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Verkeimtes Fleisch: So erschreckend viele Hähnchen sind mit Durchfall-Bakterien infiziert

Jede zweite Hähnchen-Frischfleischprobe in Deutschland ist mit gefährlichen Keimen belastet. Von den Masthähnchen an Schlachthöfen sind laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sogar fast 80 Prozent mit dem Durchfallerreger Campylobacter belastet.

Geflügeltheke in einem Supermarkt mit abgepacktem Hähnchen

Das Angebot an Hähnchen und anderem Geflügel in deutschen Supermärkten ist vielfältig. Jedes zweite Produkt ist laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verunreinigt.

Geflügelfleisch ist seit Jahren der Hit in deutschen Haushalten. Mehr als zwölf Kilogramm des weißen, fettarmen Fleischs verspeiste jeder Deutsche nach Angaben des Onlineportals fleischwirtschaft.de im Jahr 2017. Tendenz steigend. Im Gegensatz zu Rind- und Schweinefleisch erfreut sich Geflügel bei den Deutschen nämlich immer größerer Beliebtheit.

51,8 Prozent der Hähnchen belastet

Für Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter Grund genug, die Qualität von Hähnchenfleisch mal etwas genauer unter die wissenschaftliche Lupe nehmen zu lassen. Auf seine schriftliche Anfrage erhielt er jetzt die Antwort der Bundesregierung, aus der die "Rheinische Post" berichtet. Demnach stieg der Anteil der mit dem Durchfallerreger Campylobacter befallenen Frischfleisch-Proben zwischen 2011 und 2017 von 31,6 auf 51,8 Prozent.

Hofreiter fordert Konsequenzen: "Die Bundesregierung muss für mehr Hygiene an den Schlachthöfen sorgen", sagte er der Zeitung. Direkt an den Schlachthöfen stellten die Kontrolleure vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sogar noch viel höhere Belastungen fest. Demnach waren dort fast acht von zehn Masthähnchen mit Campylobacter infiziert.

Hofreiter: "Grenzwerte müssen nachgebessert werden"

Die Bundesregierung müsse sich in Brüssel dafür einsetzen, dass die Grenzwerte für die Keimbelastung deutlich nachgebessert werden, verlangt Hofreiter. Für Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) ist zunächst etwas anderes entscheidend. "Die Schlachthäuser müssen besser kontrolliert und zu verbesserten Hygienemaßnahmen verpflichtet werden", verlangt er. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts führen Campylobacter-Erreger jährlich zu 60.000 bis 70.000 gemeldeten Erkrankungen. Die Dunkelziffer sei aber deutlich höher. Besonders häufig betroffen sind Kinder, ältere Menschen und Schwangere. 

In den USA versuche man, die Keime auf Geflügelfleisch mit Chlor zu beseitigen. Diese Methode sei in Europa nicht erlaubt. Darauf weist der Bundesverband des Lebensmittelhandels hin. Stattdessen finden Verbraucher in Europa Verzehrhinweise auf den Verpackungen.

So schützen Sie sich gegen Campylobacter

  • Hähnchenfleisch getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren und zubereiten
  • regelmäßiges Händewaschen bei der Küchenarbeit
  • Arbeitsfläche nach dem Kontakt mit rohem Fleisch gründlich reinigen
  • Geschirr heiß abspülen oder besser bei 60 Grad in der Spülmaschine reinigen
  • getrennte Küchenutensilien für rohe und gegarte Lebensmittel nutzen
  • abgetautes Wasser von Frost-Geflügel sofort entsorgen
  • Geflügelfleisch immer gut durchbraten, um mögliche Erreger abzutöten
  • Spüllappen und Küchenhandtücher nach jeder Fleischzubereitung heiß auswaschen 
Geflügelfleisch kann mit krankmachenden Keimen belastet sein
js / AFP

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