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Aufregung bei Fastfood-Kette Hähnchen gegen Homo-Ehe


Was hat ein Hähnchen-Burger mit der Home-Ehe zu tun? In den USA gerade sehr viel. Eine Fastfood-Kette sieht sich Boykott-Drohungen ausgesetzt, weil ihr Chef gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ist.

Eine Hähnchenbrater-Kette in den USA ist in den Mittelpunkt eines bizarren Streits um die Homo-Ehe gerückt. Die Fastfood-Kette erlebte am Mittwoch einen Ansturm von Gegnern und Befürwortern der Schwulenehe, nachdem ihr Präsident Dan Cathy eine Kontroverse zu dem Thema ausgelöst hatte.

Die Firma sei an der "biblischen Definition der Familie ausgerichtet", hatte Cathy einer christlichen Nachrichtenagentur gesagt. Das gab Ärger mit Menschen, die gleichgeschlechtliche Verbindungen unterstützen. Später hatte er in einem Interview ergänzt: "Ich glaube, dass wir Gott dazu einladen, über uns zu richten, wenn wir unsere Faust ihm gegenüber schütteln und sagen: Wir wissen besser als du, was eine Ehe ausmacht."

Gegner der Homo-Ehe futtern kiloweise Hähnchen

In vielen Städten bildeten sich lange Schlangen vor den Filialen von "Chick-fil-A", einem Restaurantunternehmen, das sich auf Hähnchen spezialisiert hat. Tausende waren gekommen, um Cathy mit ihrer Essenbestellung symbolisch zu unterstützen, nachdem er jüngst offen gegen die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner gewettert hatte. Politiker und Prominente kritisierten ihn heftig dafür. Zugleich demonstrierten Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe vor vielen der rund 1600 Restaurants, die vor allem im Süden des USA beheimatet sind.

Mit der offenen Ablehnung der Homo-Ehe löste Cathy einen Sturm der Entrüstung aus: Über Twitter und Facebook verkündeten Tausende, nie mehr bei der Fastfood-Braterei essen gehen zu wollen. In vielen der mehr als 1600 Filialen organisierten Aktivisten spontane Proteste. Eine Spielzeugfirma kündigte an, keine Spielsachen mehr für die Kinder-Menus der Kette produzieren zu wollen. Die Bürgermeister unter anderem von San Francisco, Boston, Chicago und Washington kritisierten "Chick-Fil-A" öffentlich und dachten lautstark darüber nach, ob die Kette in ihrer Stadt noch etwas zu suchen habe. Auch im Internet wurde protestiert und hitzig diskutiert. Gleichzeitig erhielt Cathy die Unterstützung prominenter US-Politiker. Der frühere republikanische Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, hatte zu einem "Chick-fil-A-Anerkennungstag" aufgerufen, dem am Mittwoch viele Amerikaner folgten.

Hinderung an der Öffnung neuer Fastfood-Filialen

In den USA tobt seit Jahren ein erbitterter politischer Streit um die Gleichstellung von Schwulen und Lesben auf der Heiratsurkunde. Konservative Gruppen und Kirchen laufen Sturm dagegen. Auf der Gegenseite stehen viele Demokraten, Menschrechtler und Hollywoodstars wie Brad Pitt, George Clooney oder Steven Spielberg. Der Komiker Steve Martin etwa twitterte zu der Hähnchen-Homo-Kontroverse gewohnt sarkastisch: "Ich habe gerade bei "Chick-fil-A" zu Abend gegessen und dann einen Mann geheiratet. Irgendwas war mit dem Burger".

US-Präsident Barack Obama hatte im Mai für einen Paukenschlag gesorgt und sich öffentlich - und als erster amtierender Präsident überhaupt - für die Homoehe stark gemacht. Er stellte sich damit bewusst gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney bei der Wahl im November, der die Gleichstellung homosexueller Paare mit der klassischen Ehe ablehnt. Das Thema ist dadurch voll auf die Wahlkampf-Agenda gerückt - und lässt die Emotionen hochkochen. Cathy hat sein "Chick-fil-A" mitten ins Zentrum des Streits bugsiert.

Obama setzt sich als erster Präsident für die Homo-Ehe ein

Das Restaurantunternehmen selbst hatte sich von Cathys Aussagen zu distanzieren versucht: Es würde weiterhin "jeden Menschen mit Ehre, Würde und Respekt zu behandeln - ungeachtet seines Glaubens, seiner Herkunft, seiner sexuellen Orientierung oder seines Geschlechts", hieß es in einer Mitteilung. "Wir wollen die Debatte über die Homo-Ehe der Regierung und der Politik überlassen."

val/DPA DPA

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