Jeden Tag küssen sich Menschen. Ob in der Kunst, in Filmen oder beim ersten Kuss: Der Kuss ist mehr als nur eine Berührung der Lippen. Acht Fakten zu dieser besonderen Geste.
1. Wird überall gleich geküsst?
Keineswegs. Vor allem in Europa, Nordamerika und dem Mittleren Osten werde gern und ausgiebig geknutscht, schreibt Ulrike Zeitlinger in ihrem Buch "Kiss me, Baby! Eine Liebeserklärung an den Kuss". In einigen asiatischen Ländern sei das romantische Küssen wiederum in der Öffentlichkeit gar nicht gern gesehen. Mancherorts wird er hingegen als Begrüßung genutzt und etwa auf der Wange oder der Hand platziert.
Auch eine begrüßende Variante der Inuit ist vielen bekannt, der sogenannte "Kunik". Dabei drückt oder reibt man die Nasenspitze gegen die Wange einer anderen Person - statt wie weit verbreitet angenommen, die Nasenspitzen aneinander zu reiben, so Zeitlinger.
2. So viel wird geküsst
Nach Angaben des Psychotherapeuten Wolfgang Krüger küssen sich deutsche Paare durchschnittlich zwei bis drei Mal am Tag. In vielen Ehen nehme der Anteil erotischer Küsse jedoch "rasant" ab, so Krüger. Zum Valentinstag sollte man deswegen vielen Ehepaaren sagen: "Ihr müsst mal wieder länger als zehn Sekunden in der Küche zusammenstehen und euch küssen", empfiehlt er. Deutlich mehr etwa werde in Italien geknutscht, wo man viel offener und leidenschaftlicher sei.
Im Laufe der Jahre habe die Kussdauer zudem deutlich zugenommen. Der erotische Kuss dauert demnach heutzutage mindestens elf Sekunden. Und was macht einen guten Kuss aus? Für schöne und gute Küsse ist vor allem ein Vertrauensverhältnis wichtig, erklärt Krüger, der auch Buchautor ist. "Das heißt, ich bekomme von der anderen Person genügend Wertschätzung, Anerkennung und Konflikte sind geklärt".
3. Mit dem Küssen kommunizieren
"Küssen ist Kommunikation", sagt Kommunikationswissenschaftler Hektor Haarkötter "und folgt entsprechend allen Regeln, denen auch sonst sprachliche oder eben nicht sprachliche Kommunikation folgt". Damit teile man seine Gefühle, Befindlichkeiten und Bedürfnisse mit. Die verschiedenen Arten des Küssens, etwa auf Lippen, Hand oder Wangen, bezeichnet er, wie auch sonst in der sprachlichen Kommunikation, als unterschiedliche Dialekte.
4. Nicht nur Menschen werden geküsst
Für viele kein ungewöhnliches Bild ist das Küssen von Medaillen oder Trophäen von Sportlerinnen und Sportlern. Auch das sei eine Dialektform, sagt der Kommunikationswissenschaftler.
"Wir können gegenüber diesem Gegenstand unsere Wertschätzung, vielleicht auch unsere Liebe, unsere tiefsten Gefühle ausdrücken, indem wir diese Gegenstände an unseren Mund führen", erklärt der Kommunikationsexperte. "Und das ist ein gesellschaftlich absolut akzeptiertes und auch verstandenes Verhalten."
5. Der Kuss in der Kunst
Auch in der Kunst ist der Kuss ein zentrales Motiv - man denke nur an die bekannten Werke von Auguste Rodin oder Gustav Klimt. Woran liegt das? "Das ist ein sehr spannungsreicher Moment, der eine sehr breit gefächerte Bedeutung haben kann", erklärt Kunsthistorikerin Karin Kranhold. Durch die Kunst könne "ein ganz flüchtiger Moment ewig gemacht werden".
Dabei gehe es nicht nur um den zärtlichen Moment zwischen Liebenden - sondern er könne auch religiöse, rituelle oder gar politische Bedeutung haben, etwa der sozialistische Bruderkuss. Neben der großen Bedeutungsvielfalt werde der Kuss aber auch deswegen häufig interpretiert, da es künstlerisch und handwerklich äußerst anspruchsvoll sei, ihn darzustellen.
Seit der Antike werde das Thema immer wieder dargestellt, so Kranhold. Als einen der spannendsten Küsse in der Kunstgeschichte nennt sie den von Giotto gemalten Judaskuss in der sogenannten Arena-Kapelle im italienischen Padua von 1305. Jesus und Judas werden dabei mit den Gesichtern ganz nah aneinander dargestellt. "Da ist der Kuss das ultimative Zeichen des Verrats." Ab dem 19. Jahrhundert sei dann das Motiv des erotischen Kusses relevanter geworden.
6. Der Kuss im Film
Der Film, wie man ihn heute kennt, wurde laut Kommunikationswissenschaftler Haarkötter 1895 erfunden. Bereits ein Jahr später habe es den ersten Filmkuss gegeben. Ohne diesen sei das Kino niemals so erfolgreich gewesen, so seine Meinung. "Menschen sind damals ins Kino gegangen, um anderen Menschen beim Küssen zuzugucken", sagt er. Vor allem in Hollywoodfilmen spiele "das Küssen eine absolut fundamentale Rolle".
Dass der Kuss eine zentrale Rolle spielte, lässt sich auch daran erkennen, dass es bis in die 1960er Jahre einen sogenannten Production-Code in Hollywood gab. Darin war genau geregelt, wer, wie lange, in welcher Körperhaltung und auf welchen Möbeln wen küssen darf, erläutert er. So durfte ein Kuss beispielsweise nicht länger als drei Sekunden dauern. Einer der berühmtesten Filmküsse ist der Kuss zwischen Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann in "Casablanca", sagt der Experte. "Ikonisch, keine Frage."
7. Der erste Kuss
Dem ersten Kuss, sei es im Leben oder in jeglichen Arten von Beziehungen, wird eine sehr große Bedeutung beigemessen. Warum ist das so? "Der erste Kuss überhaupt, den wir mit zwölf, 13, 14 Jahren haben, ist deshalb entscheidend, weil der erste Kuss das Ende der Kindheit ist", erklärt Psychologe Krüger. Damit beginne auch die Pubertät.
Aber auch danach ist der erste Kuss zwischen zwei Menschen ein zentraler Moment. "Das spielt eine riesige Rolle", sagte er. Dabei entscheide man, wie es mit dem anderen Menschen weitergehe, ob man mit ihm intim werden oder gar eine Beziehung eingehen wolle.
8. Gut für die Gesundheit
Küssen ist auch gesund. So senke es etwa den Blutdruck und stärke auch das Immunsystem, so Buchautorin Zeitlinger. Außerdem sei es gut für das Herz sowie den Kreislauf und helfe beim Stressabbau.
Zudem hat das Knutschen weitere positive Effekte. "Küssen ist ein Glücksfaktor, der die Beziehung unendlich verändert und verbessert", erklärt Psychotherapeut Krüger. Dabei werden nämlich sehr viele Hormone ausgeschüttet. "Wenn wir küssen, wird der ganze Körper in einen Erregungszustand gebracht und quasi belebt."