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Attentat in Arizona: Im Fadenkreuz von Sarah Palin

Ein verirrter Amokläufer wollte eine US-Politikerin töten. Ob er politische Motive hatte, ist unklar. Das Opfer stand auf einer umstrittenen Liste der Rechtsauslegerin Sarah Palin.

12 Menschen verletzt, einige davon schwer - darunter auch die demokratische US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords. Sechs Menschen tot. Ein Mann festgenommen. Ein Mensch wird gesucht. Das ist die Bilanz eines Sonnabends auf dem Parkplatz eines Safeway-Supermarkts in Tuscon in Arizona. Der Festgenommene ist der Schütze, ein 22-Jähriger namens Jared Lee Loughner. Seine Gedanken lassen sich aus seinen Internet-Postings erahnen, und sie sind mit wirr vorsichtig umschrieben. Sein letzter Eintrag auf Myspace am frühen Sonnabendmorgen lautete: "Auf Wiedersehen. Liebe Freunde, seid mir nicht böse."

Der Mann zeigt alle Auffälligkeiten, die solche Fälle häufig ausmachen: Er fiel laut "New York Times" unangenehm in seinem College auf, galt manchen als emotional zurückgeblieben, er beschäftigte sich mit Waffen, er fühlte sich verfolgt von der US-Regierung. Er wollte gern zur US-Army, doch die lehnte ihn ab. In den USA wird spekuliert, dass er psychisch krank sein könnte, etwa schizophren.

Palins Fadenkreuz richtete sich auf Giffords

Es ist noch unklar, ob der Täter irgendwelche politischen Motive hatte. Sein erster Schuss allerdings sollte eine Hinrichtung der 40-jährigen Politikerin Gabrielle Giffords sein. Er traf sie im Kopf, sie kämpft seither schwerverletzt um ihr Leben. Mit Giffords wählte der Attentäter eine Parteifreundin von US-Präsident Barack Obama. Giffords stimmte für die Gesundheitsreform - für manche Amerikaner ist das ein nur schwer auszuhaltender Liberalismus.

Giffords wurde als politische Gegnerin von Sarah Palin besonders aufs Korn genommen. Die konservative Tea-Party-Politikerin veröffentlichte vor den US-Kongresswahlen am 2. November eine Liste mit 20 demokratischen Kongressabgeordneten, deren Sitze es für die Tea Party zu attackieren gelte. Alle 20 wurden auf einer USA-Karte mit Fadenkreuzen markiert, wie man sie aus dem Zielfernrohr von Gewehren kennt. Eine, auf die Palin zielte, war Giffords.

Giffords kritisierte Palins Fadenkreuz damals mit den Worten: "Wenn man so etwas macht, muss man wissen, dass das Folgen haben kann." Aus heutiger Sicht eine bittere Vorhersage.

Auch wenn man Palin im Ernst nicht unterstellen kann, dass sie Gewalt wollte, hat in den Vereinigten Staaten unmittelbar nach dem Attentat eine Debatte über die politische Kultur und den Umgang von Politikern untereinander begonnen. Der Ton ist voller Hass gegen die Obama-Regierung, geschürt immer wieder von der erzkonservativen Tea-Party, deren Aushängeschild Palin ist. Tea-Party-Verantwortliche überschlagen sich seit dem Attentat mit Hinweisen, dass sie gegen Gewalt seien und der Täter nichts mit ihnen zu tun gehabt habe. Auch Palin äußerte sich geschockt über das Attentat.

Gabrielle Giffords schwebte am Sonntagnachmittag deutscher Zeit weiter in Lebensgefahr. Die Kugel durchschlug ihren Kopf. Sie ist verheiratet mit dem Astronauten Mark Kelly, 46, der bereits den Space Shuttle ins All steuerte.

tho/DPA/AFP / DPA