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AFGHANISTAN: Tausende nach Erdbeben obdachlos

Die Zahl der Obdachlosen nach der Serie schwerer Erdbeben in Afghanistan ist nach Schätzungen des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) größer als zunächst angenommen.

Die Zahl der Obdachlosen nach der Serie schwerer Erdbeben in Afghanistan ist nach Schätzungen des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) größer als zunächst angenommen. »Wir reden im Moment von zirka 20 000 Familien, die obdachlos sind. Das sind also zirka 150 000 Personen«, sagte Klaus Buchmüller, der für das THW in der zerstörten Stadt Nahrin in der Provinz Baghlan im Einsatz ist. Die Region war am Montag und Dienstag von sieben Erdbeben erschüttert worden. Zwischen 2000 und 4800 Menschen seien ums Leben gekommen.

In einem Medizinzelt wurden in der Nacht bereits Verletzte versorgt. Da das Krankenhaus von Nahrin zerstört ist, müssen schwer Verletzte in die Provinzhauptstadt Baghlan ausgeflogen werden, sagte Buchmüller. Das THW und andere Organisationen helfen den Überlebenden mit Zelten, Decken, Kochtöpfen und Brennstoff.

Nach Aussage Buchmüllers ist die Nothilfe gut angelaufen. »Es sind zirka zehn Organisationen sofort vor Ort gewesen. Es treffen stündlich weitere Konvois ein, und die Zusammenarbeit mit den lokalen Ministern und Koordinatoren ist hervorragend«, sagte Buchmüller.

Die Epizentren aller Beben lagen nahe der Stadt Nahrin. Die Altstadt wurde völlig verwüstet, die Neustadt zu 40 Prozent zerstört. Da die Beben sich nur acht bis zehn Kilometer unter der Erdoberfläche abspielten, waren sie so zerstörerisch. Die Internationale Schutztruppe ISAF schickte ein Erkundungsteam in das Katastrophengebiet, um den Hilfsorganisationen mit Fernmeldeeinrichtungen zu helfen.

Ausländischen Helfern drohen nach Aussage der Vereinten Nationen keine Gefahren durch Taliban- oder El Kaida-Kämpfer. »Dieser Teil des Landes ist relativ sicher«, sagte Andrew Cox vom UN-Büro für humanitäre Hilfe (UNOCHA) dem britischen Sender BBC.

Die genaue Zahl der Opfer bleibt weiterhin unklar. Während das UNOCHA-Büro in Genf von 4800 Toten gesprochen hatte, ging die afghanische Regierung von 2000 Toten und 3000 Verletzten aus. Cox sagte, nach den Erfahrungen der beiden Beben von 1998, als 10 000 Menschen ums Leben kamen, werde es Tage dauern, bis das ganze Ausmaß der Verwüstungen bekannt sei. »Die Schäden erstrecken sich wahrscheinlich auf eine große Fläche«, sagte Cox. Bislang wurden nach Angaben der UNOCHA in Kabul 600 Leichen geborgen. Außer Nahrin wurden 44 Dörfer in der Ebene um die Stadt herum teilweise zerstört.

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