Ausrüstung Mit der Hitze läuft den US-Militärs die Zeit davon


Wenn es ab April in der Wüste Iraks wieder richtig heiß wird, kann es für die Soldaten in ihren Schutzanzügen unerträglich werden. Den Militärstrategen läuft die Zeit weg.

Mitte Februar in der Golfregion: Nach den angenehmen Temperaturen in den ersten Wochen des Jahres kehrt langsam die Sommerhitze zurück, und mit ihr läuft den Militärstrategen die Zeit weg. Wenn es ab April in der Wüste Iraks wieder richtig heiß wird, kann es für die Soldaten in ihren Schutzanzügen unerträglich werden.

Hitzeschlag ist möglich

Das US-Verteidigungsministerium hat zwar erklärt, die Hitze an sich sei kein Hindernis für einen Krieg. Für die Soldaten dürfte es aber deutlich schwerer werden, vor allem dann, wenn sie zum Schutz vor chemischen und biologischen Waffen von Kopf bis Fuß in Schutzanzügen stecken. Erfahrungen aus dem Golfkrieg von 1991 zeigen, dass viele Soldaten damit nicht klar kommen. 1991 hatten die US-Geheimdienste vorausgesagt, dass Irak chemische Waffen benutzen würde. Die Soldaten der allierten Truppen trainierten das Anlegen der Anzüge in Sekunden. Chemische Waffen setzte Irak jedoch nicht ein.

Zwar sind die Soldaten heute besser trainiert und haben verbesserte Schutzanzüge. Doch das ändert nichts daran, dass die Anzüge unpraktisch und unkomfortabel sind. Der Mensch im Schutzanzug bewege sich in einer völlig unnatürlichen Welt, sagte Bernard Fine, ein früherer Wissenschaftler der US-Armee. "Der Träger ist in einer künstlichen Umgebung eingeschlossen, die die Verdunstung des Schweißes erheblich begrenzt und so die Fähigkeit des Körpers verringert, seine Temperatur zu regulieren", sagte er. Selbst bei moderaten Außentemperaturen könne ein Mensch in solch einem Schutzanzug bei starker körperlicher Arbeit verbunden mit hohem Stress einen Hitzeschlag erleiden.

Durch Gasmaske und Helm kann man nur schwer hören

Die Gasmaske und der Helm führten außerdem dazu, dass man nur noch schwer hören könne. Worte erreichten das Gehirn wie in Zeitlupe, sagte der ehemalige Marineinfanterist Anthony Swofford, dessen Einheit 1991 in Schutzanzügen Fußball spielen musste, weil ihre Kommandeure die Journalisten beeindrucken wollten. "Möge Gott uns schützen, denn diese Anzüge werden es nicht tun", hatte ein Soldat damals geklagt und nach dem Fußballspiel demonstrativ seinen Anzug verbrannt.

Einige Soldaten leiden nach Auskunft der Experten in den Anzügen unter Platzangst und reißen sie sich regelrecht vom Leib. Testergebnisse zeigten, dass die Anzüge Angst, Hyperventilation und in letzter Konsequenz Ohnmacht auslösen könnten, erläuterte Fine. Swofford erinnert sich noch an ein anderes Problem: Während des Kampfes habe er sich mehrfach in die Hose gepinkelt. Urin und Schweiz können nach den Worten der Experten aber das Gewebe der Anzüge zerstören und damit ihre Schutzwirkung verringern.

Douglas Hamilton

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