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Afghanistan: UN-Partner haben Beweise für Wahlbetrug

Gerüchte und Meldungen gibt es schon seit Wochen, nun ist es quasi amtlich: Bei der Wahl in Afghanistan hat es diverse Betrugsfälle gegeben. Eine von den UN unterstützte Komission fordert Neuauszählungen. Die Vorwürfe richten sich in erster Linie gegen das Lager des Präsidenten.

Bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan ist es nach Angaben der Unabhängigen Beschwerdekommission (ECC) zu Wahlbetrug gekommen. Knapp drei Wochen nach der Wahl teilte die von den Vereinten Nationen unterstützte Kommission am Dienstag mit, bei ihren Untersuchungen in mehreren Provinzen habe es "klare und überzeugende Beweise für Betrug" gegeben. Sie wies die afghanische Wahlkommission (IEC) an, Stimmen aus betroffenen Wahllokalen zu überprüfen und erneut auszuzählen. Die Betrugsvorwürfe richten sich in erster Linie gegen das Lager von Präsident Hamid Karsai, der nach den bislang vorliegenden Ergebnissen deutlich in Führung liegt.

Die Wahlkommission teilte mit, sie werde rund 200.000 Stimmen aus 447 der insgesamt rund 26.000 Wahllokale bei dem vorläufigen Wahlergebnis nicht berücksichtigen. Diese Stimmen seien "verdächtig" und zur Überprüfung an die Beschwerdekommission gegeben worden, sagte Daoud Ali Nadschafi von der IEC. Die Wahlkommission kündigte für Dienstagabend eine Pressekonferenz an, bei der weitere Teilergebnisse der Stimmenauszählung verkündet werden sollten.

Die ECC ordnete eine Prüfung von Wahllokalen an, in denen mehr als 100 Prozent der erwarteten Wahlberechtigten gewählt hätten. Geprüft werden müssten ferner Wahllokale, in denen ein Kandidat über 95 Prozent der Stimmen gewann. Nach den jüngsten Ergebnissen, die die IEC am Sonntag veröffentlicht hatte, gewann der Amtsinhaber bislang 48,6 Prozent der Stimmen. Sein wichtigster Herausforderer Abdullah Abdullah folgt demnach mit 31,7 Prozent.

DPA/ben / DPA