Liter pro Kopf und Jahr reduziert worden. Verstärkte Alkoholkontrollen hätten zu der drastischen Abnahme des Konsums beigetragen. "Wenn man die Kontrollen verhundertfachen würde, hätte man einen enormen Effekt."

Hüllinghorst erklärte, es habe sich gezeigt, dass Einflussnahme auf den Preis und die Abgabe von Alkohol immer noch zu den wirksamsten Maßnahmen im Kampf gegen den Alkoholkonsum gehörten. "Prävention allein wird diese Probleme nicht lösen", sagte der Suchtexperte.

DPA/AP / AP / DPA