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Attentat von Arizona Staranwältin vertritt Jared Lee Loughner


Bewacht von mehr als einem Dutzend Marshalls und offenbar zurechnungsfähig ist der Todesschütze von Arizona vor den Haftrichter getreten. Ende Januar wird der Prozess eröffnet. Eine Anwältin, die schon einen Attentäter des 11. Septembers vertrat, wird Jared Lee Loughner dann verteidigen.

Der mutmaßliche Attentäter von Tucson ist am Montag (Ortszeit) einem Gericht in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona vorgeführt worden. In der kurzen Anhörung verlas der Richter Michael Anderson die Anklage gegen den 22-jährigen Schützen Jared Loughner, dem zwei Morde und drei Mordversuche vorgeworfen werden.

Bei dem 15-minütigen Haftprüfungstermin wurde Loughner in Phoenix zu seinen Personalien befragt, zudem las der Richter ihm die Anklagepunkte sowie das möglich Strafmaß vor, wie der US-Fernsehsender CNN berichtete. Freunde oder Familienangehörige des Attentäters seien nicht in dem völlig von Medienleuten überfüllten Raum gewesen.

Erste Verhandlung am 24. Januar

Der zuvor als "geistig verwirrt" beschriebene Angeklagte schien die Situation vollauf zu begreifen und antwortete auf die Fragen des Richters zu seinen Personalien mit einem knappen "Ja." Nach Angaben der Justiz könnten zu den bisher erhobenen Vorwürfen weitere Anklagepunkte hinzukommen. Die erste Verhandlung wurde auf den 24. Januar festgesetzt.

Verteidigt wird Loughner von Judy Clarke, die bekannt wurde als Anwältin von "Unabomber" Theodore Kaczynski und Zacarias Moussaoui, der in den USA wegen Mittäterschaft bei den Anschlägen des 11. September 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Ob das Attentat von Samstag, bei dem Loughner während einer politischen Veranstaltung in Tucson die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords in den Kopf schoss, sechs andere tötete und 13 weitere verletzte, einen politischen Hintergrund hat, wird noch zu klären sein.

Schweigen für die Opfer

US-Präsident Barack Obama hielt am Montag gemeinsam mit seiner Frau Michelle vor dem Weißen Haus eine Schweigeminute für die Opfer ab. Wie sein Büro später mitteilte, wird Obama am Mittwoch an einer Gedenkfeier für die Opfer in Tucson teilnehmen.

Am Montag befand sich Gabielle Giffords weiter in einem kritischen Zustand, die behandelnden Ärzte zeigten sich jedoch verhalten optimistisch. "Keine Veränderung des Zustands zu diesem Zeitpunkt ist eine gute Sache", sagte der behandelnde Arzt Michael Lemole. Sie könne hören, verstehen und befolge Anweisungen, sagte Mediziner Peter Rhee. Das zeige, dass Denkprozesse "auf einem ziemlich hohen Niveau" funktionierten. Die Politikerin gehöre zu einer "sehr kleinen Gruppe", die eine solche Verletzung überlebten, hieß es von den Ärzten. Giffords habe nach Aufforderung zwei Finger gehoben und die Hand gedrückt.

Tea-Party-Bewegung verteidigt sich

Mitglieder der Tea-Party-Bewegung beklagten unterdessen die gegen ihrer Frontfrau Sarah Palin erhobenen Vorwürfe. "All das ist skandalös", erklärte der "Tea Party Express" in einer Botschaft an seine Mitglieder. "Wir haben mit diesem tragischen und furchtbaren Ereignis nichts zu tun." Zahlreiche Demokraten und Kommentatoren hatten die aufgeheizte politische Rhetorik während des Wahlkampfs im November mitverantwortlich für das Attentat gemacht. Insbesondere kritisierten sie die aggressive Rhetorik und Symbolik Palins, die auf ihrer Website symbolisch mit Fadenkreuzen auf demokratische Abgeordnete zielte, die es gelte abzulösen.

Für den "Tea Party Express" stellt die Kritik an der Frau aus Alaska jedoch nur den Versuch der Linken dar, das Attentat politisch auszunutzen. Bei Loughner handelt es sich demnach um einen "geistig verwirrten linksextremen Anarchisten". Nach ersten Erkenntnissen handelte Loughner allein. Bei einer Durchsuchung im Haus Loughners fanden die Beamten in einem Safe entsprechende Hinweise. Unter den Funden war ein Briefumschlag mit verschiedenen "Botschaften" Loughners. Sie enthielten Formulierungen wie "Mein Attentat", "Ich habe voraus geplant" und auch den Namen der demokratischen Kongressabgeordneten. Die Medien beschrieben ihn als einen einsamen, geistig instabilen jungen Mann, den die Armee wegen des Missbrauchs von Drogen ablehnte und den seine Universität wegen seinem beunruhigenden Verhalten ausschloss.

swd/AFP/DPA DPA

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