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Attentat von Arizona Die irre Welt des Todesschützen Jared Loughner


Jared Lee Loughner ist für sechs Tote und eine schwer verletzte Abgeordnete verantwortlich. Der Sonderling fürchtete Gedankenkontrolle durch die Regierung.

Ist das vergiftete politische Klima in den USA Schuld am dem Attentat? Nach dem Mordanschlag herrscht in den USA Betroffenheit und Ratlosigkeit. Unfassbar ist die Brutalität der Tat. Gabrielle Giffords wurde von einem gezielten Kopfschuss niedergestreckt. Danach begann der als Jared Lee Loughner identifizierte Schütze auf die weiteren Anwesenden zu schießen. So wahllos die Opfer auf dem Parkplatz des Supermarkts waren, so gezielt das Vorgehen des Täters. Er verletzte weitere zwölf Personen und tötete sechs. Darunter ein kleines Mädchen, das mit den Nachbarn zu der Veranstaltung gegangen war. Zwei mutige Passanten konnten Loughner überwältigen und damit ein noch schlimmeres Blutvergießen verhindert. Inzwischen sitzt der Schütze sitzt in Untersuchungshaft. Wie es hieß, verweigert der Täter jede Aussage, seine Motive blieben unklar. Obwohl der Täter offenbar ein verwirrter Sonderling ist, sieht das politische Amerika die Schuld auch bei sich. Fast ist es, als würde man denken: "Das musste irgendwann so kommen." Entsetzt stellen die USA fest, wie vergiftet die politische Auseinandersetzung in den letzten Jahren geworden ist.

Reizbarer Einzelgänger

Der Täter Jared Lee Loughner scheint alles andere als ein organisierter Politaktivist gewesen zu sein. Es werden zwar über Verbindungen zur extremen American Renaissance Group spekuliert, doch bei den Behörden ließ sich Loughner als unabhängiger Wähler registrieren.

Jared Lee Loughner galt schon lange als Einzelgänger. Er lebte zusammen mit seinem Vater, der bei den Nachbarn als schwierig gilt. Beide besaßen den Status zurückgezogener Sonderlinge. Grant Wiens ging gemeinsam mit Loughner zur High School und auf das Pima Community College. Von Loughner sagte er: "In der High School war er ein Typ, der immer seine ganz eigene Meinung hatte. Es schien ihn überhaupt nicht zu kümmern, was die Leute von ihm dachten. Er zog einfach sein eigenes Ding durch." Eine andere Klassenkameradin beschrieb ihn als "offensichtlich gestörte" Person. Lehrer berichteten von regelmäßigen, von außen nicht zu erklärenden Ausbrüchen. Schlüssig ist das Bild des Attentäters nicht. In der High-School-Zeit spielte Loughner sogar Saxophon in einer Jazz Band. Die Band soll er wegen seiner Drogenprobleme verlassen haben. Die Mitschülerin Lydian Ali berichtete dem Arizona Daily Star, dass Loughner während des Unterrichtes an der Volkshochschule regelmäßig laut mit sich selbst sprach "Er wirke, als lebte er ganz auf seinem eigenen Planeten, denn seine Kommentare hatten überhaupt nichts mit dem zu tun, worüber wir anderen gerade sprachen", sagte Ali.

Verquaste Verschwörungstheorien

Internet-Videos zeigen seine schräge Weltsicht. Loughner argwöhnte, die Regierung wolle die Gedanken der Bevölkerung durch Manipulationen an Wörtern beeinflussen. Literatur und Grammatik beschäftigten den 22jährigen intensiv. Gleichzeitig träumte er von einer neuen Währung für Amerika und beschäftigte sich damit eigene Münzen zu entwerfen. Um sein Bewusstsein zu schärfen, versuchte Loughner gezielt, seine Träume zu beeinflussen.

Vermutlich wurde ein gestörter und kranker Mensch von den politischen Hasskampagnen vollkommen aus der Bahn geworfen. Der zuständige Sheriff Clarence Dupnik verwies auf die unheilige Entwicklung der immer heftigeren, immer hässlicheren politischen Auseinandersetzung in den USA und Arizona. "Wir sind zu einem Mekka des Hasses und der Vorurteile geworden." Ein derart giftiges Klima könne psychisch labile Menschen beeinflussen. Auch das National Jewish Democratic Council sah diesen Zusammenhang: Es könne kaum Zweifel bestehen, dass das "Ausmaß der Bosheit in unserem politischen Diskurs zu der Atmosphäre beigetragen hat", in der das Attentat passierte, hieß es. Loughners Attentat wirft nun ein Schlaglicht auf diese politische Unkultur.

Giffords ansprechbar

Am Tag nach dem Anschlag zeigten sich die behandelnden Ärzte "vorsichtig optimistisch" über den Gesundheitszustand der Politikerin Giffords. Sie sei ansprechbar gewesen und befinde sich nun in einem künstlichen Koma, sagten die Ärzte Michael Lemole und Peter Rhee vom Traumazentrum des Universitätsklinikums in Tucson (Arizona). Die 40-jährige Kongressabgeordnete sei in der Lage, "einfache Kommandos" zu befolgen. Das zeigt nach Einschätzung der Mediziner "ein hohes Maß an Gehirnfunktion".

Kra/DPA DPA

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