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Ausland: 3-Millionen Menschen demonstrieren gegen Irak-Krieg

Millionen Menschen haben am Samstag weltweit gegen einen von den USA geführten Krieg gegen Irak demonstriert, mit dem das Land zur Abrüstung gezwungen werden soll.

"Die ganze Welt ist gegen diesen Krieg. Nur eine Person (US-Präsident George W. Bush) will ihn", sagte eine junge Frau, die an einer Demonstration in der südafrikanischen Metropole Kapstadt teilnahm. Zu den weltweit größten Demonstrationen seit dem Vietnam-Krieg war in über 600 Städten aufgerufen worden. Allein in Berlin folgten dem Aufruf nach Polizeiangaben eine halbe Million Menschen zur größten Friedenskundgebung seit der Gründung der Bundesrepublik. In Rom gingen über eine Million Menschen auf die Straße und hüllten die Stadt in ein Meer von Fahnen in Regenbogenfarben. In London strömten die Menschenmassen in den Hyde Park. In Paris versammelten sich Zehntausende am Place de la Bastille.

In Berlin, wo die Veranstalter zunächst lediglich 100.000 Demonstranten erwartet hatten, zogen am Samstagmittag zwei Marschsäulen zur Großkundgebung an der Siegessäule im Tiergarten. Nach Polizeiangaben versammelten sich am Kundgebungsplatz bis zu 500.000 Menschen, darunter auch mehrere Bundesminister und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Demonstranten trugen Plakate und Transparente mit Aufschriften wie: "Kein Bush-Feuer, sonst Flächenbrand" oder "Nein zum Irak-Krieg". Die Kundgebung war Teil der weltweiten Protestwelle unter dem Motto "Kein Krieg in Irak - Kein Blut für Öl".

Kann der Irak-Krieg noch verhindert werden?

Weltweite Proteste

Zum Auftakt der weltweiten Proteste gegen einen Irak-Krieg waren bereits am Freitag in Melbourne rund 150.000 und am Samstag in Canberra rund 16.000 Australier auf die Straße gegangen. Auch viele Ländern Asiens fanden Friedenskundgebungen statt. "Wir stehen am Rande des Dritten Weltkriegs", sagte eine japanische Hausfrau, die in Tokio auf die Straße ging.

In Rom beteiligten sich bei sonnigem Winterwetter Fernsehberichten zufolge etwa eine Million Menschen an der Demonstrationen. Die Organisatoren sprachen sogar von über drei Millionen Menschen - was dann weltweit überhaupt die größte Friedensdemonstration gewesen sein dürfte. Die Polizei erklärte, es sei zu schwierig, eine Zahl abzuschätzen. Die Londoner Organisatoren schätzten die Teilnehmerzahl auf über 1,5 Millionen, während die Polizei von mehreren Hunderttausend sprach. Die Regierung wolle den Krieg, nicht die britische Bevölkerung, sagte ein Demonstrant in London. Es gehe Bush nur ums Öl, sagte Londons Bürgermeister Ken Livingstone. Zu Protestaktionen wurde auch in den USA - etwa in New York und San Francisco - aufgerufen.

Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Tarek Asis sagte am Samstag in Rom Reuters, dies sei der Tag an dem die Menschen mit gutem Willen zeigten, dass sie gegen den Krieg von US-Präsident Bush seien.

Powell: "Wir sprechen über Wochen."

US-Außenminister Colin Powell sagte am Freitag nach Ende einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrates zur Frist, die Irak zur Abrüstung noch bleibt: "Wir sprechen über Wochen." Er verwies auf den 1. März, an dem die UNO-Waffeninspektoren einer früheren UNO-Resolution gemäß erneut über den Stand ihrer Kontrollen berichten müssen.

Die UNO-Inspekteure Hans Blix und Mohamed ElBaradei sagten im Rat, es seien bislang keine Beweise für oder gegen die Existenz von Massenvernichtungswaffen gefunden worden. Die Zusammenarbeit Iraks habe sich verbessert. Es sei jedoch nach wie vor ein aktiveres Verhalten des Landes erforderlich, um seine Abrüstung sicher stellen zu können.

Der britische Premierminister und engste Verbündete der USA, Tony Blair, warnte vor einem Autoritätsverlust der UNO, sollte Irak nicht auf friedlichem oder militärischem Wege entwaffnet werden. "Wenn wir jetzt Schwäche zeigen, wenn wir erlauben, dass die Bitte nach mehr Zeit als Entschuldigung für Ausflüchte dient bis der Moment zur Handlung verstreicht, dann ... wird die Bedrohung - und nicht nur durch (den irakischen Präsidenten) Saddam Hussein - wachsen", sagte Blair am Samstag auf einem Parteitag seiner Labour-Partei im schottischen Glasgow. "Die Autorität der UNO wird verloren gehen." Auch Blair sah sich Demonstrationen ausgesetzt. Etwa 25.000 Demonstranten hatten sich nach Polizeiangaben vor dem Tagungsgebäude versammelt.