Al-Kaida-Vize "Trefft den Westen, wo er lange blutet"

Vom Stellvertreter Osama bin Ladens, Aiman al Sawahiri, ist eine neue Videobotschaft aufgetaucht. Darin droht er allen Ländern mit Anschlägen, in denen die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht wurden.

Al-Kaida-Vizechef Aiman al Sawahiri hat die Moslems in aller Welt zu Anschlägen gegen Länder des Westens aufgerufen. Vorbild könnten die Angriffe in New York, London und Madrid in den vergangenen Jahren sein, sagte Sawahiri in einer am Samstag über das Internet verbreiteten Videoaufzeichnung. Im Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen forderte er die Moslems zu einem Boykott verschiedener Länder, darunter auch Deutschlands, auf. Der radikal-palästinensischen Gruppe Hamas empfahl Sawahiri, bereits unterzeichnete Friedensabkommen mit Israel nicht anzuerkennen.

Die Moslems müssten "den Kreuzfahrern des Westens mit Anschlägen, besonders auf ihre ökonomische Infrastruktur, Verluste zufügen, an denen sie noch jahrelang bluten", sagte der Ägypter, der als Stellvertreter des Chefs der moslemischen Extremistenorganisation, Osama bin Laden, gilt. "Die Angriffe auf New York, Washington, Madrid und London sind dafür die besten Beispiele." Bei diesen Anschlägen waren mehrere tausend Menschen getötet worden. Es müsse verhindert werden, dass der Westen den Moslems das Erdöl raube, sagte Sawahiri. Das US-Außenministerium wies die Drohungen zurück. Keine Tonaufzeichnung könne die Entschlossenheit der USA schwächen, zusammen mit den Verbündeten den internationalen Terrorismus zu bekämpfen, sagte Außenamtssprecher Justin Higgins.

Boykott wegen Mohammed-Karikaturen

Die Mohammed-Karikaturen bezeichnete Sawahiri als Teil der Strategie der von den USA angeführten "Kreuzfahrer" aus dem Westen. Er rief die Moslems zum Boykott der Länder auf, die die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und damit den Propheten beleidigt hätten. "Es ist unsere Pflicht, an einem massiven Wirtschaftsboykott gegen Dänemark, Norwegen, Frankreich, Deutschland und all die anderen Länder teilzunehmen, die an dem Kreuzfahrer-Angriff gegen den Islam beteiligt sind."

Die umstrittenen Mohammed-Zeichnungen waren im vergangenen Jahr erstmals in Dänemark veröffentlicht und im Januar in mehreren europäischen Zeitungen nachgedruckt worden, darunter auch Blätter in Deutschland. Die Karikaturen lösten in zahlreichen moslemischen Ländern teils gewaltsame Proteste aus, bei denen diplomatische Vertretungen in Flammen aufgingen und dutzende Menschen starben.

"Palästina für Brotkrumen verkauft"

Die palästinensische Hamas forderte Sawahiri auf, auch bereits unterzeichnete Friedensabkommen mit Israel nicht anzuerkennen. "An die Macht zu kommen ist kein Selbstzweck ... und kein Palästinenser hat das Recht, auch nur ein Sandkorn des Bodens abzugeben", sagte er. "Die Säkularisten in der palästinensischen Regierung haben Palästina für ein paar Brotkrumen verkauft ... Ihnen Legitimität zu verschaffen, ist gegen den Islam."

Der Hamas-Funktionär Osama Hamdan bekräftigte in einer Stellungnahme zu dem Video, dass seine Organisation die Vereinbarungen mit Israel nicht akzeptiere. "Die Hamas-Bewegung wird die Palästinenser und die islamische Nation nicht verraten", erklärte Hamdan in al Dschasira.

Reuters Reuters

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