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Mordfall Anna Lindh: DNA-Proben liefern keine neuen Beweise

Auf der Suche nach dem Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh haben die Fahnder nach Meinung von Experten kein neues Belastungsmaterial gegen den Hauptverdächtigen.

Wenige Stunden nach der Trauerfeier für die ermordete schwedische Außenministerin Anna Lindh hat ein Stockholmer Gericht am Freitag Untersuchungshaft für den Hauptverdächtigen angeordnet. Es entsprach damit unter Ausschluss der Öffentlichkeit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde muss allerdings spätestens in einer Woche bei einem weiteren Haftprüfungstermin neues Belastungsmaterial gegen den 35 Jahre alten Schweden vorlegen.

U-Haft verlängert

Oberstaatsanwalt Krister Petersson hatte den Antrag auf Untersuchungshaft nur mit einem "angemessenen Tatverdacht" und damit der schwächeren von zwei Möglichkeiten nach schwedischem Recht begründet. Der zuständige Untersuchungsrichter Lars Sjöström sagte zu der Entscheidung des Gerichtes, mit der Haft solle der Gefahr vorgebeugt werden, dass der Verdächtigte "Beweismaterial beseitigt oder sich den Ermittlungen auf andere Weise entzieht". Das werteten Experten als Bezugnahme auf mögliche Selbstmordabsichten des Mannes, der mit einer Decke bedeckt in den Gerichtssaal hinein und später wieder herausgeführt wurde.

Die Polizei verweigerte weiter jede Auskunft. Dennoch galt als sicher, dass eine DNA-Analyse des 35 Jahre alten Mannes für die Fahnder nicht das erhoffte Ergebnis gebracht hat. Sein "genetischer Fingerabdruck" war mit DNA auf einer in der Nähe des Tatortes gefundenen Baseball-Kappe verglichen worden. Im Fall der Identität beider DNA-Spuren hätte die Staatsanwaltschaft nach Aussage von Juristen auf der Basis eines "wahrscheinlichen Verdachts" auf eine zweiwöchige Untersuchungshaft plädiert.

Persson: "Große Politikerin für Visionen und für den Alltag"

Schwedens Ministerpräsident Göran Persson nannte Lindh bei der Trauerfeier eine "große Politikerin für Visionen und für den Alltag". Sie habe an die Menschen geglaubt. Ihr Engagement als Sozialdemokratin sei vor allem vom Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit für Menschen in den armen Ländern geprägt gewesen.

In sehr persönlich gehaltenen Reden erinnerten der griechische Außenminister Giorgos Papandreou, der britische EU-Außenkommissar Chris Patten und die schwedische Umweltkommissarin Margot Wallström an den Einsatz der mit 46 Jahren ums Leben gekommenen Schwedin für die europäische Integration. Papandreou sagte an die Adresse von Lindhs Ehemann Bo Holmberg und die beiden Söhne des Paares im Alter von 9 und 13 Jahren: "Unsere europäische Familie wird Anna heute und in Zukunft gedenken."

30 Staatsvertreter nahmen an der Trauerfeier teil

Zu den Gästen in dem mit den Fahnen Schwedens, der EU und der Vereinten Nationen sowie mit roten Fahnen der Sozialdemokratie geschmückten Stadthaus gehörten auch der schwedische König Carl XVI. Gustaf, Königin Silvia und die drei Kinder der Königsfamilie. 30 Staaten waren durch ihre Außenminister vertreten. Bundesaußenminister Joschka Fischer nahm für die Bundesregierung teil, die SPD war durch Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simons und Generalsekretär Olaf Scholz vertreten.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi traf nach der Trauerfeier mit Persson zu einem Gespräch über Konsequenzen aus dem Nein beim schwedischen Euro-Referendum am vergangenen Sonntag zusammen.

Zu der Untersuchungshaft für den Hauptverdächtigen sagte dessen Anwalt Gunnar Falk, er habe Verständnis für den Wunsch der Polizei, durch eine Woche Untersuchungshaft mehr Zeit vor allem zur Sicherung technischer Beweise zu bekommen. Es spreche für das Rückgrat der Staatsanwältin, mit der Art ihres Antrages klar zum Ausdruck zu bringen, dass man nicht über mehr Material als bei der Festnahme verfüge.