Ägypten Tödlicher Angriff auf Flüchtlingscamp


In der Nacht versuchte die Polizei, ein wildes Camp mit sudanesischen Flüchtlingen in Kairo aufzulösen. Mindestens zehn Menschen starben bei der Aktion, die meisten Opfer waren wohl Kinder.

Bei einem Polizeieinsatz gegen sudanesische Flüchtlingen sind in Kairo in der Nacht zum Freitag mindestens zehn Menschen gestorben. Insgesamt seien 50 Menschen verletzt worden, meldete die staatliche ägyptischen Nachrichtenagentur MENA.

Die Polizei ging Augenzeugen zufolge mit Schlagstöcken und Knüppeln gegen tausende Sudanesen vor, die für ihre Umsiedlung in ein anderes Land demonstriert hatten. Die Demonstranten schleuderten ihrerseits Flaschen auf die Beamten und wehrten sich mit Stöcken. Viele der Sudanesen sind vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat nach Ägypten geflohen. In Ägypten fühlen sich die Sudanesen eigenen Angaben zufolge aber immer mehr Gewalt ausgesetzt. Dem Innenministerium zufolge befanden sich unter den Verletzten auch 23 Polizisten.

Um ihre Forderung nach Umsiedlung durchzusetzen, hatten rund 3500 Sudanesen mehr als drei Monate in der Nähe einer UN-Vertretung in einem wohlhabenden Vorort Kairos kampiert. Laut Augenzeugen stürmten rund 2000 Polizisten am frühen Morgen das Lager. Die Beamten forderten die Flüchtlinge zunächst auf, in bereit stehende Busse zu steigen. Diese hätten sie an einen anderen Ort fahren sollen. Die Sudanesen lehnten dies auch ab, nachdem die Polizei mit Wasserwerfern gegen sie vorgegangen war. Schließlich prügelten die Beamten laut Augenzeugen auf die Sudanesen ein. Dem ägyptischen Innenministerium brach bei dem Einsatz eine Massenpanik unter den Flüchtlingen aus.

Bewusstlose Kinder lagen am Boden

Nach dem Polizeieinsatz lagen Zeugen zufolge sechs Sudanesen - darunter auch Kinder - bewusstlos auf dem Boden. Ein Arzt stellte später den Tod eines etwa vier Jahre alten sudanesischen Mädchens fest. Das Camp war insgesamt von etwa 4000 Polizisten eingekreist worden. Die Sicherheitskräfte seien präsent gewesen, um das Protestlager aufzulösen, teilte das Innenministerium weiter mit. Die Sudanesen fühlen sich in Ägypten zunehmend schlecht behandelt. "Die meisten sudanesischen Flüchtlinge sind in Ägypten Opfer von Gewalt geworden", sagte einer der Flüchtlinge. "Wir wollen hier nicht mehr bleiben." Sie hatten vor der Vertretung des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UN) kampiert, das für sie die Umsiedlung in ein anderes Land organisieren sollte.

Das UNHCR bezeichnete die Todesfälle als Tragödie und kritisierte das Vorgehen der Behörden. "Es gibt keine Rechtfertigung für eine solche Gewalt und den Verlust von Menschenleben", erklärte der Flüchtlings-Hochkommissar Antonio Guterres. Das UNHCR hatte zuletzt erklärt, es könne wegen der Vielzahl der Flüchtlinge nicht für alle einen Transport in ein anderes Land organisieren. Man wolle sich aber verstärkt um eine Betreuung der Menschen bemühen.

UNHCR hatte um friedliche Lösung gebeten

Eine UNHCR-Sprecherein sagte am Freitag, man habe mit den ägyptischen Behörden im Kontakt über das Camp in Kairo gestanden und um eine friedliche Lösung des Problems gebeten. Insgesamt sind etwa zwei Millionen Menschen wegen der Auseinandersetzungen in der westsudanesischen Region Darfur auf der Flucht.

Die sudanesische Regierung stellte sich auf die Seite Ägyptens. Es sei durchaus das Recht der ägyptischen Regierung gewesen, die Ordnung wieder herzustellen. "Die Berichte deuten daraufhin, dass die meisten Toten Kinder sind", fügte ein Sprecher der sudanesischen Regierung der Nachrichtenagentur MENA zufolge hinzu. "Sie sind die Schwächsten bei einer Massenpanik."

Reuters Reuters

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