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Aufstand gegen Assad Tote und Verletzte am Blutfreitag in Syrien


Syriens Präsident Assad hebt den verhassten Ausnahmezustand auf, lässt aber weiter auf Demonstranten schießen. Die Protestbewegung hat Dutzende Tote zu beklagen - und zeigte sich am Freitag machtvoller denn je.

Ungeachtet der Aufhebung des seit fast 50 Jahren geltenden Ausnahmezustands in Syrien sind Sicherheitskräfte gewaltsam gegen regierungskritische Massendemonstrationen vorgegangen. Bei den Einsätzen gegen die landesweiten Kundgebungen seien am Freitag mindestens 70 Menschen getötet worden, berichteten Aktivisten und Menschenrechtsgruppen, hunderte seien verletzt worden. Sieben Demonstranten starben demnach in mehreren Vorstädten von Damaskus, 18 allein in der südlichen Stadt Asraa, wo Heckenschützen von Hausdächern aus das Feuer eröffneten, zwei in der nördlichen Stadt Homs sowie weitere in mehreren anderen Städten.

Einer der Getöteten in Homs sei erst 17 Jahre alt gewesen, berichtete die Opposition auf ihren Webseiten. Auch in anderen Städten des Landes gingen nach dem Mittagsgebet erneut Zehntausende Menschen auf die Straße, um Demokratie und einen Regimewechsel zu fordern. In der südlichen Stadt Daraa wurden 50 Demonstranten durch Schüsse verletzt, wie Aktivisten berichteten.

Auch in der Stadt Hama feuerten Sicherheitskräfte auf Demonstranten, die sich zur örtlichen Zentrale der regierenden Baath-Partei aufgemacht hatten. Scharfschützen hätten vom Dach des Gebäudes in die unbewaffnete Menge geschossen, berichtete ein Teilnehmer der Demonstration.

Menge fordert Assads Rücktritt

In der Hauptstadt Damaskus trieben Sicherheitskräfte knapp 200 Demonstranten auseinander. Zuvor hatten die Teilnehmer, die sich vor der El-Hassan-Moschee versammelten, Slogans wie "Freiheit, Freiheit" und "Das syrische Volk ist eins" gerufen, wie der Chef der Syrischen Liga zur Verteidigung der Menschenrechte, Abdel Karim Rihaui, sagte. Es war eine der größten Kundgebungen in Damaskus seit Beginn der Protestwelle Mitte März.

Rund 5000 Demonstranten versammelten sich in der vorwiegend von Kurden bewohnten Stadt Kamischli im Nordosten Syriens. Dabei sprachen sich Kurden, Araber und orthodoxe Christen gemeinsam gegen Korruption aus. Im nordwestlichen Banias gingen nach Angaben eines religiösen Würdenträgers rund 10.000 Menschen "für Freiheit und für Reformen" auf die Straße.

In Daraa, wo die Protestwelle vor Wochen ihren Anfang genommen hatte, hätten Tausende Menschen für Assads Sturz und die Auflösung seiner Sicherheitsbehörden demonstriert, sagte ein Augenzeuge. "Hau ab, wir werden auf Dir und Deinem Schlächter-Regime herumtrampeln", skandierte die Menge. Proteste wurden auch aus den Städten Deir-al-Sor, Kamishli und Rakka gemeldet.

250 Tote seit Beginn der Protestwelle

Assad hatte am Tag zuvor den seit 1963 geltenden Ausnahmezustand aufgehoben. Die Demonstranten verlangten am Freitag die Freilassung Tausender politischer Gefangener, die bislang nicht von den halbherzigen Reformen des Präsidenten profitieren konnten.

Wie schon in den vergangenen Wochen trotzten die Demonstranten den Drohungen und Einschüchterungsversuchen des Regimes. Zwar setzte Assad am Donnerstag auch ein neues Versammlungsgesetz in Kraft, welches Demonstrationen legal macht, wenn sie vom Innenministerium genehmigt sind. Doch hatte das Gewalt-Ressort den Bürgern schon vor drei Tagen eingeschärft, sich von Demonstrationen fernzuhalten. Die Kundgebungen am Freitag konnten allein schon wegen der vorgeschriebenen Einreichungsfristen keine Genehmigungen erhalten.

Der Gewalt der Sicherheitskräfte fielen in Syrien seit Beginn der Proteste vor mehr als einem Monat rund 250 Menschen zum Opfer. Hunderte weitere wurden verletzt und verhaftet.

joe/AFP/DPA/Reuters DPA Reuters

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