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Al Kaida oder IS-Rückkehrer: Wer steckt hinter dem Anschlag von Paris?

Die Opfer des Terroranschlags sind bekannt: Redaktionsmitglieder von "Charlie Hebdo" und Polizisten. Aber wer waren die Täter? Steckt dahinter al Kaida? Oder Rückkehrer aus dem Islamischen Staat?

Exekution auf offener Straße: Die Attentäter handelten schnell, kaltblütig, gnadenlos

Exekution auf offener Straße: Die Attentäter handelten schnell, kaltblütig, gnadenlos

Noch verfolgt die Polizei die Attentäter des Anschlags auf die Redaktion von "Charlie Hebdo", zuletzt wurden sie im Norden der Stadt gesehen, als sie ihr Fluchtauto gewechselt haben. Mehrere tausend Polizisten sind im Einsatz, in Paris gilt die höchste Sicherheitsstufe, mehrere Gebäude wurden schon vorsorglich evakuiert. Niemand weiß, ob die Attentäter nicht noch weitere Pläne haben.

Möglich ist, dass hinter dem Anschlag al Kaida steckt. Genauer: deren jemenitische Filiale. Mindestens zwei Zeugen berichten, die Attentäter hätten ihnen zugerufen, sie seien von al Kaida. Einem zufolge hätten sie sogar gesagt: "Wir sind von al Kaida aus Jemen. Sag das den Medien."

Chefzeichner stand auf Todesliste

Tatsächlich stand der Chefzeichner von "Charlie Hebdo", der jetzt getötete Stéphane Charbonnier, auf einer Todesliste, die das Internetmagazin des Terrornetzwerks, "Inspire", veröffentlich hatte. Und tatsächlich gilt der jemenitische Arm des Terrornetzwerks als der operativ fähigste. Schon der Anschlag im Jahr 2000 auf die "USS Cole" im Hafen von Aden ging auf deren Konto. Auch der "Unterhosenbomber", der 2009 im Flug von Lagos nach Detroit einen Sprengsatz in seiner Unterhose zünden wollte, wurde gesteuert von der jemenitischen Filiale. Und erst heute Morgen ging in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eine Bombe vor einer Polizeiakademie hoch. Dabei starben 40 Menschen. Noch bekannte sich keiner zu dem Anschlag, doch vieles deutet darauf hin, dass auch dahinter al Kaida steckt. Möglich ist, dass der Anschlag von Paris das Terrornetzwerk wieder als führende Terrorbewegung etablieren soll. Zuletzt hatten sich immer mehr islamistische Bewegungen dem Islamischen Staat zugewandt.

700 Kämpfer aus Frankreich im IS

Allerdings könnte es auch sein, dass eben dieser "Islamische Staat" hinter dem Anschlag steckt. Die Professionalität, wie die drei Attentäter ihre Waffen handhabten, deutet, so sehen es Sicherheitsexperten, auf Kampferfahrung hin. Diese könnten die Männer in Irak oder Syrien erworben haben. Schon lange warnen Sicherheitsbehörden vor der Gefahr, die Kampf-Rückkehrer für Europa darstellen könnten. Frankreich stellt den größten Anteil aller europäischen Länder an Kämpfer für den "Islamischen Staat": mindestens 700 sollen es sein. Auf dem Video, das die Enthauptung eines amerikanischen Entwicklungshelfers im November 2014 zeigt, identifizierten die Sicherheitsbehörden zwei Franzosen.

Sicher ist allerdings bislang nur: Die Männer, die nun mit Kalaschnikows in die Büros von "Charlie Hebdo" stürmten, sprachen, das berichten Zeugen, perfektes Französisch.

stern