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Blick ins Heft Das ist die jüngste Ausgabe von "Charlie Hebdo"

Viele bärtige Männer, ein paar Schlüpfigkeiten und auch Angela Merkel kommt vor: Die jüngste Ausgabe von "Charlie Hebdo" ist da - der stern hat einen Blick hineingewagt.

Innerhalb kurzer Zeit waren 700.000 Ausgaben ausverkauft – nur der erste Schwung von insgesamt fünf Millionen Stück, die von der ersten "Charlie Hebdo" nach dem Anschlag auf das Satireblatt noch in den Handel kommen werden. Auf eBay bieten bereits erste Geschäftemacher das Magazin für horrende Summen an. Ein Verkäufer verlangt 15.000 Euro - unklar aber ist, ob das Angebot ernst gemeint ist oder nicht. Auch in Deutschland kommt "Charlie Hedbo" an die Kioske, aber nicht auf Deutsch und auch erst am Samstag. Vier Euro wird ein Exemplar voraussichtlich kosten.

Nur: Was steht denn eigentlich drin, in der innerhalb weniger Tage entstandenen Sonderedition? stern.de hat einen kurzen Blick in die Ausgabe geworfen:

Auf den ersten Blick sind viele Bärte, viele Männer und viele heruntergezogene Mundwinkel zu sehen. Grimmige Islamisten, wohin das Auge blickt. Die Macher von "Charlie Hebdo" haben sich offenbar nicht einschüchtern lassen und veräppeln weiter munter den Islam und seine selbsternannten Gotteskrieger. Auf dem Cover macht Prophet Mohammed den Anfang: Er vergießt eine Träne und hält ein Schild in der Hand auf dem die mittlerweile berühmten drei Wörter "Je suis Charlie" stehen. Über ihm der Satz "Alles ist verziehen".

Auf einer anderen Zeichnung sitzen drei Moslems zerknirscht zusammen. Einer sagt: "Die Menschen bei Charlie Hebdo sind nun tabu", einer anderer ergänzt: "Sonst machen wir sie zu Märtyrern und im Paradies nehmen sie uns dann die Jungfrauen weg." Teilweise geht es auch sehr böse zu: Auf Seite 10 beschäftigt sich ein Stück über mehrere Massaker der Boko-Haram-Islamisten in Nigeria, bei denen Tausende von Menschen ums Leben gekommen waren. Dazu eine Zeichnung auf dem ein Dschihadist zum anderen sagt: "2000 Charlie-Hebdo-Abonnenten weniger".

Die Zeichner arbeiten sich fast nur, aber nicht allein am Islam ab: Auch Christen bekommen ihr Fett weg sowie die politische Führung des Landes und Europas. Angela Merkel kommt gleich mehrfach vor: Während Sängerin Madonna "Charlie Hebdo" mit Hilfe einer ihrer Schlüpfer unterstützen will, sagt die Kanzlerin halb Französisch, halb Deutsch: "Ich bin nein porter de culotte" - Ich trage nein Unterhose. Auch die eigene Arbeit würdigen die Cartoonisten - auf ihre Weise: "Zeichner bei Charlie Hebdo zu sein, dass bedeutet 25 Jahre Arbeit", heißt es gegen Ende der Ausgabe. Darunter ist einer der Attentäter mit Maschinengewehr zu sehe und der Satz: "Terroristen - 25 Sekunden Arbeit - Terrorist, ein Beruf für faule Nichtsnutze".

Dank an die Teilnehmer des Trauermarschs

Neben all den Andeutungen, Albernheiten und Anzüglichkeiten sind auch die Solidariätsbekundungen für die Opfer der Zeitung Thema. Liebevoll würdigen die Zeichner etwa die Teilnehmer des Trauermarschs in Paris, bei dem anderthalb Millionen Menschen teilgenommen haben.

Die jüngste Ausgabe des Satireblatt erscheint auch in muslimischen Ländern wie der Türkei - auf Türkisch. Eine auf vier Seiten gekürzte Version wurde der Tageszeitung Cumhuriyet beigelegt. Die türkische Ausgabe sei "die wichtigste" überhaupt, sagte Charlie-Hebdo-Chefredakteur Gérard Biard. Allerdings ohne das Titelbild. Ein türkisches Gericht hat angeordnet, alle Interetseiten zu sperren, die das Cover zeigen.

Niels Kruse

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