Afghanistan Totale Verwirrung um Schicksal der Geiseln


Wurde die Leiche der toten deutschen Geisel geborgen - oder nicht? Starb er an einem Schwächeanfall - oder an einer Schusswunde? Das Informationschaos um die beiden in Afghanistan entführten Männer ist perfekt, die Meldungen werden immer widersprüchlicher.

Wem soll man noch glauben? Die Informationslage bei den beiden in Afghanistan entführten Geiseln wird immer unübersichtlicher. Nach Angaben der Nachrichtenagentur DPA haben Sicherheitskräfte die Leiche einer der beiden deutschen Geiseln in Afghanistan gefunden. Man beruft sich bei der Information auf die afghanische Polizei. Über das Schicksal des zweiten Deutschen sei ihm aber noch nichts bekannt, sagte der Polizeichef der Provinz Wardak, Mohammed Hewasali Maslum, der Nachrichtenagentur am Sonntag.

Derselbe Mann jedoch hat offenbar der Nachrichtenagentur Reuters anders lautende Informationen gegeben: "Ich haben niemanden gesagt, dass die Leiche gefunden wurde", sagte Maslum am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist falsch." Medienberichte, er habe den Fund der Leiche einer deutschen Geisel bekannt gegeben, wies er zurück.

Schussverletzung oder Schwächeanfall?

Auch über die Todesursache herrscht weiter Unklarheit: Die "Bild am Sonntag" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, deutsche Behörden hätten den Leichnam untersucht und Schussverletzungen festgestellt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier dagegen hatte am Samstagabend erklärt, der Mann sei allen vorliegenden Erkenntnissen zufolge den Strapazen während der Entführung erlegen. Die zweite Geisel soll dagegen am Leben sein. Die beiden Deutschen werden seit Mittwoch in Afghanistan vermisst.

Laut "Spiegel-Online" stammt der Verstorbene aus Mecklenburg-Vorpommern und litt an Diabetes. Er habe bereits am Freitagnachmittag einen Schwächeanfall erlitten und sei dann gestorben, hieß es unter Berufung auf Sicherheitskreise in Kabul.

Empörung über Erpressungsversuch

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Samstagabend berichtet, man gehe davon aus, dass eine der beiden Geiseln auf Grund der Strapazen der Entführung gestorben sei. In der verwirrenden Lage seien neue Informationen aus Afghanistan immer wieder geprüft worden. "Manchmal macht man in solchen Situationen die bedrückende Erfahrung, dass dem eigenen Handeln Grenzen gesetzt sind", betonte Steinmeier. "Wir sind in dieser Stunde vereint in Trauer mit den Angehörigen und Freunden." Die entführten Ingenieure hätten sich für den Wiederaufbau Afghanistans eingesetzt.

"Jetzt kommt es darauf an, dass wir das Menschenmögliche und Verantwortbare tun, um das Leben der zweiten Geisel zu retten", sagte Steinmeier. Die beiden Ingenieure waren am Mittwoch entführt worden, die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar.

Das Auswärtige Amt sei empört darüber, dass das Schicksal der Geiseln von den radikal-islamischen Taliban instrumentalisiert worden sei, sagte der Minister weiter. Damit spielte er auf Äußerungen eines Sprechers der Islamisten an, die beiden deutschen Ingenieure seien von den Taliban entführt und nach einem verstrichenen Ultimatum an Berlin ermordet worden.

Meldung von Website gelöscht

Auf einer den Taliban zugeordneten Internetseite wurde die Mitteilung über die Ermordung der beiden deutschen Geiseln am Sonntag gelöscht. Noch am Samstag war unter den dort verzeichneten Ereignissen des Tages eine sechszeilige Meldung unter der Überschrift "Zwei deutsche Gefangene in Ghasni getötet" zu lesen.

Der Sprecher des afghanischen Außenministeriums, Sultan Ahmad Baheen, sagte am Samstagabend, die Verhandlungen über die Freilassung der noch lebenden deutschen Geisel seien im Gange. Wer hinter der Entführung steckt, sagte er jedoch nicht.

Afghanistan-Einsatz nicht in Frage gestellt

Auch angesichts der dramatischen Ereignisse in Afghanistan wollen Politiker von Regierung und Opposition in Berlin am Einsatz der Bundeswehr in der Krisenregion festhalten. "Wir dürfen jetzt nicht mit unseren Anstrengungen nachlassen. Das afghanische Volk darf nicht im Stich gelassen werden", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der "Passauer Neuen Presse" .

Merkel betonte, der zivile Aufbau in Afghanistan habe bereits "erhebliche positive Wirkungen" gezeigt und müsse jetzt weiter vorangetrieben werden. Mit dem Koalitionspartner SPD gebe es in der Außenpolitik ein hohes Maß an Übereinstimmung.

aun/DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker