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Afghanistan: Kampf gegen Drogenanbau ohne Erfolg

Der Schlafmohn-Anbau in Afghanistan ist nicht zu stoppen. 90 Prozent des Weltmarkt-Opiums stammt aus dem Land am Hindukusch. Während die internationale Staatengemeinschaft vergeblich versucht, dem Problem Herr zu werden, setzen die Drogenringe schon längst auf neue Methoden.

Trotz der Präsenz von Nato-Truppen ist der Drogenhandel in Afghanistan nicht in den Griff zu bekommen. Obwohl die Schlafmohn-Anbaufläche um 19 Prozent geschrumpft ist, stammt immer noch 90 Prozent des Opiums auf dem Weltmarkt aus dem Land am Hindukusch. Das geht aus dem jüngsten Jahresbericht des UN-Suchtkontrollrats INCB hervor, der am Donnerstag in Wien vorgelegt wurde. Insgesamt bescheinigen die Drogenexperten der Vereinten Nationen den internationalen Bemühungen um Eindämmung in dem Report nur "geringe Fortschritte". Zudem habe der Drogenkonsum im Land sogar noch zugenommen, berichten die Autoren.

Auch der immer lukrativere Cannabis-Anbau habe sich ausgeweitet. Aus diesem Grund fordert der Suchtkontrollrat die Regierung in Kabul auf, "sich in erster Linie der Beseitigung dieses alarmierenden Trends anzunehmen und den Bauern eine legale und nachhaltige Lebensweise zu ermöglichen". Zugleich drängt der INCB die Nachbarländer Afghanistans und Anrainerstaaten der Schmuggelrouten, "etwaige Schlupflöcher zu beseitigen".

Westafrika Hauptumschlagplatz für Kokain

Eine weitere Erkenntnis der UN-Organisation: Westafrika hat sich in den vergangenen Jahren zum Hauptumschlagplatz für den Kokainschmuggel nach Europa entwickelt. Aufgrund seiner geographischen Lage sei der Kontinent prädestiniert für die Verladung von Drogenlieferungen aus Lateinamerika. Schwache staatliche Strukturen könnten dem wenig entgegensetzen. Dem Report zufolge haben aber mehrere westafrikanische Regierungen Maßnahmen ergriffen, um das Problem und seine Folgeerscheinungen - Korruption und Drogenmissbrauch - zu bekämpfen.

Laut INCB setzen Drogenringe außerdem immer stärker auf legale Handelswege, um sich Chemikalien zur Produktion verbotener Amphetamine wie etwa Ecstasy zu beschaffen. Häufig versteckten sich die kriminellen Organisationen hinter Scheinfirmen. In erster Linie würden die Stoffe Ephedrin und Pseudoephedrin abgezweigt, die für die Herstellung von Methamphetamin, Amphetamin oder MDMA (Ecstasy) Verwendung finden, heißt es im Jahresbericht.

US-Markt wird über Mexiko bedient

Nach den Erkenntnissen des Kontrollrats importierten auffällig viele afrikanische Länder die Stoffe in Mengen, die ihren jährlichen Bedarf für medizinische und wissenschaftliche Zwecke deutlich überstiegen. Zahlreiche verdächtige Sendungen seien für Mexiko bestimmt, das vor allem den großen Markt in den Vereinigten Staaten bedient. Aus diesem Grund ruft der INCB alle Staaten dringend dazu auf, den kommerziellen Handel mit Chemikalien genau zu überwachen.

DPA / DPA