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Afghanistan: USA bestätigen Kontakt zu Taliban

Afghanistans Präsident Karsai sagte offiziell, was viele bereits vermuteten. Die USA stehen im Kontakt mit den Taliban. Auch US-Verteidigungsminister Gates räumte dies nun ein. Die Afghanen selbst sehen solche Gespräche skeptisch.

Der US-Verteidigungsminister Robert Gates hat Kontakte des US-Außenministeriums zu den radikalislamischen Taliban in Afghanistan bestätigt. "Bei einer Reihe von Ländern gab es den Willen zu Gesprächen mit den Taliban, die USA eingeschlossen", sagte Gates dem US-Sender CNN. Die Kontakte befänden sich allerdings noch im Anfangsstadium. Entscheidend sei es zunächst herauszufinden, "wer die Taliban tatsächlich vertritt". "Wir wollen uns schließlich nicht in Verhandlungen mit jemandem wiederfinden, der auf eigene Kappe arbeitet" und nur behauptet, im Namen von Taliban-Chef Mullah Omar zu sprechen, sagte der scheidende Verteidigungsminister.

"Zufrieden, dass der Prozess in Gang kommt"

Auch Deutschland zeigt sich offen für Verhandlungen mit den Taliban. Der deutsche Botschafter in Afghanistan hat den Versuch der Aufnahme von Gesprächen begrüßt. "Die Bundesregierung sagt seit Monaten, wir unterstützen einen politischen Prozess in Afghanistan", erklärte Botschafter Rüdiger König am Sonntag. Dazu gehörten auch Versöhnungsgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban, wobei die USA eine wichtige Rolle spielten. "Wir sind zufrieden, dass dieser Prozess jetzt in Gang kommt."

Vertreter afghanischer Vereine sind skeptisch

Afghanische Vereine und Frauenorganisationen stehen solchen Gesprächen allerdings kritisch gegenüber und fordern mehr Transparenz. Die Mentalität der Taliban und die Art, wie sich die Regierung an ihre Ideologie anbiedert, seien bereits heute besorgniserregend, schrieben sie in einem offenen Brief an den deutsche Bundestag vor einigen Wochen. Sie forderten zudem, Verhandlungen mit den Taliban nicht geheim, sondern transparent zu gestalten. Der Brief entstand Ende Mai nach einer Diskussionsrunde der Vertreter in der Heinrich-Böll-Stiftung in Kabul.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte am Samstag erstmals bestätigt, dass neben seiner Regierung auch die USA Gespräche mit den islamistischen Aufständischen führen. Wie Gates sagten auch westliche Diplomaten in Kabul, dass es bei den Kontakten vor allem darum gehe, einen Kommunikations-Kanal zur Taliban-Führung herzustellen.

Nur wenige Stunden nach Karsais Ansprache am Samstag gelang es einem Selbstmord-Kommando der Aufständischen, unweit vom Präsidentenpalast zuzuschlagen. In der Innenstadt Kabuls drangen drei Selbstmordattentäter in eine Polizeiwache an einem belebten Markt ein, die Angreifer trugen Armee-Uniformen. Außer den Attentätern starben neun Menschen. Ein weiteres Mal wurden die afghanischen Sicherheitskräfte unvorbereitet getroffen - die schon bald die Verantwortung von den ausländischen Truppen übernehmen sollen.

liri/DPA/AFP/DPA

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