Afghanistan-Einsatz Nato-Truppen töten mehr als 30 Zivilisten

Neuer tragischer Fehler der Nato in Afghanistan: Bei einem Luftschlag im Süden des Landes sind versehentlich mehr als 30 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern sind auch Frauen und Kinder.

Bei einem Luftangriff der Nato in der südafghanischen Provinz Dai Kundi sind nach offiziellen afghanischen Angaben mindestens 33 Zivilisten getötet worden. Unter den Toten seien vier Frauen und zwei Kinder, sagte der Gouverneur der Provinz, Sultan Ali Urusgani, am Montag. Zwölf weitere Menschen seien verletzt worden.

Die afghanische Regierung nannte den Luftschlag "unverantwortlich" und verurteilte ihn "in schärfster Form". Der Ministerrat rief die Isaf in einer Mitteilung des Präsidentenpalastes am Montag erneut eindringlich dazu auf, größtmögliche Vorsicht walten zu lassen.

"Wir sind zutiefst betrübt"

Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal drückte dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai sein "Leid und Bedauern über den tragischen Vorfall" aus. "Wir sind zutiefst betrübt über den tragischen Verlust unschuldigen Lebens", sagte McChrystal einer Isaf-Mitteilung zufolge. "Ich habe unseren Truppen klargemacht, dass wir hier sind, um die afghanischen Menschen zu schützen, und dass das versehentliche Töten oder Verletzen von Zivilisten ihr Vertrauen und ihren Glauben in unsere Mission untergräbt. Wir werden unsere Anstrengungen, dieses Vertrauen wiederzugewinnen, erneut verdoppeln." Die Isaf machte keine Angaben zur Zahl der zivilen Opfer bei dem Vorfall.

Nato-Bomben trafen drei Fahrzeuge

Nach Angaben der afghanischen Regierung trafen die Nato-Bomben in Dai Kundi nahe der Grenze zur Unruheprovinz Urusgan drei Fahrzeuge, in denen Zivilisten auf dem Weg in die südafghanische Provinz Kandahar waren. Die Isaf teilte mit, Truppen hätten eine Gruppe Menschen ausgemacht, die sie für Aufständische auf dem Weg zum Angriff auf eine Einheit aus afghanischen und Isaf-Soldaten hielten. Nach dem Bombardement hätten Bodentruppen am Ort des Luftschlags aber Frauen und Kinder vorgefunden. Die Provinz Dai Kundi liegt geografisch im Zentrum Afghanistans. Die Provinz gehört aber zum Regionalkommando Süd der Isaf und wird daher militärisch dem umkämpften Süden des Landes zugerechnet.

Die afghanische Regierung kritisierte, zivile Opfer würden als "wesentliches Hindernis für effektive Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus" gelten. Zunächst hatten die afghanischen Behörden von 21 bis 27 getöteten Zivilisten in Dai Kundi gesprochen. Karsai hatte erst am Samstag vor dem Parlament in Kabul einen eindringlichen Appell an die Truppen gerichtet, Zivilisten zu schützen. Auch zu Beginn der Großoffensive in der südafghanischen Provinz Helmand am vorvergangenen Samstag hatte Karsai die Truppen dazu aufgerufen, vorsichtig vorzugehen. Die Vereinten Nationen hatten ebenfalls an die Konfliktparteien appelliert, Unbeteiligte zu schützen.

Nach Beginn der Operation "Muschtarak" (Gemeinsam) in Helmand waren dennoch zwölf Zivilisten getötet worden, als zwei Raketen das Haus einer Familie trafen. McChrystal hatte sich bereits damals bei Karsai entschuldigt und einen besseren Schutz der Zivilisten angekündigt. Trotzdem waren am Montag vergangener Woche bei einem Luftangriff der Isaf in der südafghanischen Provinz Kandahar erneut fünf Zivilisten getötet worden. Bei der Operation "Muschtarak" erschossen Soldaten bei verschiedenen Vorfällen außerdem mindestens vier Zivilisten versehentlich.

DPA/AP AP DPA

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