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Argentinien Gegen Diskriminierung: Öffentliche Unternehmen müssen ein Prozent der Jobs an Transpersonen vergeben

Bei einer Pride-Parade marschieren bunt gekleidete Menschen mit Masken und schwenken die Regenbogen-Flagge
Am Wochenende gab es zahlreiche "Pride Paraden", um auf die Situation der LGBTQ+-Community aufmerksam zu machen, aber auch um sie zu feiern – hier in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota
© Wendy P Romero / ZUMAPRESS.com / Picture Alliance
Argentinien hat bereits eine der progressivsten Gesetzgebungen für Transrechte weltweit, bessert aber weiter nach: Ein Prozent der Jobs im öffentlichen Sektor müssen künftig an Transpersonen gehen. Aktivist:innen zeigen sich begeistert, denn viele werden noch immer diskriminiert.

Der Auslöser für ein neues Gesetz in Argentinien ist die Zahl 9: Nur neun Prozent der Transpersonen in Argentinien haben einen Job, von diesen neun Prozent sind wiederum 70 Prozent als Sexarbeiter:innen tätig. Dem möchte das neue Gesetz der argentinischen Regierung entgegensteuern. Ein Prozent der Jobs im öffentlichen Sektor sollen jetzt an Transpersonen gehen. Das betrifft beispielsweise staatlich-geführte Banken, Krankenhäuser oder Regierungsstellen. Private Unternehmen sollen darüber hinaus finanzielle Anreize bekommen, um mehr Transpersonen einzustellen. Das Gesetz wurde Ende Juni beschlossen und mit einer großen Mehrheit angenommen.

"Dieses Gesetz wird unser Leben verändern"

LGBTQ+-Aktivist:innen freuen sich über die Zustimmung zu dem Gesetzesentwurf: "Dieses Gesetz wird unser Leben verändern. Einen festen Job zu haben, eine Gehaltsabrechnung und eine Kreditkarte zu haben, sind selbstverständliche Dinge für eine heterosexuelle Person, aber nicht für uns", sagte Claudia Vasquez Haro von der Argentinischen Bundesversammlung der Transgender (Convocatoria Federal Trans y Travesti Argentina, CFTTA) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Obwohl Argentinien eine im weltweiten Vergleich recht progressive Gesetzgebung hat, was die Rechte von LGBTQ+-Personen angeht, werden viele aus der Community auch dort diskriminiert und erfahren massive gesellschaftliche Nachteile. Viele können beispielsweise die Schule nicht beenden, werden von Familien auf die Straße gesetzt oder finden keinen Job. Eine Studie von 2017 ergab, dass die Lebenserwartung von Transpersonen in Argentinien bei nur 32 Jahren liege, so Reuters.

Studien zufolge ist die Lebenserwartung von Transpersonen nahezu halbiert

Noch heute begehen weltweit viele Suizid, infizieren sich mit HIV oder sterben an Aids, auch weil viele von ihnen in die Prostitution getrieben werden, oder Opfer von Hassverbrechen werden. Das Forschungsprojekt Trans Murder Monitoring (TMM) ergab, dass  zwischen Januar 2008 und September 2018 fast 3000 Menschen weltweit nur deshalb umgebracht wurden, weil sie sich als Trans identifizieren.

Argentinien war im Gegensatz dazu 2012 das erste Land der Welt, welches gesetzlich regelte, dass Menschen sich das Geschlecht, dem sie sich zugehörig fühlen, frei aussuchen können, ohne vorher eine psychologische Beratungsstelle zu konsultieren oder gar vor Gericht ziehen zu müssen.

Zur Feier des neuen Gesetzes wurde der Präsidentenpalasts in den Farben der Transflagge angestrahlt

Der Gesetzesentwurf zur "Förderung des Zugangs zu formeller Beschäftigung für Transvestiten, Transsexuelle und Transgender" geht auf den Mitte-links-stehenden Präsidenten Alberto Fernández zurück. Er hatte den Entwurf ursprünglich als Notverordnung eingebracht. Bei der Abstimmung Ende Juni stimmte der überwiegende Teil des Senats dafür – lediglich eine Person stimmte dagegen – bei sechs Enthaltungen.

Zur Feier dieser Gesetzgebung wurde der Palast des Präsidenten, die "Casa Rosada", in den Farben der Transflagge angestrahlt: Die hellblauen Streifen stehen für Männlichkeit, die rosa Streifen für Weiblichkeit und der weiße in der Mitte für alles dazwischen.

Quellen: Reuters / "Buenos Aires Times" / Twitter / "What happened last week" / "Fluter" / "männer*"


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