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Anna Lindh: Mord als Tat eines Psychopathen?

Der neue Hauptverdächtige im Mordfall Anna Lindh ist heute in Untersuchungshaft genommen worden. Zudem wird der 24-Jährige auf seinen psychischen Zustand untersucht.

Der neue Hauptverdächtige im Mordfall Anna Lindh ist heute in Untersuchungshaft genommen worden. Die schwedische Polizei hat damit zwei weitere Wochen Zeit, Beweise gegen den aus dem früheren Jugoslawien stammenden Mann vorzubringen. Haftrichter Göran Nilsson begründete die Entscheidung nach einer nicht öffentlichen Anhörung mit Fluchtgefahr. Er ordnete zudem ein psychiatrisches Gutachten für den 24-jährigen Verdächtigen an, der als Mijailo Mijailovic identifiziert wurde.

Nach Angaben der Polizei besteht ein "hinreichender Verdacht", dass es sich bei dem am Mittwoch festgenommenen Mann um den Attentäter handelt, der am 10. September in einem Stockholmer Kaufhaus die schwedische Außenministerin angegriffen und schwer verletzt hatte. Lindh starb am folgenden Tag im Krankenhaus.

Der Verdächtige ist laut Gerichtsunterlagen mehrfach vorbestraft. Medien berichteten unter Berufung auf Polizeikreise, eine DNA-Analyse seiner Haare stimme mit den DNA-Spuren einer am Tatort gefundenen Baseballkappe überein.

Psychiatrisches Gutachten empfiehlt eine dringende psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung

Mijailovics Anwalt Peter Althin sagte, sein Mandant bestreite jegliche Verwicklung in den Mordanschlag. "Wir sind noch meilenweit von einem Urteil entfernt", betonte er. "Er ist nicht schuldig, bis es ein Urteil gibt." Mijailovic habe noch nicht entschieden, ob er gegen den Gerichtsbeschluss Einspruch erheben wolle.

Nilsson sagte, die Anklage müsse spätestens am 10. Oktober um 11.00 Uhr neue Beweise vorlegen. Er verteidigte die von Althin kritisierte Preisgabe von Mijailovics Namen: "Dies ist eine offene Gesellschaft und diese Person ist aus hinreichenden Gründen ein Verdächtiger", sagte er.

Der 24-Jährige stand bereits mehrfach vor Gericht: 1997 verletzte er seinen Vater mit mehreren Messerstichen in den Rücken. Ferner ist er wegen unerlaubten Waffenbesitzes und wegen Drohanrufen bei zwei Frauen aktenkundig. In einem psychiatrischen Gutachten wurde eine dringende psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung Mijailovics empfohlen, nicht aber die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Polizeit steht unter großem Erfolgsdruck

Mijailovic wurde am Donnerstag verhört, wie die Polizei mitteilte. Sie steht wegen der Popularität der Politikerin und der bis heute ungeklärten Ermordung von Ministerpräsident Olof Palme 1986 unter großem Erfolgsdruck. Ein erster Verdächtiger im Fall Lindh, ein 35-jähriger Wohnsitzloser, wurde nach einer Woche freigelassen.

Auch in der Palme-Fahndung war ein Verdächtiger nach einer Woche freigelassen worden. Ein anderer Verdächtiger wurde zur Haft verurteilt, in der Berufung aber frei gesprochen. Anders als im Fall Lindh wurde nach dem dem Palme-Mord die Tatwaffe bis heute nicht gefunden.