Attentat in Palästina Hamas-Funktionär ermordet


Wenige Stunden vor dem Besuch der US-Außenministerin Condoleezza Rice in den Palästinenser-Gebieten haben maskierte und bewaffnete Männer einen Hamas-Anführer im Westjordanland getötet. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar.

Am Vortag hatten einige Anhänger der militanten Fatah-Gruppe Al-Aksa-Brigaden die Ermordung von Hamas-Funktionären angekündigt, weil sie für die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern verantwortlich seien.

Augenzeugen berichteten, das Auto der Täter habe israelische Nummernschilder gehabt. Fatah-Funktionäre in der Stadt Kalkilja bestritten eine Verwicklung in den Überfall. Die Hamas erklärte, sie wisse nicht, wer dahinter stecke, und die israelische Armee teilte mit, sie habe damit nichts zu tun.

Attentat nach Morgengebet

Drei maskierte Männer erschossen nach Berichten von Augenzeugen den 37-jährigen Mohammed Odeh, als er nach dem Morgengebet eine Moschee in Hableh im Westjordanland verließ. Die Bewaffneten seien aus einem Auto gesprungen, hätten das Feuer eröffnet und seien dann davongerast. Odeh, ein lokaler Hamas-Anführer, starb nach Angaben von Sanitätern auf dem Weg ins Krankenhaus.

In den vergangenen zwei Tagen sind bei gewaltsamen Machtkämpfen zwischen den rivalisierenden Palästinenser-Gruppen Fatah und Hamas mindestens zwölf Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt worden. Die der Fatah von Präsident Mahmud Abbas nahe stehenden Al-Aksa-Brigaden drohten daraufhin mit der Ermordung von Hamas-Anführern. Die Augenzeugen in Hableh schlossen aber auch nicht aus, dass der Überfall auf Odeh von israelischen Geheimagenten verübt wurde. Israelische Sondereinsatz-Kommandos hatten schon mehrfach bei solchen Aktionen Palästinenser getötet.

Rice plädiert an palästinensische Regierung

US-Außenministerin Rice, die im Laufe des Tages zu Gesprächen mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas in Ramallah erwartet wurde, forderte ein Ende der internen Kämpfe im Gaza-Streifen und im Westjordanland. Unschuldige Menschen gerieten bei den Auseinandersetzungen ins Kreuzfeuer, sagte Rice in Saudi-Arabien. Die internen Auseinandersetzungen machten die Bemühungen um einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern komplizierter. Die Palästinenser bräuchten eine Regierung, die sich an bestehende Friedensabkommen halte, Israel anerkenne und der Gewalt abschwöre, sagte Rice weiter. Arabische Politiker hatten Rice zuvor in Saudi-Arabien und Ägypten auf die Dringlichkeit hingewiesen, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu lösen.

Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas warf Rice indes vor, nach dem Prinzip "teile und herrsche" vorzugehen. Er forderte arabische und muslimische Länder auf, sich nicht von den Interessen der US-Regierung vereinnahmen zu lassen. Hanija wiederholte seinen Appell, die Kämpfe zwischen den Palästinensern einzustellen und zu Verhandlungen über eine Einheitsregierung zurückzukehren. Präsident Mahmud Abbas erwägt angesichts der anhaltenden Gewalt einem ranghohen Berater zufolge, eine Notstandsregierung einzuberufen oder vorgezogene Wahlen anzusetzen.

Reuters Reuters

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